BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Frank Rumpenhorst/dpa
Bildrechte: Frank Rumpenhorst/dpa

ARCHIV - 11.02.2014, Hessen, Frankfurt/Main: Tafel zeigt "islamischer Religionsunterricht"

1
Per Mail sharen

    Lehrplan vom Staat: Diskussion um Islam-Unterricht

    Aus dem Modellversuch "Islamischer Unterricht" soll ein reguläres Fach an einigen Schulen werden. Der Bayerische Landtag berät heute die gesetzliche Grundlage dazu. Doch es gibt Kritik - von Muslimen, aber auch von den Landtags-Grünen.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Barbara Schneider
    • Veronika Wawatschek

    "Schüler und Schülerinnen, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, sind verpflichtet am Ethikunterricht oder am Islamischen Unterricht teilzunehmen", heißt es in dem Gesetzentwurf zur Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen. Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern sieht darin ein Angebot für muslimische Schülerinnen und Schüler als Alternative zum Ethikunterricht, "wo sie die Grundlagen des Islams aber auch Werteunterricht mitbekommen".

    Kritik von Muslimen: Unterricht ist "Mogelpackung"

    Auf den ersten Blick klingt das wie eine gute Nachricht für die Muslime in Bayern: Endlich erhält ihre Religion auch an den Schulen einen festen Platz. Seitens der muslimischen Verbände sieht man den Gesetzentwurf allerdings kritisch. Aykan Inan, Sprecher des Koordinationsrats der Islamischen Religionsgemeinschaften in Bayern, hält den neuen Islamisch Unterricht für eine Mogelpackung. Seiner Meinung nach wäre es jetzt an der Zeit, "dass man einen regulären, bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht einführt". Das, was jetzt angedacht sei, sei nicht im Sinne der Muslime in Bayern.

    Staat legt Lerninhalte fest

    Das Problem das Aykan Inan sieht: Der Staat verantwortet den Lehrplan und legt die Lerninhalte fest. Das ist anders als beim evangelischen und katholischen Religionsunterricht, wo die Kirchen über Lerninhalte entscheiden. Islamischer Unterricht und konfessioneller Religionsunterricht sind also nicht gleichgestellt. Der Islamische Unterricht sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, meint der Professor für Islamische Religionspädagogik Harry Harun Behr, der in Erlangen lange Lehrer für den Islamunterricht ausgebildet hat. Er verweist auf Artikel 7 Absatz 3 im Grundgesetz, nach dem der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsetzen der Religionsgemeinschaften erfolgen soll. Der Staat trete damit in die Pflicht, einen islamischen Religionsunterricht anzubieten, "also einen Islamunterricht oder einen islamischen Unterricht, der nach ihrem Dafürhalten an den Grundsätzen der islamischen Religion und den muslimischen Identitäten entspricht".

    Grüne: Ethikunterricht mit muslimischem Anstrich

    Demgegenüber argumentiert das bayerische Kultusministerium: Anders als bei den Kirchen gebe es für die Muslime keinen einheitlichen Ansprechpartner. Deshalb sei man bewusst diesen Weg des Wahlpflichtfachs als Alternative zum Ethikunterricht gegangen, betont Kultusminister Piazolo. Dass so nun allerdings langfristig Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen, sieht Gabriele Triebel, Sprecherin für Religionspolitik der Grünen im bayerischen Landtag, kritisch. Der Gesetzentwurf versperre auf Jahrzehnte die Einführung eines konfessionellen Religionsunterrichts, sagt sie. "Das neue Fach ist lediglich ein Ethikunterricht mit islamischer Ausrichtung." Es bestehe kein Rechtsanspruch darauf. Nach Forderung der Grünen müsse die Staatsregierung muslimischen Kindern und Jugendlichen in Bayern auch einen "echten Religionsunterricht" anbieten.

    Angebot an 350 Schulen ab kommendem Schuljahr

    Ab dem kommenden Schuljahr soll der Islamische Unterricht als Wahlpflichtfach starten. Allerdings nicht überall, lediglich an rund 350 Schulen soll er zunächst unterrichtet werden.

    Newsletter abonnieren

    Sie interessieren sich für Religion, Glaube, Spiritualität, Kirchen oder ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie hier unseren Newsletter.