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Die Grundschulen haben viel zu tun: Notbetreuung, digitaler Unterricht, in den kommenden Wochen kommen immer mehr Klassen zurück. Heute haben die Viertklässler den Anfang gemacht – und auch gleich ihre Übertrittszeugnisse bekommen.

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Lernen auf Abstand: Viertklässler gehen wieder in die Schule

Die Grundschulen haben viel zu tun: Notbetreuung, digitaler Unterricht, in den kommenden Wochen kommen immer mehr Klassen zurück. Heute haben die Viertklässler den Anfang gemacht – und auch gleich ihre Übertrittszeugnisse bekommen.

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Ab 7:30 Uhr trudeln die Viertklässler der Münchner Grundschule an der Klenzestraße ein, alle 15 Minuten kommt eine Kleingruppe an. Die Kinder müssen eine Maske tragen und sich beim Anstellen an Abstandsmarkierungen auf dem Boden orientieren. Von Schulmitarbeitern werden sie dann durch eine Händewaschstation geleitet, danach gehen sie mit der Lehrkraft in ihr Klassenzimmer – dafür hat jede Gruppe sogar einen eigenen Eingang.

Freude über die Rückkehr in die Schule

Alles ziemlich seltsam nach dieser langen Zeit zu Hause. Die Stimmung ist trotzdem gut bei den Viertklässlern. "Ich freu mich schon sehr, weil ich jetzt meine Klassenkameraden endlich wieder sehe, davor haben wir uns immer nur im Internet über so eine App gesehen und jetzt ist es mal wieder schön alle zu sehen", sagt Timmi. Auch Cora freut sich auf die Anderen: "Ich musste halt meistens alleine die Hausaufgaben machen, weil die beiden gearbeitet haben, also schon eher anstrengend." Jonathan fand die viele Freizeit am Anfang eigentlich ganz gut, "aber irgendwann wurde einem dann doch langweilig und eigentlich freu ich mich auch, weil ich dann wieder viele Freunde und Kinder aus meiner Klasse wieder sehen kann."

Damit die Klassen nicht zu groß werden, sind sie in zwei Gruppen hintereinander aufgeteilt. Jedes Kind hat also nur drei Stunden Unterricht am Tag. Und auch die sehen natürlich anders aus als sonst: keine Gruppenarbeiten, stattdessen Frontalunterricht. Und das derzeit auch nur in den Hauptfächern, damit die Viertklässler fit gemacht werden für den Probeunterricht an den weiterführenden Schulen.

Lehrerverband fordert faire Regelung beim Übertritt

Mit dem Probeunterricht können es auch Kinder auf das Gymnasium oder die Realschule schaffen, deren Notendurchschnitt im Übertrittszeugnis nicht ausgereicht hat. Wegen der langen Zeit ohne Präsenzunterricht konnten für diesen Schnitt heuer nur Proben mit eingerechnet werden, die vor dem 13. März geschrieben worden sind.

Das findet die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, ungerecht. Sie forderte das Kultusministerium auf, den Probeunterricht in diesem Jahr zurückzunehmen. Zumindest in diesem Ausnahmeschuljahr müsse der Übertritt auf weiterführende Schularten nach einer verpflichtenden Beratung durch die Lehrer "in die gemeinsame Verantwortung der Erziehungsberechtigten und Lehrkräfte gelegt werden", sagte sie.

Wer mit den bisherigen Noten bis Mitte März noch nicht den Durchschnitt für den Besuch der Realschule oder des Gymnasiums erreicht hatte, dies aber noch durch die ausstehenden Arbeiten hätte erreichen können, müsse sich nun direkt nach der Schulöffnung "dem belastenden Probeunterricht unter unfairen Bedingungen stellen", kritisierte die Verbandspräsidentin.

Piazolo gegen "alte Systemdebatten"

Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern ist gegen eine Änderung bei den Übertrittsregelungen. Er erklärte , man dürfe die Corona-Krise nicht ausnutzen, "um alte Systemdebatten neu zu entfachen". Es sei wichtig, keine Ängste zu wecken, sondern sie durch sinnvolle Maßnahmen zu nehmen. Außerdem hätten die Grundschullehrkräfte in diesem Schuljahr "mit viel Fingerspitzengefühl agiert". Die festgestellten Übertrittseignungen für das Gymnasium seien gegenüber dem Vorjahr angestiegen.

Schulen brauchen mehr Zeit zum Planen

BLLV-Präsidentin Fleischmann kritisierte außerdem schon vor einigen Tagen, dass die verschiedenen Vorgaben für Hygienekonzepte und Gruppenstärken teilweise zu spät vom Kultusministerium kommuniziert worden seien. Außerdem forderte sie mehr Entscheidungsspielräume für die Schulen.

Die letzten Informationen habe das Kultusministerium vergangenen Donnerstag herausgegeben, sagt der Direktor der Grundschule an der Klenzestraße, Martin Schmid. "Die Vorgaben waren mit Sicherheit hilfreich, nur der zeitliche Rahmen war knapp vorgegeben. Wir wünschen uns etwas mehr an Zeit, denn es geht hier um unsere Kinder", sagt er in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands.

Schmid hat in den vergangenen Tagen mit seinem Kollegium Abstände gemessen, Tische verrückt und viel Absperrband verklebt. Kommende Woche dürfen die Erstklässler wieder in die Schule, irgendwann sollen alle 300 Schülerinnen und Schüler wieder da sein: "Wenn die ersten Klassen kommen und wir beschulen weiter die vierten Klassen, haben weiter eine ausgedehnte Notbetreuung und dann kommt auch noch die zweite oder dritte Klasse mit dem Begleit- und Gesprächsangebot, dann sind wir an der Grenze oder drüber. Und dann muss man überlegen, wie man das neu strukturiert."

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Der Neustart für Bayerns Viertklässler nach der Corona-Pause hat viele Schulen im Freistaat vor Probleme gestellt, sagte Simone Fleischmann dem Bayerischen Rundfunk. Sie äußerte sich unter anderem auch zu der Umsetzung neuer Unterrichtsformen.

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