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Corona und Schule

Lernen trotz Corona: Chronologie eines Ausnahme-Schuljahres | BR24

© dpa-Bildfunk / Marijan Murat

Ein besonderes Schuljahr geht für Lehrer, Schüler und Eltern zu Ende.

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    Lernen trotz Corona: Chronologie eines Ausnahme-Schuljahres

    Mitte März wurden in Bayern Schulen und Kitas geschlossen. Schüler mussten zu Hause unterrichtet werden, für die Abiturienten verschoben sich die Prüfungen. Wie verlief das Corona-Schuljahr? Welche Maßnahmen gab es? Ein Rückblick.

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    Für viele Eltern ist es ein kleiner Schock, als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am 16. März wegen des Coronavirus den Katastrophenfall für den Freistaat verhängt und damit auch alle Schulen und Kitas schließt. Vor allem für die Eltern jüngerer Kinder heißt das: Wie organisiere ich auf die Schnelle eine Betreuung? Die Regelung sollte zunächst bis zu den Osterferien gelten, die am 19. April endeten.

    Die Erfahrungen, Sorgen und Wünsche von Schülern, Eltern und Lehrern stehen im Mittelpunkt des dreitägigen BR-Themenschwerpunkts "Lernen am Limit: Corona, die Schule und ich!" von Montag, 20. Juli, bis Mittwoch, 22. Juli 2020, im Bayerischen Rundfunk.

    Mebis Bayern – Bereits am ersten Tag nach Hackerangriff nicht erreichbar

    Das Kultusministerium erklärt: Über die Online-Plattform Mebis sollen die bayerischen Schüler von ihren Lehrern mit Lehrmaterial versorgt werden. Doch die Lernplattform kollabiert gleich am ersten Tag. Unklar ist, ob wegen eines Hackerangriffs von Schülern oder durch die schlichte Tatsache, dass das System dem plötzlichen Zugriff von Hunderttausenden Schülern und Lehrern nicht gewachsen war. Auch in der Folgezeit kämpfen Schüler und Eltern mit Anmeldeproblemen. Das Kultusministerium lässt ausrichten: Man arbeite an der Optimierung der Systeme. Bis Ende März steigen die Anmeldezahlen auf etwa zehn Prozent. Von einer flächendeckenden Nutzung ist man weit entfernt.

    Keine Schulfähigkeitsprüfung für Grundschüler

    Trotz geschlossener Schulen sollen ab dem 17. März die Einschreibungen für Grundschüler stattfinden. Das Ministerium sagt, es sei dafür keine persönliche Anmeldung nötig. Stattdessen können die Kinder auch telefonisch oder per Mail angemeldet werden. Auch die bis dahin verpflichtende Schulfähigkeitsprüfung wird für das Schuljahr 2020/2021 aufgehoben.

    Abschlussprüfungen verschieben sich

    Für die bayerischen Abiturienten heißt es zunächst geduldig bleiben. Das Abitur findet in diesem Jahr drei Wochen später statt. Die drei schriftlichen Prüfungen beginnen am 20. Mai, die beiden mündlichen Prüfungen finden erst nach den Pfingstferien, also ab dem 15. Juni, statt. Wegen der Schulschließungen können viele die letzten Klausuren für das zweite Halbjahr nicht mehr schreiben - zahlreichen Schülern fehlen aber noch wichtige Noten.

    Auch die Abschlussprüfungen für Mittelschulen, Realschulen und Wirtschaftsschulen beginnen später – alle sollen faire Bedingungen und mehr Vorbereitungszeit für ihre Abschlussprüfungen bekommen, sagt Kultusminister Michael Piazolo.

    Notbetreuung wird ausgeweitet

    Damit genug Pflegekräfte die Corona-Patienten versorgen können, organisiert die bayerische Staatsregierung eine Notbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Ab dem 23. März gilt dies auch, wenn nur ein Elternteil wegen "dienstlicher oder betrieblicher Notwendigkeit" sein Kind nicht betreuen kann. Ende März gehen knapp 11.000 Kinder trotz Schulschließungen weiter in Schule und Kindertagesstätten, weil ihre Eltern als “systemrelevant“ eingestuft sind. Etwa einen Monat später, am 27. April, wird die Betreuung auf weitere Berufs- und Personengruppen ausgeweitet. Auch Alleinerziehende zählen nun dazu.

    Sommersemester startet mit Online-Vorlesungen

    Wie geplant, startet an den bayerischen Universitäten und Hochschulen am 20. April das Sommersemester. Für die knapp 400.000 Studentinnen und Studenten heißt das jedoch: die Vorlesungen werden fast ausschließlich online gehalten. Da es erhebliche Einschränkungen gibt, etwa bei der Bücherausleihe oder Technik, wird das Sommersemester nicht zur Regelstudienzeit gezählt. Das bringt Erleichterung vor allem hinsichtlich Bafög, Kindergeld oder Krankenversicherung. Staatliche Bibliotheken sowie die Bibliotheken an Universitäten und Hochschulen öffnen ab dem 27. April unter Auflagen.

    Abschlussklassen kehren zurück

    Nach den Schließungen Mitte März geht Ende April der Schulalltag zumindest für einen kleinen Teil der Schüler wieder los. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo spricht von einem "schulischen Mischbetrieb". Abschlussklassen dürfen ab dem 27. April zurück in die Schulen. Die Noten werden laut Kultusministerium aus den bisher erbrachten Leistungen gewonnen. Andere Klausuren müssen nicht mehr geschrieben werden, die Schüler sollen sich voll auf ihren Abschluss konzentrieren. Eine Maskenpflicht gilt während des Unterrichts nicht, auf dem Schulweg mit Bus und Bahn ist sie jedoch Pflicht.

