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Kontroverse um Predigt von Passaus Bischof Oster | BR24

© BR/Katharina Häringer

Die Predigt von Passaus Bischof Stefan Oster schlägt hohe Wellen im Netz: In einem offenen Brief kritisiert jetzt der Lesben- und Schwulenverband in Bayern (LSVD) Osters Aussagen zu Homo-, Inter- und Transsexualität als verletzend.

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Kontroverse um Predigt von Passaus Bischof Oster

Eine Predigt von Passaus Bischof Oster schlägt hohe Wellen: In einem offenen Brief kritisiert der Lesben- und Schwulenverband in Bayern Osters Aussagen zu Homo- und Transsexualität als verletzend. Der Bischof fühlt sich in Teilen missverstanden.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Die Predigt des Passauer Bischofs Stefan Oster zum Fest der Heiligen Familie schlägt hohe Wellen im Netz: Darin bekräftigt er unter anderem die Haltung der Kirche, dass Homosexuelle enthaltsam leben sollten, um sündenfrei zu bleiben. In einem offenen Brief kritisiert jetzt der Lesben- und Schwulenverband in Bayern (LSVD) Osters Aussagen zu Homo-, Inter- und Transsexualität.

Bischof Oster bietet Gesprächstermin an

"Sie verletzen viele queere Menschen in ihrem Recht und Bedürfnis auf Akzeptanz und Freiheit", heißt es in dem Brief mit dem Betreff "Wir sind weder beeinträchtigt noch überfordert, Herr Bischof Oster". Der LSVD Bayern schreibt, dass Osters Worte nicht stillschweigend hinzunehmen seien. Die Mitglieder fühlten sich ausgegrenzt, herabgewürdigt und verletzt. Ihnen fehlt es in der Predigt an Nächstenliebe und Respekt. Oster selbst erklärte sich auf seiner Homepage. Er fühlt sich falsch zitiert und bietet den Verfassern des Briefs ein Gespräch an.

Frage in der Predigt: Ist klassische Familie noch "normal"

In der Predigt vom 27. Dezember kreist Stefan Oster um die Frage, ob die klassische Familie - bestehend aus Vater, Mutter, Kind - heute noch das Normale ist. Oster bejaht die Frage und geht dann auf andere Lebensformen, Geschlechterzugehörigkeit und Sexualität ein.

Nicht homosexuelle Neigung, sondern Auslebung ist Sünde

Über Homosexuelle sagt er, dass deren Neigung in der Regel einfach da sei. "Menschen haben sie normalerweise nicht gewählt. Und dennoch sagt die Kirche auch, dass nicht die Neigung selbst, aber das Ausleben dieser Neigung im sexuellen Akt nicht richtig ist, dass es Sünde ist. Dass das schwer zu verstehen ist, kann ich ehrlich nachempfinden.

Ich kenne aber auch Menschen, die obgleich sie homosexuell empfinden, in sich spüren, dass die Kirche mit ihrer Lehre trotzdem recht hat. Sie spüren, dass bei diesem Akt für sie etwas nicht passt. Und sie bemühen sich deshalb um ein Leben in Enthaltsamkeit (…). Auch davor habe ich tiefen Respekt und halte es für richtig", heißt es in der Predigt.

Schöpfung ist "nicht fehlerlos"

Über Menschen, die sich weder zum einen noch zum anderen Geschlecht zugehörig fühlen und denen damit fast immer auch die Fähigkeit sich fortzupflanzen fehle, sagt er, dass eben auch die Schöpfung nicht fehlerlos sei. Dann stellt er diese Analogie auf: "Und so kommt es vor, dass Menschen geboren werden, die einen Mangel leiden, etwa wenn jemand blind geboren wird oder mit einem Herzfehler, oder mit einer anderen Beeinträchtigung." Weiter heißt es in der Predigt: "Solche Menschen sind damit aber aus meiner Sicht nicht ein eigenes drittes Geschlecht. Sondern es sind Menschen, denen schlicht diese Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter fehlt." Oster schließt die Predigt mit den Worten, dass Gott für jeden Menschen Heil wolle.

Antidiskriminierungsstelle eingeschaltet

Bereits in der Vorwoche hatte der Verein Equality Oberpfalz e.V. mitgeteilt, man habe die Predigt des Passauer Bischofs an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes weitergeleitet. Die Institution solle die Aussagen des Bischofs auf Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) prüfen. Man werde das Ergebnis der Prüfung durch die Antidiskriminierungsstelle abwarten und dann über ein weiteres Vorgehen beraten, ließ der Verein weiter verlauten.

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