BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Martin Scharrer
Bildrechte: BR/Martin Scharrer

Ein Regenbogen über dem Eingang der Würzburger Augustinerkirche.

2
Per Mail sharen

    #liebegewinnt - Segnungsgottesdienste in ganz Deutschland

    Die Liebe feiern - darum geht es bei den deutschlandweiten Gottesdiensten am Montagabend. Sie sind eine Reaktion auf das "Nein" aus Rom zur Segnung homosexueller Paare und sollen ein Zeichen setzen.

    2
    Per Mail sharen
    Von
    • Carolin Hasenauer

    Unter dem Hashtag #liebegewinnt finden am Montag, 10. Mai, deutschlandweit sogenannte "Segensgottesdienste für Liebende" statt. "Wir feiern die Vielfalt der verschiedenen Lebensentwürfe und Liebesgeschichten von Menschen und bitten um Gottes Segen. Ganz ohne Heimlichkeit", heißt es auf der eigens eingerichteten Homepage. Hinter der Aktion stehen 16 Initiatoren aus ganz Deutschland. Unter ihnen auch der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose.

    Segnungsverbot aus Rom war der Auslöser

    Der hatte Mitte März eine Unterschriftenaktion gestartet hatte, bei der mehr als 2600 hauptamtliche Kirchen-Mitarbeiter sich gegen das Segnungsverbot gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen hatten. Die bundesweite #liebegewinnt-Aktion jetzt sei die konsequente Umsetzung dieser Forderungen, so Hose. Dem Gegenwind seitens der Deutschen Bischofskonferenz und ihres Vorsitzenden Bischof Georg Bätzing, man instrumentalisiere Segungsgottesdienste als Demonstration und Protestaktion, setzt Hose entgegen:

    "Gottesdienste gehören niemandem, sie können nicht instrumentalisiert werden. Außerdem stehen sie ohnehin immer in einem kirchenpolitischen und gesellschaftlichen Kontext und können nicht im luftleeren Raum stattfinden." Burkhard Hose, Hochschulpfarrer Würzburg

    Augustiner in Würzburg bekennen Farbe

    Hochschulpfarrer Hose wird am Montag um 19 Uhr den Segnungsgottesdienst in der Augustinerkirche in Würzburg mitgestalten. Das Motto: "Wir können doch gar nicht anders als Segnen!" prangt seit Mitte März an der Kirchentür - der Würzburger Augustinerorden hat früh Farbe bekannt. "Wir feiern einfach das Gesegnet sein - mal schauen, was sich daraus ergibt", sagt Hose und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Massen-Segnungen sind nicht geplant." Ob also gleichgeschlechtliche Paare gezielt kommen, um sich segnen zu lassen, wisse er nicht.

    Jugendkirche kross: Viele Homosexuelle bei uns dabei

    Auch die Jugendkirche "kross" in Schweinfurt macht mit bei der Aktion - allerdings nicht in Form eines klassischen Gottesdienstes wegen der hohen Inzidenz, sondern als "Segen to go". Pfarrer Thorsten Kneuer betont, dass eine Anmeldung nicht nötig sei, sondern sich jede und jeder den Segen von ihm und zwei Seelsorgern zwischen 17 und 20 Uhr abholen könne. Ob er glaubt, dass Menschen das Angebot wahrnehmen? "Bei kross sind einige Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare aktiv bzw. besuchen hier regelmäßig den Gottesdienst", so Kneuer. Vor der Kirche sollen Kreide-Herzen coronakonform die Warteposition markieren.

    Regenbogen schon in der Bibel als Zeichen des Bundes

    Die Initiatoren haben gezielt den 10. Mai als Aktionstag ausgewählt: Laut ökumenischem Heiligenlexikon ist das einer der Gedenktage des Noah. Er ist in der Bibel der Stammvater aller Geschlechter. Gott sandte ihm den Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit dem Menschen. Der Name Noah bedeutet übersetzt: der Ruhe Bringende, der Tröster (Genesis 6, 1-29).

    Sieben Segnungsgottesdienste in Unterfranken

    In Unterfranken finden insgesamt sieben Segnungsgottesdienste statt. So etwa in der Jugendkirche im Kilianeum in Würzburg wird ein Segnungsgottesdienst gefeiert (Montag, 19.00 Uhr) und in der Kirchengemeinde in Würzburg-Heidingsfeld (St. Laurentius, Montag, 19.00 Uhr). "Segungsgottesdienst für alle Liebenden, egal welchen Geschlechts, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Wir wollen das Leben und eure Liebe feiern", lautet in St. Laurentius etwa das Motto. Auch "kross", die Jugendkirche in Schweinfurt, feiert einen Segnungsgottesdienst (Montag, 17.00 bis 20.00 Uhr), genauso wie Kirchengemeinden in Wertheim (18.30 Uhr), Langenprozelten und auf dem Marktplatz in Großostheim. Das Jugendhaus St. Kilian in Miltenberg feiert den Segnungsgottesdienst am 16. Mai um 19.30 Uhr.

    Erste Reaktion auf das "Nein": 2.600 Kritiker unterzeichnen

    Hochschulpfarrer Burkhard Hose hatte Mitte März eine Unterschriftenaktion gestartet, bei der 2.600 hauptamtliche Kirchen-Mitarbeiter aus ganz Deutschland mitgemacht und damit ihre Kritik am Segnungsverbot homosexueller Paare, das der Vatikan ein paar Tage zuvor verkündet hatte, deutlich machten. "Wir nehmen nicht hin, dass eine ausgrenzende und veraltete Sexualmoral auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird und unsere Arbeit in der Seelsorge untergräbt", sagte Burkhard Hose bei der Übergabe der Unterschriften (27.3.) im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in Bonn. Entgegengenommen haben die Unterschriften Birgit Mock vom ZdK und Bischof Helmut Dieser.

    Hintergrund: Segnungsverbot aus dem Vatikan

    Hintergrund ist das "Nein" der römischen Glaubenskongregation zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für Menschen weltweit, die zum Teil ein Leben lang um ihre Art zu lieben ringen und dafür lange genug diskriminiert wurden – auch von der Kirche", schreiben die Initiatoren auf der Aktions-Website #liebegewinnt.

    #liebegewinnt: "Schlag ins Gesicht"

    "Es ist auch ein Schlag ins Gesicht für alle Seelsorger und Theologen, die Menschen in entscheidenden Situationen ihres Lebens den Segen Gottes zusagen, den Gott allein schenkt." Zur Realität dieser Kirche gehöre bislang, dass eine Segensfeier für homosexuelle Paare und für Menschen, die sich nach einer zerbrochenen Ehe neu verlieben, meist heimlich passieren muss. Ein Segen durch die Hintertür jedoch sei beschämend – für die zu Segnenden und für die Kirche.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!