    Lehrermangel zusätzlich verschärft

    Die Corona-Krise verschärft den schon bestehenden Lehrermangel. Schwangere Lehrerinnen sowie Lehrer*innen, die über 60 Jahre alt sind oder Vorerkrankungen haben, dürfen zuhause bleiben. "Da ist selbstverständlich die Teilnahme am Präsenzunterricht bei einem entsprechend fachärztlichem Attest nicht notwendig", so Piazolo.

    Am 18. Mai werden die Staatsexamensprüfungen für angehende Lehrer*innen fortgesetzt. Dennoch fehlen für das kommende Schuljahr in Bayern rund 1.400 Vollzeitkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen.

    Ein Schritt Richtung Normalität - Unterricht wird stufenweise gestartet

    Etwas später als in den anderen Bundesländern kehrt auch in Bayern der Schulbetrieb stufenweise zurück. Am 11. Mai kommen Schüler, die im nächsten Jahr ihren Abschluss machen, in das Klassenzimmer zurück. Auch die Viertklässler dürfen wieder auf die Schulbank, laut Fahrplan des Kultusministeriums zunächst für insgesamt drei Stunden. Die Erstklässler, Schüler der fünften Klassen der Mittelschulen und die Fünft- und Sechstklässler an Realschulen und Gymnasien sind eine Woche später dran.

    Nachholbedarf bei Digitalisierung

    Für viele ist die Umstellung auf das digitale Lernen eine Herausforderung. Lehrer fordern eine bessere Ausbildung und Ausstattung in den Schulen. Auch Eltern fühlen sich nicht ausreichend auf das Homeschooling vorbereitet. Mit einem Sonderbudget von rund 78 Millionen Euro will der Freistaat Bayern die Versorgung von Schülern mit Laptops und Tablets für den digitalen Unterricht verbessern. Das Geld ist Teil des 500 Millionen Euro schweren Ausstattungsprogramms des Bundes.

    Kita-Beiträge werden übernommen

    Mehr und mehr Kinder können zur Betreuung in eine Tagesstätte, doch einige Eltern müssen noch immer warten. Am 10. Juni lehnt das Bundesverfassungsgericht den Eilantrag einer Familie gegen Schul- und Kita-Schließungen ab. Am 15. Juni wird die Notbetreuung auf Kinder ausgeweitet, die im Schuljahr 2021/2022 schulpflichtig werden. Schließlich gilt, vom 1. Juli an dürfen alle Kindern in Bayern wieder in Kitas und Krippen. Zudem müssen Eltern für April, Mai und Juni keine Kitagebühren bezahlen.

    Über die Ansteckungsgefahr von Kindern ist noch immer wenig bekannt. In der "Covid Kids Bavaria"- Studie wollen sechs Universitätskliniken in Bayern sechs Monate lang stichprobenartig Kinder, Lehrer und Erzieher auf eine akute Corona-Infektion testen.

    Präsenzunterricht für alle Schüler

    An den bayerischen Schulen treten nach den Pfingstferien weitere Lockerungen in Kraft und die letzten Jahrgangsstufen dürfen zurück. Eine Woche Unterricht in der Schule, dann eine Woche zu Hause heißt das Wechselmodell. Für die ersten beginnt der Präsenzunterricht am 15. Juni.

    Nach Corona-Fällen in mehreren bayerischen Schulen werden Mitschüler und Lehrer in eine 14-tägige Quarantäne geschickt, so etwa in Regensburg, Ulm, Passau und Schweinfurt. In den meisten Fällen kann der Schulbetrieb aber normal weitergehen.

    Abitur fällt besser als letztes Jahr aus

    Trotz Corona fällt das bayerische Abitur besser als im letzten Jahr aus. Auch der Anteil der Spitzenabsolventen erhöht sich leicht. Das Abi 2020 machte nicht nur durch Corona von sich reden: Ein Einbrecher stahl aus dem Tresor des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums in Bamberg die Aufgaben für das Deutsch-Abitur, das Kultusministerium verteilte deshalb an alle bayerischen Abiturienten Ersatzaufgaben.

    Für das Ende des Schuljahres gilt: Alle Schüler müssen ihre Zeugnisse persönlich abholen. Laut dem Kultusministerium besteht Schulpflicht bis zum letzten Schultag, dem 24. Juli. Das bedeutet: Egal, ob Homeschooling oder Präsenzunterricht, alle erhalten ihr Jahreszeugnis persönlich in der Schule.

    Lehrer fordern Regelungen für Corona-Schulbetrieb

    Wie geht es nach den Sommerferien weiter? Ab dem 8. September sollen alle Schülerinnen und Schüler wieder täglich Präsenzunterricht haben. Für viele ist ein normaler Schulbetrieb jedoch nicht vorstellbar. Lehrverbände fordern ein neues Hygiene-Konzept, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes eine Leistungsstanderhebung und Förderprogramme, um entstandene Lerndefizite abzubauen. Der bayerische Elternverband sieht die Rückkehr zum Normalbetrieb dagegen positiv. Noch sind viele Fragen offen, wie es im Herbst weitergeht.

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