BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Lieferketten sichern: Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz | BR24

© BR

Produktionsprozesse in der Wirtschaft sind weltweit verknüpft. Die Corona-Pandemie hat viele zum Erliegen gebracht. Ein Problem auch für bayerische Hersteller - obwohl sich einige auf solche Fälle vorbereitet hatten.

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Lieferketten sichern: Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz

Produktionsprozesse in der Wirtschaft sind weltweit verknüpft. Die Corona-Pandemie hat viele zum Erliegen gebracht. Ein Problem auch für bayerische Hersteller – obwohl sich einige auf solche Fälle vorbereitet hatten.

1
Per Mail sharen

Beim Traktorenhersteller Fendt in Marktoberdorf kommen Scheibenwischer und Motoren normalerweise von einem Zulieferer aus Norditalien. Ohne die können die Traktoren nicht ausgeliefert werden, es drohen Vertragsstrafen. Um sich davor zu schützen arbeitet Fendt mit der Firma riskmethods aus München zusammen.

Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz wertet das Unternehmen Daten zu Wetter, politischen Unruhen, Krieg oder anderen Störungen bei Lieferanten aus. Am 22. Februar bekam das System eine Warnung, einen "Alert" über Schulschließungen in der italienischen Region Lombardei. Vorstand Heiko Schwarz präsentiert die damalige Auswertung: Die Künstliche Intelligenz des Systems hatte die Schulschließungen als ein Risiko erkannt, das auch den Lieferanten von Fendt treffen könnte.

Künstliche Intelligenz warnte Traktorenhersteller

Nachdem das System die Warnung an Fendt geschickt hatte, musste alles ganz schnell gehen, erklärt Josip Tomasevic, der AGCO-Fendt-Einkaufsvorstand. Die ersten Warnungen seien an einem Samstag eingegangen.

"Das heißt aber nicht, dass wir bis Montag gewartet haben, sondern dann ist am Samstag noch Aktion losgetreten worden", erzählt Tomasevic. "Es war ja absolut eine Präzedenz- Situation, die wir so in der Form auch noch nicht kannten", erzählt Tomasevic. Auf die Schnelle musste ein neuer Lieferant aufgetan werden, der in der Lage war, die nötigen Teile zu liefern.

Die Firma aktiviert einen anderen Lieferanten und holt noch Waren aus Norditalien heraus – kurz vor dem endgültigen Shutdown.

Corona legt in der Industrie die Bänder lahm

Trotzdem konnte der Traktorenhersteller nicht verhindern, dass die Produktion in Marktoberdorf im April komplett heruntergefahren werden musste, da wichtige Zulieferer nicht liefern konnten.

In vielen bayerischen Firmen standen die Bänder im Frühjahr still. Das habe gezeigt, wie anfällig die Wirtschaft in einer solchen Situation sei, sagt der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer: "Wir sind der Weltmeister im Export und wenn sie unsere Zulieferketten anschauen für unsere Produkte, da fehlt es uns an Robustheit in diesen weltweiten Lieferketten und das ist eine der großen Lehren, die wir jetzt aus der Krise ziehen und wo auch schon viel im Gange ist in der Planung."

Lieferketten auf verschiedene Kontinente verteilen

Laut einer Studie des Münchner ifo-Instituts will jeder zweite Industriebetrieb die Zahl seiner Lieferanten vergrößern, um Risiken breiter zu streuen, 40 Prozent planen einen stärkeren Austausch mit ihren Partnern in der Lieferkette. Vorsorgen kann man auch mit verschiedenen Lieferanten in unterschiedlichen Ländern.

Über ihre Lieferketten nachgedacht hat auch Angelique Renkhoff-Mücke. Sie ist die Chefin von Warema, einem Unternehmen aus der Nähe von Würzburg, das Markisen herstellt, aber auch als Autozulieferer tätig ist.

Schlüsselteile waren auch damals schon auf verschiedene Lieferanten aufgeteilt, erzählt Angelique Renkhoff-Mücke. "Aber was man natürlich nicht berücksichtigt hat, dass diese Lieferanten möglichst noch in unterschiedlichen Ländern sitzen sollen und wenn dann auch noch am besten auf unterschiedlichen Kontinenten." Denn am Ende war ein Land nach dem anderen von der Krise getroffen worden.

Trump-Wahl ließ Unternehmen Lieferketten neu denken

Jedes vierte bayerische Unternehmen hatte durch die Corona-Pandemie Blockaden bei den Lieferketten, wie eine Umfrage der IHK ergeben hat. Dass es nicht mehr sind, dafür gebe es einen Grund, sagt der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages, Manfred Gößl. Und der liege vier Jahre zurück: Die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten. Die "America first"-Agenda war laut Gößl ein Auslöser für Neuplanungen der bayerischen Unternehmen, um ihre Lieferketten abzusichern.

Lieferketten absichern, Teile der Produktion zurück nach Deutschland oder ins nähere Ausland holen, viele Firmen sind auf internationale Krisen vorbereitet. Eine hundertprozentige Absicherung ist jedoch kaum möglich, wie der Einbruch der Wirtschaft und das Abreißen der Lieferketten wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten gezeigt haben.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!