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Lichterglanz in dunkler Zeit: Der Krippenweg in Zwiesel | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/Sunbird Images

Mittels einer kontaktlosen Krippenübergabe an der Grenze gelang es den Zwieselern, der Corona-Pandemie zu trotzen und den bayerisch-böhmischen Krippenweg trotzdem noch auf die Beine zu stellen.

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Lichterglanz in dunkler Zeit: Der Krippenweg in Zwiesel

Eine ungewöhnliche Ausstellung hatten die Zwieseler zusammen mit den tschechischen Nachbarn geplant. Wegen Corona sollte erst nichts daraus werden – bis eine findige Stadträtin eine Idee entwickelte. Entstanden ist ein Krippenweg der besonderen Art.

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Von
  • Beatrix Ziegler

Schon im vergangenen Jahr schmückten rund 40 Weihnachtskrippen die festlich dekorierten Schaufenster der Zwieseler Innenstadt. Wegen Corona sollte zuerst nichts draus werden - doch die Einwohner der Stadt haben der Pandemie getrotzt.

Kontaktlose Krippenübergabe an der Grenze

Viel früher als sonst hat heuer in Zwiesel die stade Zeit begonnen, zu stad und trist für viele, weshalb sie ihren bayerisch-böhmischen Krippenweg erst recht umsetzen wollten. Um den Plan allerdings zu verwirklichen, mussten sich die Zwieseler etwas einfallen lassen.

Da war Kreativität gefragt und fast schon kriminelle Energie, erzählt die Leiterin des Waldmuseums Elisabeth Vogl: "Wir haben ja bis zwei Tage vor Beginn des Krippenwegs damit rechnen müssen, dass wir nix aus Tschechien bekommen. Aber die Tschechen und die Zwieseler, die haben einen Sonderweg gefunden. Die Tschechen haben gesagt, gut, wir leihen Euch unsere Krippen, dann haben wir sie halt dann nicht zum herzeigen."

Danach habe es eine kontaktlose Übergabe am Grenzübergang Eisenstein gegeben. "Die Tschechen haben ihre Kisten an der Grenze hingestellt, und die Zwieseler sind mit dem Auto gekommen, haben es eingeladen und nach Zwiesel gebracht", so Vogl.

Vergessene Schätze schmücken jetzt die Schaufenster

Böhmische Schätze kamen da zum Vorschein. Krippen aus Holz und Kürbis, aus Mais und Klöppelspitze, Krippen aus Museen und aus Privatbesitz, die heuer unter keinem tschechischen Christbaum Kinderaugen zum Leuchten bringen werden. Dafür stehen sie jetzt Seite an Seite mit den Woidler Krippen aus Zwiesel. In 27 Schaufenstern von Zwieseler Geschäften ist so ein feiner kleiner Krippenweg zustande gekommen. Dafür haben auch die Zwiesler ihre Speicher und Kammern durchstöbert. Hervor kamen fast vergessene Schätze.

Vogl war selbst dabei: "Wir haben gewusst, dass irgendwo in der Stadtpfarrkirche aus der Holzschnittschule eine Krippe sein muss. Und der Mesner hat uns eingeladen, dann sind wir die Sakristei auf den Dachboden raufgestiegen und dort waren die dann in einer Ecke eingelagert."

Weihnachtskrippen wecken Kindheitserinnerungen

Die Aktion hat sich gelohnt. Die alte Holzkrippe ist jetzt im Fenster des Waldmuseums zu bewundern. Nur ein Ausstellungsstück von vielen, zu dem manch ein Zwiesler einen ganz persönlichen Bezug hat. Wie Gunther Fruth, der in einer der Auslagen seine Familienkrippe entdeckt hat: "Da wird meine Kindheit wach. Die Erinnerung wie wir früher auch so eine Krippe gebastelt haben, und nachdem die von meinem Vater gemalt worden ist, denkt man da dran, wie man so unterm Christbaum gesessen ist (...) mit der Mutter zusammen, das war immer ein ganz tolles Erlebnis."

Auch Kinder, Schulen und Kindergärten haben mitgemacht und gebastelt, damit ins Zwieseler Corona-Grau etwas Licht hineinkommt. Die Glasfachschule hatte dafür sogar ein eigenes Projekt gestartet - die Arbeiten der Schüler sind ein echter Blickfang. Vor allem beim Abendbummel, denn da erstrahlt die Heilige Familie in schönstem Weihnachtsglanz.

Ein Licht in einer dunklen Zeit

Sieht ganz so aus, als wäre für die Zwieseler mit diesem Krippenweg ein großer Weihnachtswunsch in Erfüllung gegangen. Das sieht auch Elisabeth Vogl so. "Der Wunsch war einfach in dieser schwierigen Zeit, in dieser finsteren Zeit, ein Licht dagegen zu setzen. Und wenn man jetzt abends spazieren geht, die Schaufenster sind beleuchtet, die Objekte erstrahlen im Licht, und da nehmen wir auch etwas für unsere Seele, für unseren Geist mit, und wir haben doch ein bisserl Adventszeit."

Mit Einigkeit ist ihnen gelungen, wieder mal dem Schlechten auch etwas Gutes abzugewinnen, vielleicht sogar ins neue Jahr mit hinüberzunehmen.

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