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Lichterprozession in Pottenstein: Tausende Besucher erwartet | BR24

© BR/Anja Bischof

In Pottenstein gibt es mit der Ewigen Anbetung einen besonderen Brauch. In der Kirche ist eine Montranz mit dem Allerheiligsten ausgestellt.

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    Lichterprozession in Pottenstein: Tausende Besucher erwartet

    In Pottenstein gibt es mit der Ewigen Anbetung einen besonderen Brauch. Dazu wird in der Kirche eine Monstranz mit dem Allerheiligsten ausgestellt. Die Monstranz wird zum Abschluss in einer Prozession durch den Ort getragen.

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    Am 5. Januar beginnt in Pottenstein die Ewige Anbetung. Sie endet am 6. Januar (17.00 Uhr) mit einer Prozession durch den Ort, der von bis zu eintausend Bergfeuern illuminiert wird. Dieser kirchliche Brauch zieht jährlich mehrere Tausend Besucher an. Für die 5.000-Einwohner-Stadt Pottenstein ist das einerseits eine Freude. Andererseits ist der Ansturm fast nicht mehr zu bewältigen. In der Gemeinde herrscht zudem die Furcht davor, dass der eigentliche Sinn der Ewigen Anbetung und der Prozession aus den Augen verloren wird.

    Den Glauben nach außen tragen

    Der Hintergrund der Ewigen Anbetung ist eine kirchliche Tradition, die vor mehr als 200 Jahren ihren Anfang genommen hat. Bei der prächtigen Abschlussprozession geht es darum, den katholischen Glauben nach außen zu tragen und den Menschen außerhalb der Kirchenmauern die Gelegenheit zu geben, ihren Glauben zu feiern.

    Ewige Anbetung seit 1759

    Im Jahr 1759 wurde die Ewige Anbetung für das gesamte Erzbistum Bamberg eingeführt. Dabei wurden den Kirchgemeinden Tage zugewiesen, an denen sie die Ewige Anbetung seitdem durchführen. Die Gemeinde der Kirche St. Bartholomäus Pottenstein ist für den 5. und den 6. Januar zuständig. An beiden Tagen wird in der Kirche von 09.00 bis 18.00 Uhr (am 6. Januar bis 17.00 Uhr ) ununterbrochen gebetet.

    Monstranz mit dem Allerheiligsten

    Während der Ewigen Anbetung stellt jede Kirche das sogenannte Allerheiligste aus. Es handelt sich dabei um eine gewandelte Hostie. Im katholischen Glauben ist Jesus Christus in dieser gewandelten Hostie gegenwärtig. Sie hat ihren Platz in einer prächtigen Monstranz, die am Morgen des 5. Januar auf dem Altar aufgestellt wird. Eine Monstranz ist ein Schaugefäß, das die Blicke der Betenden auf die in einem Schaufenster angebrachte gewandelte Hostie zieht. Diese bildet das Zentrum der Ewigen Anbetung. Bei der Prozession am 6. Januar trägt der Pfarrer die Monstranz. Auch hier ist das Allerheiligste das wichtigste Element.

    Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich

    Die Kirche St. Bartholomäus besitzt eine mehr als 100 Jahre alte Monstranz, die speziell für diese Gemeinde angefertigt wurde. Das mit Edelsteinen besetzte Schaugerät aus vergoldetem Metall zeigt unter anderem Kaiserin Kunigunde und Kaiser Heinrich, die den Bamberger Dom in der Hand halten. Auch der Schutzpatron der Kirche, der Heilige St. Bartholomäus, ist in der Monstranz verewigt.

    Nach der Ewigen Anbetung folgt die Prozession

    In Pottenstein beginnt die Ewige Anbetung am 5. Januar um 09.00 Uhr. Jeweils zur vollen Stunde übernimmt ein anderer Vorbeter die folgende Betstunde. In einem Anbetungsheft kann die Gemeinde die Texte mitverfolgen und ablesen, wo die Gläubigen mitbeten sollen. Auf jedes Gebet folgt ein bekanntes Kirchenlied mit Orgelbegleitung. Anders und sehr individuell laufen nur die beiden Kinder- und die Jugendbetstunden ab. Gäste sind während der Ewigen Anbetung gerne in der Kirche gesehen. Um den Ablauf der Betstunden nicht zu stören, empfiehlt es sich, die Kirche nur zur vollen Stunde zu betreten. Die letzte Betstunde beginnt am 5. Januar um 17.00 Uhr, am 6. Januar bereits um 16.00 Uhr. Danach folgt gegen 17.00 Uhr die einmalige Prozession durch Pottenstein. Sie bildet den Abschluss der Ewigen Anbetung.

