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Leichen als Übungsobjekte? Prozess gegen Bestatter | BR24

© Achim Winkelmann/BR-Mainfranken

Prozessbeginn gegen Schweinfurter Bestatter

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Leichen als Übungsobjekte? Prozess gegen Bestatter

Vor dem Amtsgericht Schweinfurt muss sich ab heute ein Bestatter wegen Störung der Totenruhe verantworten. Er soll fünf Tote zu Übungszwecken ins Ausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt gebracht haben - ohne Einverständnis der Angehörigen.

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Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hatte im Januar 2019 Strafbefehl wegen Störung der Totenruhe in fünf Fällen beantragt. Sie wirft dem Unternehmer aus Schweinfurt vor, Verstorbene ins 30 Kilometer entfernte Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen) gebracht zu haben – ohne Einverständnis der Angehörigen. Dort sollen Auszubildende die Versorgung der Leichen geübt haben.

Amtsgericht Schweinfurt: Hauptverhandlung statt Strafbefehl

Der zuständige Richter folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft aber nicht. Stattdessen machte er von seiner Möglichkeit Gebrauch, anstelle der Geldstrafe eine Hauptverhandlung anzusetzen. Zu dieser sind nun 13 Zeugen geladen. Der Anwalt des Bestatters sagte dem BR vorab, sein Mandant bestreite die Vorwürfe "voll umfänglich". Von Seiten des Bundesverbands Deutscher Bestatter, der die Schule in Münnerstadt betreibt, kommen während des laufenden Verfahrens keine Angaben zur Sache.

© BR

Vor dem Amtsgericht Schweinfurt muss sich ab heute ein Bestatter wegen Störung der Totenruhe verantworten. Er soll fünf Tote zu Übungszwecken ins Ausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt gebracht haben - ohne Einverständnis der Angehörigen.

Ehemalige Mitarbeiter erhoben Vorwürfe gegen Bestatter

Die Vorwürfe waren im Juli 2018 an die Öffentlichkeit gelangt. Ehemalige Mitarbeiter des Bestatters, der auch Ausbilder ist, hatten damals den Fall ins Rollen gebracht. Sie berichteten über regelmäßige Transporte von Verstorbenen ins Ausbildungszentrum Münnerstadt. Dort hätten die angehenden Bestatter unter anderem geübt, die Leichen zu waschen und den Mund der Verstorbenen mit Nadel und Faden zu verschließen. Um Naht-Techniken zu üben, seien den Verstorbenen sogar absichtlich Wunden zugefügt worden. Die Angehörigen hätten dem nie zugestimmt.

Schweinfurter Bestatter bestreitet die Vorwürfe

Der Bestatter sprach dagegen von "wenigen Fällen, in denen Verstorbene optisch hergestellt" wurden, um "eine würdige Verabschiedung am offenen Sarg" zu ermöglichen. Dies sei durch die Übertragung der Totenfürsorge gedeckt, so der Angeklagte. Den Vorwurf, den Leichen seien vorsätzlich Wunden zugefügt worden, bezeichnete der Bestatter im Gespräch mit dem BR als "absolut falsch". In der Ausbildungsstätte in Münnerstadt werden eigenen Angaben zufolge jedes Jahr etwa 500 angehende Bestatter ausgebildet.