BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

LKA-Ermittlungen abgeschlossen: OEZ-Attentat politisch motiviert | BR24

© BR

Im Sommer vor drei Jahren hat der tödliche Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum ganz Bayern geschockt. Nun steht fest: die Tat war kein Amoklauf, sondern rechtsextremistisch motiviert. Das hat das Landeskriminalamt bekanntgegeben.

40
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

LKA-Ermittlungen abgeschlossen: OEZ-Attentat politisch motiviert

Das Landeskriminalamt stuft das OEZ-Attentat 2016 offiziell als "politisch motivierte Gewaltkriminalität" ein. Anfangs war der Angriff noch als "Amoklauf" eingeordnet worden, was von Beginn an kritisiert wurde.

40
Per Mail sharen
Teilen

Das Landeskriminalamt stuft den OEZ-Anschlag vom 22. Juli 2016 als "politisch motivierte Gewaltkriminalität" ein. Wie das LKA heute mitteilte, gibt es Anhaltspunkte, dass der Täter, David Ali S., seine Opfer auch aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit und Herkunft ausgesucht hat. Die Auswertung seines "Manifests" und seiner Beiträge in verschiedenen Online-Foren zeigen eine rechtsextremistische Gesinnung, wie auch sein Interesse für den Rechtsterroristen Anders Breivik.

Staatsanwaltschaft ging von Mobbing als Motiv für OEZ-Attentat aus

Zunächst wurde der Angriff von David Ali S. als "Amoklauf" eingeordnet, da für die Ermittler seine Mobbing-Erfahrungen die zentrale Motivation für die Tat darstellten. An dieser Bewertung bestanden von Anfang an jedoch Zweifel, da es keine persönliche Beziehung zwischen dem Täter und den neun Opfern gab.

Lange hatten das LKA und mit ihm das bayerische Innenministerium als oberste Dienstbehörde mit sich gerungen. Vor knapp eineinhalb Jahren hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gegenüber dem BR noch erklärt: "Eine einseitige Bewertung als Amoklauf oder als politisch motivierte Kriminalität ist dem Fall nicht angemessen." Gleichzeitig erkannte Herrmann bei David S. "klare rassistische Ansätze".

"Politisch motivierte Gewaltkriminalität -rechts-"

Das LKA geht auch jetzt von einem Motivbündel aus, "welches sowohl Anhaltspunkte für das tatleitende Motiv der Rache als auch einer rechten Orientierung u.a. enthält". Nach dem bundesweit einheitlichen polizeilichen Definitionssystem setzt die Einstufung der Tat als "politisch motivierte Gewaltkriminalität -rechts-" nicht voraus, dass die politische Gesinnung der einzige Beweggrund für eine Tat ist.

Angehörige und Opposition forderten Aufklärung

Vertreter der Opfer-Angehörigen und die Landtagsangehörigen hatten lange auf die Einstufung als rechtsextremistische Tat gedrängt. Rechtsanwältin Claudia Neher, die neun Hinterbliebene vertritt, sprach gegenüber dem BR vone einem "beschämenden Verhalten der Ermittlungsbehörden."

"Es geht auch darum, dass der Staat und seine Behörden endlich Verantwortung übernehmen, anstatt diese Tat weiter zu verharmlosen. Und es geht darum, zu verhindern, dass ähnliches wieder passiert." Claudia Neher, Rechtsanwältin

Anlässlich des 3. Jahrestages des Anschlags forderten auch die Landtags-Grünen, den Anschlag als rassistisch motiviert anzuerkennen und als politisch motivierte Kriminalität von rechts in die Kriminalstatistik aufzunehmen.

"Der Täter und damit der Amoklauf waren rechtextremistisch und rassistisch motiviert." Katharina Schulze, Fraktions-Vorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag
© BR

Innenminister Joachim Herrmann und auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze begrüßen die Benennung von Rechtsextremismus als ein Tatmotiv beim OEZ-Attentat.