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Letztes Urteil im Nürnberger Schwurgerichtssaal 600 | BR24

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Im Sitzungssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes ist das letzte Urteil gesprochen worden. Nun wird der Gerichtssaal vollständig zum Museum.

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Letztes Urteil im Nürnberger Schwurgerichtssaal 600

Heute wurde im Sitzungssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes das letzte Urteil gesprochen. Danach wird der Gerichtssaal, in dem ab 1945 die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse stattgefunden haben, vollständig zum Museum.

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Der Saal, in dem führende Köpfe des NS-Regimes, wie etwa Hermann Göring oder Rudolf Heß verurteilt wurden, ist bereits jetzt Teil des Memorium Nürnberger Prozesse, das die Geburtsstätte des modernen Völkerstrafrechts würdigt. Bislang war der Saal 600 für die etwa 80.000 Besucher, die jährlich registriert werden, nur montags und freitags zugänglich – künftig soll er von Montag bis Freitag öffnen.

Historische Bedeutung hinter akustischen Mängeln

Die Strafjustiz am Landgericht-Nürnberg-Fürth wird in einem neuen Gebäude untergebracht – worauf sich die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer Barbara Richter-Zeininger freut: "Man nimmt die historische Bedeutung des Saals 600 nicht wahr, wenn man eine Verhandlung leitet. Man nimmt den Saal dann wahr, wenn wieder jeder sagt, ich verstehe nichts, die Akustik passt nicht", erklärt die Richterin.

Keine Wehmut bei Schwurgerichtskammer-Vorsitzenden

Die Ehrwürdigkeit des Raumes sei nur dann zu verstehen, wenn man wie jeder andere Zuschauer privat dort hingehe. So hält sich Richter-Zeininger zunächst nicht mit Wehmut auf, sondern denkt vielmehr an den besseren Komfort und die moderne technische Ausstattung im neuen Strafjustiz-Gebäude. Dennoch kann sie sich an viele Verfahren erinnern, die sie im Saal 600 geleitet hat.

Der sogenannte "Reichsbürger-Prozess" ist ihr dabei in besonderer Erinnerung geblieben. Im Oktober 2017 wurde ein Mann aus Georgensgmünd im Landkreis Roth zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er einen Polizisten erschossen hatte.

Am 20. Februar 2020 wurde im Sitzungssaal 600 das letzte Urteil gesprochen. Der Prozess lief gegen einen Mann, der aus Eifersucht versucht haben soll, seine Ehefrau zu töten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm versuchten Mord vor. Das Gericht konnte dem Mann keine Tötungsabsicht nachweisen und verurteilte ihn wegen versuchter Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung in zwei Fällen und Beleidigung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

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Im Sitzungssaal 600 des Nürnberger Justizpalastes wird das letzte Urteil gesprochen. Danach wird der Gerichtssaal, in dem ab 1945 die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse stattgefunden haben, vollständig zum Museum.

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