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Letzte regionale Entwöhnungseinrichtung in Oberbayern schließt | BR24

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In Ingolstadt macht die letzte regionale Entwöhnungseinrichtung Oberbayerns dicht. Als Grund werden Personalengpässe genannt. Vertreter von Suchthilfe-Organisationen sprechen von einer "großen Lücke".

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Letzte regionale Entwöhnungseinrichtung in Oberbayern schließt

In Ingolstadt macht die letzte kleine, regionale Entwöhnungseinrichtung Oberbayerns dicht. Als Grund werden Personalengpässe genannt. Vertreter von Suchthilfe-Organisationen sprechen von einer "großen Lücke".

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Die letzte regionale Entwöhnungseinrichtung in Oberbayern schließt. Die 20 Therapieplätze, die das Klinikum Ingolstadt bislang freiwillig im Anna-Ponschab-Haus anbietet, gibt es nur noch bis Ende April. Das haben Aufsichtsrat und Geschäftsführung des Klinikums beschlossen. Als Grund werden Personalengpässe genannt.

Früherer Alkoholsüchtiger: Schließung "richtiger Schock"

Für Lothar Mildner ist die drohende Schließung ein "richtiger Schock". Der Ingolstädter hat selbst im Anna-Ponschab-Haus zum Leben ohne Alkohol gefunden. Seit gut sechs Jahren ist er trocken. Die familiäre Atmosphäre habe ihm diesen Schritt erleichtert. Mildner erklärt, durch die kleine Gruppe habe man sehr viel Kontakt zu den anderen Klienten. "Das hilft unheimlich weiter", sagt Mildner.

Wichtig für den Ingolstädter war auch, dass er die Entwöhnung an seinem Wohnort machen konnte. Eine Möglichkeit, die nun in der Region Ingolstadt wegfällt.

Caritas-Suchtambulanz: "Große Lücke"

Das reißt eine große Lücke, analysiert Monika Gabler von der Caritas-Suchtambulanz und Sprecherin sämtlicher Hilfsangebote in Ingolstadt. Die Wohnortnähe fördere die Entwöhnung, vor allem bei Alkoholkranken, die noch eine Arbeit und soziale Bindungen haben.

Konflikte mit dem Arbeitgeber etwa könne man angehen, indem man Gespräche organisiert, sagt Gabler. Bei sozialen Problemen könne man die Behörden miteinbeziehen. In weiter entfernteren Einrichtungen sei das deutlich schwieriger zu organisieren.

Wege für Suchtkranke werden länger

Mit diesen Schwierigkeiten kämpft der ganze Freistaat. Mit der Entwöhnungseinrichtung im Anna-Ponschab-Haus schließt die letzte kleine Entwöhnungseinheit in Oberbayern. Die Wege für die Suchtkranken verlängern sich deutlich. 100 Kilometer im Schnitt, konstatiert Thomas Pollmächer, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Ingolstadt.

Er verweist auf einen bundesweiten Trend hin zu Entwöhnungszentren mit 100, teils auch 200 Patienten. Ein wesentlicher Grund: Größere Einrichtungen ließen sich wirtschaftlicher führen, sagt Pollmächer. Somit sind sie oft die günstigere Variante für die Rentenversicherungsträger.

Chancen auf ein alkoholfreies Leben schwinden

Kleine Einrichtungen brauchen im Vergleich dazu mehr Personal, mehr Ärzte, mehr Psychotherapeuten. Und das sei auch der Grund, warum die Entwöhnung im Anna-Ponschab-Haus eingestellt werde, sagt der Geschäftsführer des Klinikums, Andreas Tiete. Er wünscht sich mehr Studienplätze für Mediziner. Ohne ausreichend Ärzte könne es keine kleinen Entwöhnungseinrichtungen geben.

Damit würden die Chancen auf ein alkoholfreies Leben schwinden, sagt Suchtberaterin Monika Gabler. "Es gibt ein Klientel, für das so ein kleines, familiäres Setting mit 20 Therapieplätzen ganz wichtig ist. Manche Rehabilitanten gehen in großen Einrichtungen verloren."

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