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Lichtermeer in der Nacht kann krank machen | BR24

© pa/dpa/allOver/TPH

BMW Welt in München bei Nacht

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    Lichtermeer in der Nacht kann krank machen

    München leuchtet - und damit liegt die Stadt im weltweiten Trend. Mit dem Siegeszug der kostengünstigen LEDs sinken die Kosten für die Außenbeleuchtung. Doch zu viel Licht in der Nacht stört den Biorhythmus. Die Folgen können schwerwiegend sein.

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    Die Lichtglocke über Großstädten ist bis zu 4.000 mal heller als der Nachthimmel. Doch zu viel Licht ist auf Dauer gesundheitsschädlich.

    "Wir brauchen zwar Licht zum Leben, zum Sehen und um aktiv zu sein, wir brauchen aber auch die Dunkelheit: Unserem Körper muss nämlich mitgeteilt werden, dass jetzt Nacht ist, dann stellt sich der Körper um auf den Erholungsmodus, den Schlafmodus." Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley

    Der Körper benötigt Tageslicht

    Licht macht grundsätzlich zwar fit, deshalb empfinden Menschen Helligkeit auch als positiv. Doch das Problem mit der künstlichen Beleuchtungsflut ist, dass sie den biologischen Lebensrhythmus durcheinander bringt. Die Körperfunktionen regelt bis in jede Zelle hinein eine innere Uhr, die den Wechsel von Wachzeiten und erholsamen Schlafphasen bestimmt. Diese innere Uhr benötigt einen äußeren Taktgeber: das Sonnenlicht. Chronobiologen haben gezeigt: Über Augen und Haut nimmt der Körper die natürliche Lichteinstrahlung wahr und reagiert darauf.

    Künstliches Licht bringt den Biorhythmus durcheinander

    Ohne Sonnenlicht gerät der Lebensrhythmus aus dem Takt, doch dasselbe passiert auch durch zu viel künstliches Licht von Screens, Lampen, Leuchtreklamen, Beamern und Strahlern. Denn blaues kaltes Kunstlicht wird vom Auge wie Tageslicht in der Mittagszeit wahrgenommen, das hält wach. Auf Dauer leidet dadurch die biologische Erholungszeit. Denn am Abend produziert der Körper normalerweise Melatonin. Das Schlafhormon löst Müdigkeit aus, startet den Ruhemodus der Organe, senkt den Blutdruck und Herzschlag. In der Nacht regenerieren sich die Zellen und auch die Psyche im Schlaf.

    "Erholsamer Schlaf ist nun mal Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Und diesen gesunden Schlaf bekommen wir nur durch die Dunkelheit, die uns signalisiert, jetzt ist Zeit für den Schlaf." Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley

    Zu viel Licht in der Nacht kann krank machen

    Doch wird der Biorhythmus gestört, droht gefährlicher Schlafmangel: Arbeitsmediziner haben das Extrembeispiel der gesundheitlichen Folgen von Nachtschichtarbeit erforscht. Ihr Ergebnis: Schon nach einer Nachtschicht in hellem Licht sinken Konzentration und Gedächtnisleistung. Die Reaktionszeit steigt an, genau wie die damit verbundene Unfallgefahr. Dauerhaft helles Licht in der Nacht kann zudem chronische Schlafstörungen auslösen. Die Folgen können dann schwerwiegend sein, bei ständigem Schlafmangel drohen Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen und Aggression steigen.

    Aber auch die Zunahme an Verdauungsschwierigkeiten, Magenproblemen, Übergewicht und Diabetes kann damit zusammenhängen, dass die Nacht zum Tag gemacht wird. Weil mit dem Biorhythmus auch das Hungergefühl gestört ist und Menschen mitten in der Nacht Heißhunger auf Kalorien entwickeln, anstatt zu schlafen. Experten diskutieren sogar ein steigendes Krebsrisiko, wenn die nächtliche Regeneration der Zellen durch künstliches Licht gestört wird.

    In hell erleuchteten Städten steigt das Krankheitsrisiko

    Was die unmittelbaren Gefahren der hell erleuchteten Städte auf die Gesundheit der Bewohner betrifft, gibt Schlafforscher Zulley aber Entwarnung: "Mit fehlender Dunkelheit in der Nacht kommt es nicht gleich zu Erkrankungen. Aber das Risiko für diverse Krankheitssymptome und Störungen steigt. Gerade bei solchen Gruppen wie älteren Menschen oder solchen, die sowieso Probleme mit dem Schlaf haben."

    Lichtquellen in der Nacht so weit wie möglich vermeiden

    Wichtige Tipps für den Alltag sind deshalb: Nur sinnvolle Beleuchtung einsetzen, das schützt auch Insekten und nachtaktive Tiere vor unnötigen Lichtemissionen. Nicht überall ist die höchste Lichtstärke nötig, besser auf Bewegungsmelder oder Dimmer setzen und Solarlampen im Garten nachts ausschalten oder abdecken. Blaues Licht besonders vor dem Einschlafen meiden und stattdessen öfter mal versuchen, wieder die Dunkelheit wahrzunehmen, den Sternenhimmel ansehen.

    Gegen die Lichtverschmutzung draußen vor dem Schlafzimmer hilft ein dicker Fenstervorhang oder ein Rollo - und für die Stabilisierung der inneren Uhr ist das Beste ein geregelter Tagesablauf, regelmäßige Mittagspausen draußen im natürlichen Tageslicht und nicht zu spät ins zu Bett gehen.