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Lernen mit Corona: So lief der Schulanfang in Bayern | BR24

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Für rund 1,6 Millionen Mädchen und Jungen hat in Bayern der Unterricht wieder begonnen. Doch vieles ist in diesem Schuljahr anders. In den Grundschulen heißt es für die Erstklässler Maske aufsetzen auf Gängen und Abstand zu anderen Klassen halten.

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Lernen mit Corona: So lief der Schulanfang in Bayern

Zu Beginn des neuen Schuljahres herrscht an Bayerns weiterführenden Schulen wegen Corona zwei Wochen lang Maskenpflicht im Klassenzimmer. Der erste Tag verlief trotz der Neuerungen weitgehend reibungsfrei. Auch das Feedback der Schüler war positiv.

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Von
  • Ulrich Trebbin
  • Birgit Grundner
  • Lasse Berger

Für knapp 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler hat heute das neue Schuljahr begonnen. Zwar sollen -trotz Corona - alle Jahrgangsstufen erst einmal wieder regulär im Klassenzimmer unterrichtet werden, doch ist an Normalität noch immer nicht zu denken. Zum Beispiel mussten alle Kinder und Jugendlichen zum ersten Mal in der Geschichte des Freistaats ab der fünften Klasse mit Mundschutz im Unterricht sitzen. "Mit so einer Maske wird einem immer gleich deutlich wärmer", sagt zum Beispiel Abiturient Leo aus Regensburg, im Klassenzimmer sei es eh immer recht warm. Da helfe das Lüften auch nicht viel. Trotzdem freut er sich, dass jetzt die ganze Klasse wieder zusammen ist.

Die Maskenpfllicht gilt vorerst zwar nur für die ersten zwei Wochen, doch viele andere Regelungen zur Bekämpfung des Coronavirus gelten bis auf Weiteres.

Abstand zu anderen Schulklassen

Die rund 6.200 Schulen in Bayern mussten dazu Hygienekonzepte ausarbeiten. Sie sehen unter anderem vor, dass die Schülerinnen und Schüler in festen Klassenverbünden zusammenbleiben und zu Kindern anderer Klassen mindestens 1,50 Meter Abstand halten. Auf den Gängen und Toiletten müssen selbst die Erstklässler ohne Ausnahme Masken tragen, Hände sollen regelmäßig gewaschen, die Räume gelüftet werden. Das bedeutet Herausforderungen für Schüler und Lehrer - allein schön physisch, weil das Atmen, Sprechen und Zuhören anstrengender wird.

Piazolo: Hoffnung auf schwächere Grippesaison

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo hofft, dass durch die eingeführten Hygienemaßnahmen an den Schulen die Grippesaison in diesem Jahr schwächer ausfallen wird. Auch wenn sich die meisten Schülerinnen und Schüler darüber freuten, dass die Schule wieder losgegangen sei und sie ihre Altersgenossen wieder sehen könnten, mahnte Piazolo zur Vorsicht und zur Rücksicht aufeinander, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.

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Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat sich zum Schulstart optimistisch gezeigt. Das Ziel sei so viel Präsenzunterricht wie möglich. Gleichzeitig sei man aber auch in der Lage, notfalls wieder zum Distanzunterricht zurückzukehren.

Landesschulsprecher: Schulstart reibungsfrei verlaufen

Aus Sicht des bayerischen Landesschulsprechers Joshua Grasmüller ist der Schulanfang weitaus besser verlaufen, als er erwartet hätte. Er habe viele Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern bekommen, dass sie mit der kurzfristig eingeführten Klassenzimmer-Maskenpflicht an weiterführenden Schulen während der ersten beiden Schulwochen recht gut zurechtkommen. Grasmüller betrachtet das Tragen der Maske aber als einen Beitrag der Schulen dazu, dass die negativen Auswirkungen von Corona in der Gesellschaft soweit wie möglich hinausgezögert oder gar verhindert werden. Viele Schüler sind seiner Ansicht nach froh, dass sie jetzt wieder vollzählig im Klassenverband sind und Kontakt zu ihren Altersgenossen haben können.

Für dieses Schuljahr wünscht sich der Landesschulsprecher, dass ein etwaiger Distanzunterricht so weit als möglich abgewendet wird und dass es bis zum Halbjahr gelingt, die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler wieder auf das gleiche Niveau zu bringen wie es ihre besseren Mitschüler haben. Es sei einfach so, dass längst nicht alle Schüler zuhause und selbständig gut lernen können und deshalb teilweise weit zurück sind.

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Zum Schulstart am Dienstag mussten die knapp 1,7 Millionen Schüler in Bayern Masken tragen - zum Schutz vor dem Coronavirus. Für Kinder und Jugendliche ab der fünften Klasse gilt die Maskenpflicht zwei Wochen lang auch während des Unterrichts.

Schulen mehr und vor allem gestaffelte Pausen eingerichtet. Zum Beispiel die Mittelschule in Traunstein.

Lehrermangel verschärft Herausforderungen durch Corona

An vielen Schulen gibt es jedoch nicht genügend Lehrer. Das wird in Zeiten von Corona noch deutlicher sichtbar, meint etwa der Unterfränkische Lehrerinnen- und Lehrerverband (ULLV). Schulanfänger gibt es in diesem Schuljahr immerhin 2,8 Prozent mehr. "Je kleiner die Klasse, desto besser ist Unterricht möglich - nicht nur zu Corona-Zeiten!", so der ULLV.