    Kirchenmusiker und Kommunionkinder

    Während drinnen noch die letzten Gebete und Kirchenlieder erklingen, wird vor der Kirche schon die Prozession aufgebaut. Eine Prozessionsordnung weist jedem Teilnehmer seinen Platz zu. Ganz vorne gehen die Ministranten mit dem Kreuz. Ihnen folgen einige Gläubige. Daran schließt sich die Kernprozession an. Sie besteht aus Gemeindemitgliedern, welche große, historische Zunftfahnen mitführen. Ihnen folgen mehrere Heiligenfiguren, die auf Podesten fixiert werden, welche jeweils vier Männer auf den Schultern tragen. Zu den Heiligen gehören St. Bartholomäus, Aloisius, Maria und Josef. Nun kommen die Mitglieder der Pottensteiner Vereine mit ihren Fahnen. Es schließen sich an die beiden Vorbeter und die Kirchenmusiker. Fünf Kommunionkinder tragen die fünf Wunden Christi auf Tafeln, bevor das wichtigste Element der Prozession folgt.

    Prozessionsordnung muss eingehalten werden

    Wenn der Pfarrer die Kirche verlässt, nimmt er seinen Platz hinter den Kommunionkindern ein. Er hält die Monstranz mit dem Allerheiligsten in den Händen. Um alle Blicke auf ihn zu lenken, geht er unter einem Baldachin, den vier Männer tragen. Nun folgen die Ehrengäste, zu denen beispielsweise der Stadtrat zählt. Die Vertreter der Pfarrgemeinde St. Bartholomäus legen großen Wert darauf, dass die festgelegte Prozessionsordnung eingehalten wird. Wer mitgehen möchte, kann das natürlich tun. "Wir bitten die Gläubigen, sich hinter dem Pfarrer und den Stadträten anzuschließen. Sonst gerät die Prozession ins Stocken", sagt Patrick Pospischil, der gemeinsam mit Andreas Körber für die Organisation aller Prozessionen der Pfarrgemeinde zuständig ist.

    Häuser mit Kerzen beleuchtet

    Wenn jeder seinen Platz eingenommen hat und der Pfarrer mit der Monstranz aus der Kirche gekommen ist, beginnt die Prozession durch die Stadt. Wo sie vorbeikommt, sind Häuser festlich mit Kerzen beleuchtet und stehen Menschen andächtig am Wegesrand. Hier und da haben die Bürger hölzerne Triumphbögen aufgestellt und illuminiert. Lautsprecher sind in der gesamten Stadt verteilt und tragen die Texte der Vorbeter sowie Musik und Gesang in jeden Winkel.

    Bergfeuer machen die Nacht zum Tag

    Auf den umliegenden Bergen haben die Feuerlesschürer auf ihren Moment gewartet. Sie entzünden die zuvor mühevoll aufgestapelten Holzstöße nach Möglichkeit in dem Augenblick, in welchem die Prozession am Fuße ihres Berges angelangt ist. Auf diese Weise illuminieren nach und nach bis zu 1.000 Bergfeuer die Prozession im Tal. "Früher war das ein Mittel, um den Prozessionsweg zu beleuchten", erklärt Pospischil. Die Feuerlesschürer verstehen die brennenden Holzsstöße als ihren Anteil an der Ewigen Anbetung und gleichzeitig als Zeichen Darstellung ihres Glaubens. "Es heißt doch: Du bist mein Licht", sagt Josef Leykauf, einer der dienstältesten Feuerlesschürer in Pottenstein.

    Meisterstück in Sachen Organisation

    Die Prozession in Pottenstein endet nach rund 45 Minuten wieder in der Kirche. Die Bergfeuer sind nun erloschen, die Monstranz wird wieder im Safe verschlossen. Die Gäste verlassen die Stadt, gelenkt von der Feuerwehr, die schon seit dem Nachmittag den Verkehr geregelt und Durchfahrtsstraßen gesperrt hat. Der Beschluss der Ewigen Anbetung in Pottenstein am Dreikönigstag ist ein organisatorisches Meisterstück. Alle arbeiten Hand in Hand: die Stadt, die Vereine, die Pfarrgemeinde, ganz normale Bürger. Der eine spendet Feuerholz, der andere schlichtet es auf. Die eine weist als Feuerwehrfrau die Parkplätze an, der andere trägt einen Heiligen auf den Schultern oder verkauft an einem Stand Bratwürste.

    Kein Lichterfest, sondern kirchlicher Brauch

    Um 20:00 Uhr weist bereits nichts mehr darauf hin, dass hier bis vor wenigen Stunden rund 20.000 Menschen eine der stimmungsvollsten Prozessionen Bayerns erlebt haben. Eine kirchliche Prozession wohlgemerkt, und kein Lichterfest. Dieser häufig gebrauchte Begriff wird dem Beschluss der Ewigen Anbetung nicht gerecht. Laut Kirchenpfleger Hans Böhmer stammt er aus dem Dritten Reich und zeugt vom Versuch der Nazis, die Bedeutung der Prozession als kirchlicher Brauch zu schmälern und sie zu einem weltlichen Fest zu degradieren.