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Grundschülerinnen und Grundschüler in München 2021 beim Corona-Test.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk
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Lernen in der Pandemie: Lehrkräftemangel an Schulen

Die Coronakurve geht steil nach oben. Das Virus macht auch vor Schulen nicht halt. Dort werden immer wieder Lehrkräfte krank oder dürfen nicht unterrichten. Trotzdem fallen nur wenige Stunden aus. Improvisation und Ersatzlehrkräfte machen es möglich.

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Anne KleinknechtAnne Kleinknecht
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Die Coronakurve geht steil nach oben. Das Virus macht auch vor den Schulen nicht halt. Dort werden immer wieder Lehrkräfte krank oder dürfen nicht unterrichten. Trotzdem fallen nur wenige Stunden aus. Improvisation und Ersatzlehrkräfte machen es möglich.

Die Münchner Grundschullehrerin, mit der wir sprechen, hat einen Hexenschuss. Sie ist diese Woche trotzdem in die Schule gegangen. Sonst hätten ihre Kolleginnen und Kollegen ihre Klasse mitbetreuen müssen, denn Vertretungslehrer sind gerade Mangelware. Vor den Weihnachtsferien war es besonders schlimm: Eine Vollzeitkraft konnte länger nicht kommen, zwei weitere wurden krank. Am Ende haben Eltern die Aufsicht übernommen.

    Dünne Personaldecke

Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband beklagt schon länger, dass Lehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen fehlten. Durch die Pandemie habe sich die Lage verschärft: "Natürlich sind mehr Lehrerinnen und Lehrer nicht im Dienst, weil sie infiziert sind, weil sie in Quarantäne sind, weil die Frauen, die schwanger sind, Beschäftigungsverbot haben und weil wir eine Personaldecke haben, die nochmal enger ist." Derzeit gebe es nur noch wenige Vertretungslehrkräfte, sogenannte mobile oder integrierte Reserven.

Ein Sprecher des bayerischen Kultusministeriums bestätigt zwar, dass mit den steigenden Coronazahlen mehr Lehrkräfte ausfallen. Der Effekt sei allerdings vergleichsweise gering. Diese Woche waren offiziell nur etwas mehr als ein Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne; weniger als zwei Prozent konnten wegen einer Schwangerschaft oder einer Vorerkrankung nicht vor Ort unterrichten. Für den Vorsitzenden des bayerischen Schulaufsichtsverbands, Jürgen Heiß, ist das keine Überraschung. Momentan kämen die Schulämter mit der mobilen Reserve für Grund-, Mittel- und Förderschulen an ihre Grenzen. Deshalb sei man laufend auf der Suche nach Vertretungslehrkräften.

An den Gymnasien und den Realschulen gibt es zudem eine integrierte Lehrerreserve. Das sind zusätzliche Lehrerwochenstunden, die die Schulleitungen sofort und flexibel einsetzen können. Beide Modelle hat der Freistaat in der Pandemie nochmal ausgebaut. Trotzdem fordert der bayerische Realschullehrerverband zusammen mit den Eltern eine Erhöhung der Lehrerreserven, um Lerndefizite an den Schulen aufzuholen. An den beruflichen Schulen gibt es überhaupt keine Lehrerreserve, so der Vorsitzende des Verbands der Lehrkräfte an den beruflichen Schulen in Bayern, Pankraz Männlein. Aufgrund der fachlichen Ausdifferenziertheit an den beruflichen Schulen, seien Lehrkräfte nicht einfach austauschbar, so Männlein: "Aus einer Unterrichtsversorgung von knapp über 90 Prozent wird deutlich, dass adäquate Ersatzlehrkräfte nicht vorhanden sein können. Damit ist programmiert, dass auch Unterricht ausfallen muss." Männlein unterstreicht, dass der VLB schon lange eine integrierte Lehrerreserve auch für die beruflichen Schulen fordert.

Neun Lehrer in drei Schuljahren

Aus dem Kultusministerium heißt es zur integrierten und mobilen Lehrerreserve wörtlich: "Dieses System hat sich zur Sicherstellung des Unterrichtsbetriebs in ganz Bayern bestens bewährt." Doch die Sicherung des Unterrichts kann für einzelne Schüler mitunter chaotisch aussehen, berichtet eine Mutter. Ihr Sohn besucht die Grundschule am Jagdfeldring in Haar und hat jetzt in der dritten Klasse "die Lehrer- oder Lehrerin Nummer neun". Nachdem seine Lehrerin in der zweite Klasse krank wurde, wurden der Klasse immer wieder Vertretungslehrer zugeteilt.

Nachdem dann auch noch die Drittklasslehrerin schwanger wurde und nur noch von zuhause arbeiten durfte, hat das Schulamt eine sogenannte Team-Lehrkraft eingestellt. 800 solcher Stellen hat der Freistaat in diesem Schuljahr geschaffen. Sie gehen an Lehrkräfte und Hochschulabsolventen, die an der Schule unterrichten und sich mit der Lehrkraft zuhause abstimmen, erklärt die Leiterin der Jagdfeldschule, Carolin Friedl.

Teamlehrkräfte sorgen für Normalität

Stamm- und Teamlehrkraft seien im täglichen Austausch und führten die Elterngespräche teilweise sogar zusammen. "Der eine erlebt das Kind im Unterricht, der andere sieht die Proben und Leistungsnachweise und hat nochmal einen sachlicheren Blick von außen. Und da ist bei uns die Erfahrung bis jetzt, dass das gut funktioniert." Zumindest an der Jagdfeldschule hat das Modell Teamlehrkraft wieder für etwas mehr Normalität im Schulalltag gesorgt.

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