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Lichtverschmutzung: Sternenregion Chiemsee soll Insekten helfen | BR24

© BR/Dagmar Bohrer-Glas

Der Himmel wird immer mehr ausgeleuchtet. Jetzt will die Initiative "Paten der Nacht", die gegen Lichtverschmutzung kämpft, am Chiemsee eine "Sternenregion" etablieren.

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Lichtverschmutzung: Sternenregion Chiemsee soll Insekten helfen

Kunstlicht tötet Insekten, kann Menschen krank machen und kostet Geld. Trotzdem wird der Himmel immer mehr ausgeleuchtet. Jetzt will die Initiative "Paten der Nacht", die gegen Lichtverschmutzung kämpft, am Chiemsee eine "Sternenregion" etablieren.

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Der "helle" Wahnsinn tobt weltweit: Die künstliche Ausleuchtung des Nachthimmels nimmt immer stärker zu: Sie steigt in Europa jedes Jahr um circa sechs Prozent. Vor allem über Großstädten sind die Lichtglocken bis zu 4.000 mal heller als der Nachthimmel. Das hat Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und letztlich auf uns Menschen. Denn zu viel Licht ist auf Dauer gesundheitsschädlich. Die Initiative "Paten der Nacht" will, dass etwas gegen die Lichtverschmutzung getan wird. Sie kämpft dafür, dass am Chiemsee eine "Sternenregion" entsteht.

Weniger Licht – mehr Artenschutz und Tourismus

Eine "Sternenregion Chiemsee" könnte Geld sparen, Arten schützen, den Sternenhimmel aktivieren und ein touristisches Alleinstellungsmerkmal werden, so Mitorganisator Severin Ohlert. Er und seine Mitstreiter wollen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Kunstlicht werben und den Chiemsee-Gemeinden moderne Beleuchtungstechnik vorstellen, die Insekten schont. Denn auch die Lichtverschmutzung ist für das massive Insektensterben mitverantwortlich, so die "Paten der Nacht".

Tiere und Pflanzen leiden unter Lichtverschmutzung

© picture alliance / blickwinkel/H. Schmidbauer

Nachtfalter an Leuchte

Kunstlicht am Nachthimmel irritiert Insekten, lässt sie so lange um die Lichtquelle schwirren, bis sie vor Erschöpfung eingehen. Eine Studie der Uni Mainz hat ergeben, dass an Straßenlaternen in Deutschland jede Nacht im Schnitt eine Milliarde Insekten sterben. Sogar Bäume werfen durch Kunstlicht später ihre Blätter ab.

Beleuchtete Gebäude und Denkmäler problematisch

Der Physiker und Astronom Manuel Philipp aus Rimsting klärt seit Jahren über die Folgen der Lichtverschmutzung auf. Er kritisiert vor allem die Installation von Strahlern, die von unten nach oben leuchten, die extrem hell sind, Gebäude und Denkmäler anstrahlen, oder sogar direkt in den Himmel leuchten, wie Licht- und Laserstrahler vor Diskotheken. Denn diese sind extrem weit zu sehen, locken damit auch sehr viele Insekten aus der Ferne an und lenken laut Philipp sogar Vögel von ihren Routen ab. Dem Experten zufolge werfen sogar Bäume, die unter Kunstlicht gesetzt werden, später ihre Blätter ab.

Kunstlicht kann krankmachen

© picture alliance / imageBROKER / Pauline Maier

Hund in blauem Neon

Zu viel künstliches Licht von Screens, Lampen, Leuchtreklamen, Beamern und Strahlern kann schädlich sein. Denn blaues kaltes Kunstlicht wird vom Auge wie Tageslicht in der Mittagszeit wahrgenommen, das hält wach. Auf Dauer leidet dadurch die biologische Erholungszeit. Denn am Abend produziert der Körper normalerweise Melatonin. Das Schlafhormon löst Müdigkeit aus, startet den Ruhemodus der Organe, senkt den Blutdruck und Herzschlag. In der Nacht regenerieren sich die Zellen und auch die Psyche im Schlaf.

Beleuchtung bringt Körper durcheinander

Wird der Biorhythmus durch Licht in der Nacht gestört, droht gefährlicher Schlafmangel: Arbeitsmediziner haben das Extrembeispiel der gesundheitlichen Folgen von Nachtschichtarbeit erforscht. Ihr Ergebnis: Schon nach einer Nachtschicht in hellem Licht sinken Konzentration und Gedächtnisleistung. Die Reaktionszeit steigt, genau wie die damit verbundene Unfallgefahr.

Dauerhaft helles Licht in der Nacht kann zudem chronische Schlafstörungen auslösen. Es drohen Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und Depressionen. Außerdem wird man aggressiver bei dauerndem Schlafmangel. Wissenschaftler vermuten, dass auch die Zunahme an Verdauungsschwierigkeiten, Magenproblemen, Übergewicht und Diabetes damit zusammenhängen, dass die Nacht zum Tag gemacht wird.

Lichtquellen nachts möglichst vermeiden

Wenn möglich, sollte man nur sinnvolle Beleuchtung einsetzen, das schützt auch Insekten und nachtaktive Tiere vor unnötigen Lichtemissionen. Nicht überall ist die höchste Lichtstärke nötig, besser auf Bewegungsmelder oder Dimmer setzen und Solarlampen im Garten nachts ausschalten oder abdecken. Blaues Licht besonders vor dem Einschlafen meiden. Stattdessen öfter mal versuchen, wieder die Dunkelheit wahrzunehmen, den Sternenhimmel ansehen.

"Paten der Nacht" informieren heute über Lichtverschmutzung

Die Initiative "Paten der Nacht", die gegen Lichtvermutzung kämpft, lädt an diesem Freitagabend Bürgermeister, Gemeinderäte, Vereine und Verbände zu einem Infoabend nach Bernau ein. Die Veranstaltung ist öffentlich. Insgesamt wurden über zehn Chiemseegemeinden und die Tourismusverbände der Landkreise Rosenheim und Traunstein angeschrieben. Wieviele der Einladung folgen, ist offen.

© BR

Sternenklarer Himmel und doch funkeln sie kaum: Zuviel störendes Licht Fassadenbeleuchtungen, Straßenlaternen und Co. Die "Paten der Nacht" wollen das Dunkel zurückerobern und mit ihrer neuesten Aktion soll der Chiemsee Sternenregion werden.

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