Holpriger Schulanfang in Odelzhausen

Beim Schulstart kommt es auch schon zu ersten Komplikationen: In der Glonntal-Realschule im oberbayerischen Odelzhausen etwa musste wegen Corona der Stundenplan geändert werden, weil vorige Woche eine Lehrkraft positiv auf Corona getestet worden war. Der oder die Betroffene hatte mit einem Drittel der Kolleginnen und Kollegen Kontakt, die müssen deshalb in häusliche Quarantäne und werden getestet. In der Folge dürfen die Schüler bis zum 17. September immer schon nach der vierten Stunde nach Hause gehen.

An der Astrid-Lindgren-Grundschule in Hösbach (Lkr. Aschaffenburg) mussten sieben von zwölf Lehrern wegen Coronaverdachts in häusliche Quarantäne. Laut Schulleiterin Tanja Pandrea sind sie aber bisher nicht positiv getestet. Die Lehrkräfte haben sich laut Pandrea per Videokonferenz ins Klassenzimmer eingelockt.

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Der Schulanfang mit Maske und Sicherheitsabstand ist eine Herausforderung für LehrerInnen und SchülerInnen. Zum Beispiel im mitelfränkischen Abenberg.

Damit sich die Schülerinnen und Schüler außerhalb des Klassenzimmers weniger begegnen haben viele Schulen versetzte Pausen eingeführt.

Stufenplan für Mundschutz und Sicherheitsabstand

Das Kultusministerium hat außerdem schon vorgebaut für den Fall, dass es zu erhöhten Infektionszahlen in einem Landkreis kommt. Dann greift ein Stufenplan: Sollte der Grenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschritten werden, müssen alle Schüler der weiterführenden Schulen auch am Sitzplatz im Unterricht wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei mehr als 50 Neuinfektionen gilt dies dann auch für Grundschüler.

Zudem wird in diesem Fall der Sicherheitsabstand von 1,50 Metern im Klassenzimmer wieder eingeführt, was in der Regel aufgrund der baulichen Beschränkungen dazu führen wird, dass die Klassen geteilt und wochenweise im Wechsel zu Hause und in der Schule unterrichtet werden. Allerdings können Gesundheitsamt und Schulaufsicht von dieser Vorgabe auch abweichen, wenn der Anstieg der Infektionen etwa auf einzelne Gemeinden beschränkt ist.

Reihentestungen von Lehrerkräften geplant

Mehr als 20.000 Lehrer in Bayern haben sich zu Beginn des neuen Schuljahres bereits auf das Coronavirus testen lassen. Bei 22 Personen seien die Testergebnisse positiv ausgefallen, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag in München nach einer Kabinettssitzung. Weitere Tests sollen folgen. Rund 97 Prozent der Schulen planen nach Informationen des Kultusministeriums Reihentests von Lehrkräften.

Ernstfall: Vorbereitung auf den Distanzunterricht

Das Kultusministerium hat sich bereits auf den erneuten, zumindest vorübergehenden Wechsel in den Distanzunterricht eingestellt. Jeder Tag soll dann mit einem virtuellen Startschuss beginnen und so Struktur in den Lerntag bringen. Die Schüler sind zur aktiven Teilnahme verpflichtet, müssen sowohl Hausaufgaben machen als auch gegebenenfalls mündliche Prüfungen ablegen. Die Lehrer wiederum sind zu festgelegten Zeiten für sie erreichbar und müssen kontinuierlich Rückmeldung geben.

Bei Erkältungskrankheiten kein Schulbesuch

Die krankheitsbedingten Fehltage der Schülerinnen und Schüler werden im diesem Schuljahr wohl steigen, denn mit Erkältungskrankheiten soll niemand in die Schule gehen, machte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) schon im Vorfeld klar. Bei leichten Symptomen wie Schnupfen und gelegentlichem Husten dürfen die Kinder und Jugendlichen erst dann in die Schule, wenn sie binnen 24 Stunden kein Fieber entwickelt haben - wobei bei den Grundschülern eine Ausnahme gemacht wird. Kranke Kinder mit Fieber, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall müssen auf jeden Fall zu Hause bleiben.

© BR/Monika Haas

Zu Beginn des neuen Schuljahres herrscht an Bayerns weiterführenden Schulen wegen Corona zwei Wochen lang Maskenpflicht im Klassenzimmer. Der erste Tag verlief trotz der Neuerungen weitgehend reibungsfrei. Auch das Feedback der Schüler war positiv.

Kreis Unterallgäu setzt zusätzliche Busse ein

Zum Start des Schuljahres setzt der Landkreis Unterallgäu zum Schutz vor dem Coronavirus zusätzliche Busse ein. Das teilt das Landratsamt mit. So würden ab heute auf neun Linien sogenannte Verstärkerbusse eingesetzt. Durch die zusätzlichen Busse sei in den Fahrzeugen mehr Platz. Trotzdem müsse man weiterhin auch Stehplätze nutzen. Sollte sich der Bedarf ändern, könne der Landkreis schnell reagieren und die Busse flexibel einsetzen, so Landrat Alex Eder. Jeder Bürger könne überfüllte Busse melden. Dies ist per E-Mail an oepnv@lra.unterallgaeu.de möglich.

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Alle Kinder in der Schule. Da wird es schnell eng. Was kann helfen, Corona-Infektionen zu vermeiden? Was kann man tun, damit das Virus sich nicht an Schulen ausbreitet? Vorschläge gibt es viele, nicht alle sind effektiv.

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