BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Die Betriebserlaubnis für das sanierungsbedürftige Landestheater in Coburg läuft im Juni 2022 endgültig aus. Dann zieht das Theater vorrübergehend in das "Globe", das momentan noch eine Großbaustelle auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände ist.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Letzter Vorhang 2022: Das Landestheater Coburg zieht ins "Globe"

Im Juni 2022 läuft die Betriebserlaubnis für das Landestheater Coburg endgültig aus. Eine vorübergehende Heimat wird das Theater im "Globe" finden. Der Rundbau aus Holz wird gerade errichtet. Kommt es zu Verzögerungen, gibt es große Probleme.

Per Mail sharen
Von
  • Richard Padberg

Beim Rundgang durch das Coburger Landestheater mit Intendant Bernhard F. Loges und dem technischen Direktor Daniel Kaiser wird schnell deutlich: Das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig. Letzten Schätzungen zufolge wird die Sanierung rund 190 Millionen Euro kosten. Die letzte Sanierung der Technik habe in den 1970er Jahren stattgefunden, erzählt Kaiser auf der Bühne. Nach 50 Jahren gebe es kaum noch Stromlauf- oder Steuerungspläne. Es sei schon vorgekommen, dass die Drehbühne bei Aufführungen ausgefallen sei. Doch die veraltete Technik ist nicht der einzige Grund für das Auslaufen der Betriebserlaubnis Ende Juni 2022.

Gebäude weist viele Schäden auf

Auf dem Weg durch das Theater fallen weitere Mängel auf. Zum Teil für das Publikum sichtbar, wie sich lösende Stofftapeten im Zuschauerraum oder Wasserflecken an der Decke des imposanten Spiegelsaals. Andere Schäden oder Probleme bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht direkt mit. Der Zugang zum Orchestergraben für die Musikerinnen und Musiker ist schmal und so niedrig, dass Intendant Bernhard F. Loges nur gebückt hindurchgehen kann. Zu klein dimensionierte Fluchtwege und Arbeitssicherheit seien weitere Gründe für die anstehende Grundsanierung, erläutert Loges, dessen Vertrag in Coburg im Jahr 2023 endet.

Globe-Theater als "Leuchtturm-Projekt" in Coburg

Etwa einen Kilometer weit entfernt entsteht momentan die vorübergehende Heimat des Landestheaters: das Globe-Theater. Für die Zeit der Generalsanierung wird das Landestheater hier einziehen. Spatenstich für den imposanten Rundbau aus Holz und die Nebengebäude für rund 30 Millionen Euro war im Oktober des vergangenen Jahres. Alleine für die Baugrube wurden 8.000 Tonnen Erde bewegt. Seitdem hat sich viel auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände getan. Ein Kran lässt massive Holzbauteile einschweben, das erste von drei Stockwerken ist schon fertig. Die Zeit auf der Baustelle drängt, bis Herbst 2022 muss das Globe fertig sein, sonst bekommt das Landestheater ein Problem mit großen Aufführungen. Nach der Nutzung durch das Landestheater soll das "Leuchtturm-Projekt" in Coburg weiter kulturell genutzt werden.

Globe-Theater: Sportlicher Zeitplan ohne Platz für Verzögerungen

Peter Cosack, der Leiter des Hochbauamtes der Stadt Coburg, ist zufrieden mit dem bisherigen Bauverlauf. Man liege gut im Zeitplan, die Nebengebäude des Globe-Theaters seien im Rohbau bereits fertig. Bis Ende des Jahres soll auch der Rohbau des Theaters abgeschlossen sein. Der Zeitplan war und bleibe sportlich, so Cosack. Im Moment sei er optimistisch, dass man den Bauplan einhalten und dem Landestheater die Gebäude im Herbst 2022 übergeben könne. Er hoffe, dass keine Verzögerungen durch Lieferengpässe oder Firmenausfälle die Pläne durchkreuzten.

Landestheater vor großen Herausforderungen

Bernhard F. Loges, Intendant des Landestheaters, hofft ebenfalls, dass der Zeitplan aufgeht. In knapp zwei Monaten beginnt die vorerst letzte Spielzeit im Bau von 1840. Neben den Proben und den Aufführungen, die wohl auch weiter durch die Pandemie beeinträchtigt sein werden, kommen große Aufgaben auf alle Angestellten im Landestheater zu. Der Auszug aus dem Gebäude zum Ende der Spielzeit wirft seine Schatten voraus. Jeder kenne die Probleme im Privaten, die ein Umzug mit sich bringe, so Loges. Der Umzug eines kompletten Theaters gleiche dabei einer wahren Mammutaufgabe.

Spielstart im "Globe" noch ungewiss

Nach dem Auszug aus dem Landestheater und dem Einzug in das bis dahin hoffentlich fertig gestellte Globe-Theater, würden die Aufgaben und Probleme nicht kleiner, so Loges. Die neue Spielstätte, die wohl für mindestens fünf Jahre genutzt wird, muss für den Spielbetrieb vorbereitet werden. Er rechne mit einigen "Kinderkrankheiten" die man erkennen und beheben müsse. Sollte die Schlüsselübergabe für das "Globe" im Oktober 2022 klappen, könnte eine Eröffnung im Winter stattfinden. Das sei allerdings noch Spekulation, bis dahin könne noch viel passieren, sagt Loges. Den Umzug ins "Globe" und die erste Spielzeit wird Loges als Intendant steuern und begleiten, zum Ende der Spielzeit 2022/2023 verlässt er das Landestheater Coburg, wie in dieser Woche bekannt wurde.

Positiver Blick nach vorn und keine Nervosität

Mit Kreativität und Improvisation kennt man sich im Theater naturgemäß sehr gut aus. Deshalb wird es Daniel Kaiser, dem technischen Direktor des Landestheaters, nicht Bange, wenn er an die Herausforderungen im kommenden Jahr denkt. Die Nervosität habe bei ihm in der letzten Zeit stark nachgelassen, verglichen mit Zeiten, in denen generell über eine Sanierung des Landestheaters diskutiert wurde. Die Stadt habe es geschafft, dem Landestheater mit dem "Globe" eine mehr als vernünftige Alternative zu bieten, so Kaiser. Man bekomme das hin und werde versuchen, den Umzug so geschmeidig wie möglich zu gestalten.

© BR
Bildrechte: BR/Richard Padberg

Im Juni 2022 läuft die Betriebserlaubnis für das Landestheater Coburg endgültig aus.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!