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Lichtverschmutzung: Was jeder dagegen tun kann | BR24

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Wenn Sie nachts an eine Straßenlaterne schauen, sehen Sie, wie Insekten vom Licht angezogen werden. Alleine in Deutschland sterben im Schnitt eine Milliarde Insekten pro Nacht. Die "Paten der Nacht" wollen Lichtverschmutzung bekämpfen ...

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Lichtverschmutzung: Was jeder dagegen tun kann

Seit dem 1. August gelten in Bayern durch das neue Naturschutzgesetz Verbote und Regeln für die Außenbeleuchtung. Doch kaum jemand kennt sie. Dabei ist es relativ leicht, die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Beispiel: Rimsting im Chiemgau.

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Die Gemeinde Rimsting am Chiemsee ist ein Vorreiter im Kampf gegen die Lichtverschmutzung. So gilt hier zum Beispiel seit einem Monat "Licht aus" für die Sankt-Nikolaus-Kirche in der Ortsmitte. Bis dahin leuchteten fünf große Strahler das Gebäude jede Nacht an. Doch damit ist jetzt Schluss - bis auf die Weihnachtszeit. Zum Schutz von Tieren und Pflanzen.

Der Grund: Kunstlicht im Nachthimmel irritiert unter anderem Insekten, lässt sie so lange um die Lichtquelle schwirren, bis sie vor Erschöpfung sterben. Die Idee, die Beleuchtung abzuschalten, brachte Bürgermeister Josef Mayer in den Gemeinderat ein. Seiner Meinung nach ist nicht nur die Landwirtschaft am Insektensterben schuld.

"Das ist ein sehr komplexes Thema. Aber an der Lichtverschmutzung wird sicher was dran sein. Wir wissen alle, dass die Insekten wesentlich weniger geworden sind." Josef Mayer, CSU, 1. Bürgermeister Rimsting

Hauptproblem: Strahler von unten in den Himmel

Auf das Problem Lichtverschmutzung wurde Bürgermeister Mayer durch Manuel Philipp aufmerksam. Der Physiker und Astronom lebt in der Gemeinde und klärt seit Jahren über Lichtverschmutzung auf. Ihm war aufgefallen, dass die Strahler der Rimstiniger Kirche sehr hell und direkt in den Himmel leuchteten.

"Das ist eigentlich das problematischste an der Lichtverschmutzung. Denn die direkt in den Himmel strahlenden Lichter sind extrem weit zu sehen, locken damit auch sehr viele Insekten aus der Ferne an und lenken auch Vögel von ihren Routen ab." Manuel Philipp, Physiker und Astronom

Sogar Bäume werfen durch Kunstlicht später ihre Blätter ab.

Lichtverschmutzung steigt jedes Jahr um sechs Prozent

Die künstliche Ausleuchtung unseres Nachthimmels nimmt immer stärker zu: in Europa jedes Jahr um circa sechs Prozent. Das hat Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und letztlich uns Menschen. Eine Studie der Uni Mainz hat ergeben, dass an Straßenlaternen in Deutschland jede Nacht im Schnitt eine Milliarde Insekten sterben.

Manuel Philipp hat deshalb die Initiative "Paten der Nacht" gegründet. Ehrenamtlich klärt er über das Thema auf und berät Gemeinden und Gewerbetreibende, wie sie ihre Beleuchtung umrüsten können.

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Die Tage werden kürzer. Die Nächte länger - und somit die Zeit, in der Straßenlaternen leuchten. Schlimm für die Insekten, denn eine Ursache für das zunehmende Insektensterben ist auch die Lichtverschmutzung.

Himmelstrahler seit August unzulässig

In Rimstings Nachbarort Prien findet Manuel Philipp viele Beispiele für Lichtverschmutzung. Die neuen Gesetze scheinen hier noch nicht viele zu kennen. Dabei steht seit August im neuen Bayerischen Naturschutzgesetz:

"Eingriffe in die Insektenfauna durch künstliche Beleuchtung im Außenbereich sind zu vermeiden. Himmelstrahler und Einrichtungen mit ähnlicher Wirkung sind unzulässig." BayNatSchG, Art. 11a

Beleuchtung öffentlicher Gebäude verboten

Für öffentliche Gebäude wie Rathäuser, Kirchen, Schulen und auch für Werbeanlagen ist seit dem 1. August außerdem das Imissionsschutzgesetz verschärft.

"Nach 23 Uhr und bis zur Morgendämmerung ist es verboten, die Fassaden baulicher Anlagen der öffentlichen Hand zu beleuchten. Im Außenbereich nach §35 des Baugesetzbuchs sind beleuchtete oder lichtemittierende Werbeanlagen verboten." BayImSchG, Art. 15

Dass die Gemeinden jetzt in der Pflicht sind, wurde auf politischer Ebene nicht groß kommuniziert, sagt Rimstings Bürgermeister Josef Mayer. Auch wüssten wohl viele Bürger noch gar nicht, dass es das Gesetz gibt.

Einfaches Mittel: Zeitschaltuhr

Manuel Philipp setzt mit seiner Initiative weiter auf Aufklärung. So hat er auch die Freie Waldorfschule in Prien am Chiemsee zum Umrüsten gebracht. Hier leuchteten bislang zwei Strahler die Fahne am Eingang an. Die ganze Nacht über und bis weit nach oben in den Himmel. Ebenso leuchteten die Neon-Röhren im Schaukasten vor der Schule.

"Nachdem uns Manuel Philipp auf die Schwierigkeiten unserer Beleuchtung angesprochen hat, haben wir sofort eingesehen, dass sie so nicht gut für Insekten ist. Wir haben dann eine Zeitschaltuhr installiert - das war kein großartiger Aufwand. Diese Zeitschaltuhr stellt um 22 Uhr ab." Martin Leistner, Lehrer für Gartenbau an der freien Waldorfschule Chiemgau

Wärmere Lichtfarbe zieht weniger Insekten an

Es sei einfach, die eigene Lichtverschmutzung zu reduzieren, sagt Manuel Philipp. Warmes, gelbliches Licht ziehe weniger Insekten an als Licht mit hohem Blauanteil, das grell wirkt. Ein Tipp: Beim Kauf von Leuchtmitteln für die Außenbeleuchtung das nächste Mal darauf achten, dass die Leuchtmittel die Farbtemperatur von 2.700 Kelvin nicht überschreiten. Und alle Lampen so ausrichten, dass sie nicht unnötig in den Himmel abstrahlen.

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Nicht nur Krach, auch Licht kann stressen, wenn man es nicht mehr schafft, sich ihm zu entziehen. Woran liegt das? #fragBR24