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Lkw-Verkehr: Laufen verärgert über Salzburger Entscheidung | BR24

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Bildrechte: BR/Theresa Krinninger

Die Bundesstraße B20 nahe der österreichischen Grenze ist eine wichtige Transitstrecke für den überregionalen Schwerverkehr. Die Anwohner haben es schon lange satt. Doch nun hat eine Entscheidung der Salzburger Behörden die Gemüter neu erhitzt.

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Lkw-Verkehr: Laufen verärgert über Salzburger Entscheidung

Die Menschen in Laufen im Berchtesgadener Land sind Lärm, Abgase und Stau leid. Der Lkw-Transitverkehr schiebt sich auf der B20 durch die Grenzstadt von und nach Österreich. Nun sorgt eine Entscheidung der Salzburger Behörden für weiteren Ärger.

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Von
  • Theresa Krinninger

Hans Feil steht am Stadttor von Laufen. Hinter ihm schiebt sich eine Lkw-Kolonne aneinander vorbei. Die B20 verläuft mitten durch die Stadt. Der Bürgermeister versucht, gegen den Lärm anzureden – das macht er jetzt schon seit mehr als zehn Jahren.

Die Diskussion über die Verkehrsbelastung in den Grenzstädten entlang der B20 ist nicht neu. Was den Bürgermeister aber in letzter Zeit besonders ärgert: "Die österreichischen Behörden haben im Alleingang entschieden, ihre Parallelstrecke für Lkw zu sperren", sagt der CSU-Politiker. Seit Juni dürfen auf der Transit-Verbindung auf österreichischer Seite, mit ein paar Ausnahmen, keine Lkw über 7,5 Tonnen fahren. Als Grund für die Maßnahme gaben österreichische Politiker an, dass das hohe Verkehrsaufkommen der Bevölkerung nicht mehr zuzumuten sei.

Anwohner auf der deutschen Seite befürchten, dass seitdem mehr Fahrzeuge auf die Bundesstraße B20 ausweichen.

Sattelschlepper beschädigen Häuser

Matthias Lill wohnt in der Innenstadt von Laufen. Nur ein schmaler Fußgängerweg trennt seine Hauswand von der Straße. Wenn die Lastwagen an der Engstelle dem Gegenverkehr ausweichen müssen, beschädigen sie immer wieder seinen Windfang am Dach. Inzwischen hat die Stadt dort schon ein Warnschild angebracht. "Uns ärgert das sehr. Einmal ist in Ordnung, aber das zweite und dritte Mal muss das dann nicht mehr sein“, sagt der Hausbesitzer. Matthias Lill beginnt nächstes Jahr mit der Sanierung der Hausfassade und hofft, dass sie dann heil bleibt. Die Kosten für Reparaturen muss er alleine tragen.

Anwohner fordern kleine Verbesserungen

Auch sein Nachbar Peter Zörner fühlt sich im Stich gelassen. Er hat sich schon an die lokalen Behörden und sogar an das Bundesverkehrsministerium gewandt. Aber er wurde immer wieder enttäuscht. "Man kann nichts ändern, heißt es immer wieder", sagt er. Das will er aber nicht akzeptieren. Denn auch kleine Verbesserungen seien möglich, etwa durch ein Nachtfahrverbot, mehr Fußgängerampeln oder eine Geschwindigkeitsanzeige am Ortseingang.

Ortsumfahrung ja, Kraftfahrtstraße nein

Ihre ganze Hoffnung legen die Innenstadtbewohner in die geplante Ortsumfahrung. Seit vielen Jahren war sie in der Diskussion: Jetzt ist sie beschlossen. Selbst Kritiker und Naturschützer sagen, eine Umfahrung sei überfällig. Doch die Ausmaße der Trasse war ihnen vorher nicht klar.

"An der Trasse stört mich, dass eine Schnellstraße mit zusätzlichem Wegenetz für landwirtschaftliche Fahrzeuge gebaut werden soll", sagt Franz Eder. Der Grünen-Politiker sitzt seit vielen Jahren im Stadtrat von Laufen. Seiner Meinung nach sei die teils dreispurige Kraftfahrtstraße völlig überdimensioniert. Auch bei den betroffenen Grundbesitzern regte sich Widerstand. Beim Verwaltungsgericht sind inzwischen einige Klagen eingegangen.

Franz Eder befürchtet, dass die groß angelegte Ortsumfahrung erst der Anfang vieler Umfahrungen entlang der B20 sein wird. Das Straßenbauamt in Traunstein bestätigt das. An vielen Stellen habe der Bund Ausbauabsichten, etwa in Burghausen und in Pirach.

Verkehrszählung in Laufen soll Klarheit schaffen

Noch ein Problem ist: Niemand weiß genau, ob seit der Schließung der österreichischen Transit-Strecke tatsächlich mehr Lkw auf der B20 fahren. Deshalb soll nun eine Verkehrszählung Klarheit schaffen. Darauf setzt auch Hans Feil, der Bürgermeister von Laufen: "Wir erhoffen uns, ganz konkret nachweisen zu können, dass unsere Befürchtungen, dass der Lkw-Verkehr seit der Transit-Sperre der österreichischen B156 zugenommen hat“, sagt Feil.

Doch obwohl die Daten noch in der Auswertung sind, lasse sich schon absehen, dass es keine bedeutsame Steigerung des Verkehrsaufkommens in den Monaten Juni bis September 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gebe, so die Einschätzung des Straßenbauamts.

Bürgerinitiativen kündigen weiteren Protest an

Die Situation für die betroffenen Anwohner bleibt trotzdem schwierig. Sobald es die Corona-Situation wieder zulässt, werden Bürgerinitiativen in den betroffenen Grenzorten entlang der B20 ihre geplanten Protestaktionen wieder starten.

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