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Lichtverschmutzung: Was seit August verboten ist | BR24

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Wenn sie nachts an eine Straßenlaterne schauen, sehen sie wie Insekten vom Licht angezogen werden. Alleine in Deutschland sterben im Schnitt 1 Milliarde Insekten pro Nacht. Die "Paten der Nacht" wollen Lichtverschmutzung bekämpfen ...

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Lichtverschmutzung: Was seit August verboten ist

Der Freistaat geht seit dem 1. August gegen Lichtverschmutzung vor - zum Schutz der Insekten. Im Bayerischen Naturschutzgesetz und im Bayerischen Immissionsschutzgesetz gibt es neue Beschränkungen für Außenbeleuchtungen.

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Unter Lichtverschmutzung versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht. Eine Studie der Uni Mainz hat ergeben, dass allein an deutschen Straßenlaternen pro Nacht im Schnitt eine Milliarde Insekten sterben. Sie werden vom Kunstlicht angezogen und schwirren so lange um die Lichtquelle, bis sie vor Erschöpfung sterben. Auch den Menschen kann das viele Licht in der Nacht krank machen.

In Bayern soll die Lichtverschmutzung eingedämmt werden. Deshalb gelten seit dem 1. August 2019 zwei neue gesetzliche Bestimmungen.

Lichtverschmutzung im neuen Bayerischen Naturschutzgesetz

Das neue Bayerische Naturschutzgesetz ist das Ergebnis des Volksbegehrens Artenvielfalt. Dort geht der Artikel 11a auf die Lichtverschmutzung durch die Außenbeleuchtung ein:

"Himmelstrahler und Einrichtungen mit ähnlicher Wirkung sind unzulässig." Bayerisches Naturschutzgesetz, Art. 11a

Wer Lichtquellen im Außenbereich aufstellt, soll überprüfen, ob sie eventuell Auswirkungen auf Insekten haben. Und:

"Beleuchtungen in unmittelbarer Nähe von geschützten Landschaftsbestandteilen und Biotopen sind nur in Ausnahmefällen von der zuständigen Behörde oder mit deren Einvernehmen zu genehmigen." Bayerisches Naturschutzgesetz, Art. 11a

Ob das Gesetz befolgt wird, müssen die jeweiligen Landratsämter prüfen bzw. die entsprechenden Ämter in den kreisfreien Städten. Ein Verstoß gegen den neuen Artikel stellt aber grundsätzlich keine Ordnungswidrigkeit dar.

Was genau verbietet das Gesetz und für wen gilt es?

Mit "Außenbereich" ist nicht "draußen" gemeint (siehe §35 des Baugesetzbuchs). Nicht zum Außenbereich gehört z.B. die innerörtliche, private Gartenbeleuchtung - sie darf also auch weiter eingeschaltet sein.

Und zu Himmelstrahlern gehören ebenfalls nicht die private Haus- und Gartenbeleuchtung oder auch die Beleuchtung im Schwimmbad oder für den Fußballplatz, so das Bayerische Umweltministerium. Himmelstrahler seien vielmehr starke Scheinwerfer, deren Licht gezielt nach oben in den Nachthimmel strahlt und weithin sichtbar ist. Verboten sind auch Beleuchtungsanlagen, ...

"...die mit nach oben gerichtetem Licht und weitläufiger Sichtbarkeit Aufmerksamkeit erregen sollen, Schmuck- oder Werbefunktion erfüllen und in der freien Landschaft störend in Erscheinung treten." Bayerisches Umweltministerium

Lichtverschmutzung im Immissionsschutzgesetz

Um die Lichtverschmutzung einzudämmen, wurde auch das Bayerische Immissionsschutzgesetz verschärft. Der Artikel 15 betrifft öffentliche Gebäude wie Kirchen, Rathäuser, Schulen und auch Werbebanner von Geschäften. Seit dem 1. August gilt:

"Nach 23 Uhr und bis zur Morgendämmerung ist es verboten, die Fassaden baulicher Anlagen der öffentlichen Hand zu beleuchten, soweit das nicht aus Gründen der öffentlichen Sicherheit erforderlich oder aufgrund Rechtsvorschrift vorgeschrieben ist." Bayerisches Immissionsschutzgesetz, Art. 15

Außerdem sind im Außenbereich nach § 35 des Baugesetzbuchs beleuchtete oder lichtemittierende Werbeanlagen verboten. Die Gemeinde kann bis längstens 23 Uhr Ausnahmen zum Beispiel für Gaststätten zulassen. Die Betreiber müssen bei den Behörden einen Antrag stellen.

Für wen gilt das Gesetz und wie wird es bisher umgesetzt?

Die Überwachung liegt wie beim Naturschutzgesetz bei den Landratsämtern bzw. in den kreisfreien Städten bei den entsprechenden Ämtern. Anders als beim Naturschutzgesetz können bei Verstößen gegen das Immissionsschutzgesetz jedoch Bußgeldverfahren eingeleitet werden.

Kritik an den neuen Vorschriften

Kritik an den neuen Vorschriften äußert zum Beispiel der Physiker und Astronom Manuel Philipp aus Rimsting im Chiemgau. Er ist Gründer der Initiative "Paten der Nacht" . Das Projekt klärt über Lichtverschmutzung auf und berät Gemeinden und Gewerbetreibende bei der Umrüstung.

"Es ist ein guter Ansatz, dass es dieses Gesetz zur Lichtverschmutzung gibt. Aber gleichzeitig ist es so lose und schwammig formuliert, dass alles letztlich ein Graubereich ist. Und außer für die öffentlichen Gebäude um 23 Uhr und die Himmelsstrahler existieren keine Verbote." Manuel Philipp, Initiative "Paten der Nacht"
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Die Tage werden kürzer. Die Nächte länger - und somit die Zeit, in der Straßenlaternen leuchten. Schlimm für die Insekten, denn eine Ursache für das zunehmende Insektensterben ist auch die Lichtverschmutzung.