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Leus Tierleben - Ausstellung in Augsburg | BR24

© BR/Leinfelder

Zart, detailreich, bunt - die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek zeigt erstmals Bilder des Augsburger Tierforschers und Illustrators Johann Friedrich Leu. Die Ausstellung geht noch bis November.

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Leus Tierleben - Ausstellung in Augsburg

Es ist ein nie gesehener, farbenfroher Schatz - die Bilder des Augsburger Tierforschers Johann Friedrich Leu. Heimische und exotische Tiere, zart und mit einem Blick fürs Detail. Noch bis November geht die Schau "Leus Tierleben" in Augsburg.

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"Leus Tierleben", so lautet der Titel einer Schau, die derzeit in Augsburg zu sehen ist, in der Staats- und Stadtbibliothek. Es handelt sich dabei um wohl einzigartige Guachen, aus der Feder des schwäbischen Tierforschers und Illustrators Johann Friedrich Leu. Der Augsburger lebte im 19. Jahrhundert und hat sein halbes Leben den Wildtieren der Region gewidmet. Außerdem hat er auf Auslandsreisen fremdartige Vögel im Bild festgehalten und katalogisiert.

Leus Werk schlummerte lange im Archiv

So ist eine beachtliche, 96-bändige handschriftliche Bibliothek zustande gekommen. Sie schlummerte nach Leus Tod lange unbeachtet im Archiv. Jetzt aber wurde dieser Bilderschatz gehoben und kann bestaunt werden.

© Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Gelbkopfamazone von Johann Friedrich Leu

Es sind Kostbarkeiten, Kleinode, die in den hohen Holztruhen unter dem Glasaufsatz zu sehen sind: Zeichnungen von Vögeln und Wildtieren aus dem Nachlass des Augsburger Forschers Johann Friedrich Leu, wunderbar koloriert und mit Anmerkungen versehen. Leu, geboren 1808, hat wie kein anderer die Fauna seiner Zeit festgehalten. In fein ausgearbeiteten großformatigen Zeichnungen und Skizzen. Seine „Gesammelte Naturgeschichte der Wirbeltiere“ ist nicht nur ein Lexikon, sondern auch eine Augenweide, sagt Karl Georg Pfändtner, Chef der Augsburger Stadt- und Staatsbibliothek.

Faszinierende Bilder inzwischen ausgestorbener Arten

Entstanden ist das Werk zu einer Zeit, als es sonst höchstens schwarz-weiß-Skizzen von Tieren in Büchern gab. Hier jedoch finden sich Tausende von farbenfrohen Tierbildern, zum Teil von inzwischen ausgestorbenen Tieren. Baumfalke, Wespenbussard, Kornweihe, Uhu, Nachtreiher oder Triel- Johann Friedrich Leu hat rund um Augsburg viele Arten beobachtet und im Bild festgehalten, die es heute zum Teil kaum mehr gibt. Das Werk Leus ist daher auch heute noch von naturwissenschaftlichem Interesse.

© Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Bienenfresser von Johann Friedrich Leu

Nicht nur Vögel haben ihn fasziniert, sondern auch Fische und Säugetiere, „Brems Tierleben“ auf Schwäbisch, sozusagen. Im Lauf seines Lebens hat er ein Werk zusammen getragen, das in 96 Bänden die Biodiversität kurz vor dem Zeitalter der Industrialisierung abbildet.

Früher Kritiker am Raubbau an der Natur

Er vermerkt aber auch, wie gewissenlos zum Teil schon damals mit der Tierwelt umgegangen wird. "Alles, was schön ist, wird weggeputzt“, kritisierte er. Nach dem Tode Leus geht die Sammlung an den Naturwissenschaftlichen Verein Augsburg. Sie übersteht, weil ausgelagert, die Augsburger Bombennächte des Zweiten Weltkriegs und liegt dann lange Jahre im Archiv. Wirklich öffentlich worden ist sie nie.

Monatelange Kleinarbeit

Kuratorin Renate Pfeuffer hat das geändert. Sie hat diesen Schatz jetzt gehoben. Die Augsburger Germanistin hat in monatelanger Kleinarbeit Leus handschriftliche Aufzeichnungen durchforscht und für die Schau vorbereitet. Sie fasziniert besonders, wie man anhand der Bilder und Skizzen die Entwicklung der Naturwissenschaft sehen kann, das Ringen um die Systematik, den Streit der Ornithologen.

Internationales Interesse

Bis zum 6. November sind die Bilder der Leu’schen Sammlung, die so lange im Dornröschenschlaf lag, nun in der Ausstellung zu sehen. Die Stadt-und Staatsbibliothek plant zudem eine virtuelle Schau im Netz. Denn das Interesse an dem Werk des Augsburger Tierforschers Johann Friedrich Leu, so Bibliotheksleiter Karl Georg Pfändtner, ist riesig - nicht nur national, sondern auch international.

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