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Vier Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres sieht der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband dringenden Handlungsbedarf

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Lehrerverband greift Minister an: An Schulen herrscht Notbetrieb

Die Lage an den Schulen im Freistaat ist laut dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband dramatisch: "Wir haben noch nie so einen Notbetrieb erlebt wie jetzt", sagte BLLV-Präsidentin Fleischmann. Dem Kultusminister wirft sie "Rumgeeiere" vor.

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Von
  • Petr Jerabek

Vier Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres im Freistaat schlägt der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband Alarm. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte in München, derzeit prallten an den bayerischen Schulen zwei Krisen "mit voller Wucht aufeinander": die Corona-Krise und der dramatische Lehrermangel. "Wir haben noch nie so einen Notbetrieb erlebt wie jetzt." Der BLLV und seine Mitglieder hätten es satt.

BLLV beklagt Show, Schein und Rumgeeiere

Es werde derzeit "Gipfel über Gipfel" veranstaltet - Digitalgipfel, Schulgipfel, Lüftungsgipfel. Das sei alles spannend, gehe aber am eigentlichen Kernproblem vorbei, beklagte Fleischmann. "Alles Show, alles Scheinwelt, für uns alles Rumgeeiere."

Dringend nötig sei ein Lehrergipfel, betonte die BLLV-Präsidentin. Die Lehrer müssten sofort entlastet werden. Und es müsse alles getan werden, um Lehrermangel in Zukunft zu vermeiden.

Lehrermangel als Problem

Der Politik warf Fleischmann vor, sie wolle weiter den Schein waren, dass es einen Regelbetrieben gebe. "An den Schulen in Bayern herrscht Notbetrieb, an Regelbetrieb ist nicht zu denken", betonte sie.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) behaupte nach wie vor, es habe noch nie so viele Lehrer gegeben wie heute. "Der BLLV widerspricht dem Kultusminister", stellte sie klar. "Es gab noch nie so viele Herausforderungen. (...) Es gab noch nie so viele Lehrer, die nicht da waren."

"Es wird mehr Unterricht ausfallen"

Den Lehrermangel gibt es laut der BLLV-Präsidentin schon lange. Die Lehrer hätten bisher immer dafür gesorgt, dass dieser Mangel kaschiert werde. Jetzt sei dies nicht mehr möglich. "Der Kultusminister darf die Realität nicht länger leugnen. Vorwürfe zurückweisen reicht nicht." Betroffen seien nicht nur Grund-, Mittel- und Förderschulen, sondern alle Schularten.

Die Lehrer, Eltern und Schüler bräuchten keine warmen Worte, gefragt sei ehrliche Politik: "Ja, es wird mehr Unterricht ausfallen. Nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen des Lehrermangels." Die Grenze des Machbaren sei längst überschritten. "Viele von uns können schlichtweg nicht mehr."

Kultusminister Piazolo wehrt sich

Der Kultusminister hatte ähnliche Kritik des BLLV schon früher zurückgewiesen. Aktuell seien mehr als 99,5 Prozent aller Schulklassen in Bayern im Präsenzunterricht, sagte Piazolo am Dienstag.

Den Auftakt des neuen Schuljahrs hatte er bereits vor zwei Wochen gelobt: "Unsere Schulen sind zum übergroßen Teil sehr gut in das neue Schuljahr gestartet, die Schulfamilie setzt den Rahmen-Hygieneplan sehr gut um." Mit dem Präsenzunterricht sei wieder Leben in die Schulen zurückgekehrt, so Piazolo.

Streit über tatsächlichen Präsenzunterricht

Laut Fleischmann sagt die von Piazolo genannte Zahl der Schulklassen im Präsenzunterricht nichts über die Realität an den Schulen aus: Denn es gebe eine Aufsichtspflicht, Schüler könnten trotz Lehrermangels nie nach Hause geschickt werden. Und Fleischmann fragt: "Warum ist es so verdammt schwer für den Kultusminister zu sagen, wir haben Lehrermangel?" Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe dies immerhin eingeräumt.

Einmal mehr kritisierte Fleischmann auch Piazolos Strategie, Personalmangel mit "Teamlehrern" zu bekämpfen, die als Quereinsteiger in den Schulen helfen sollen. Der Begriff führt ihrer Meinung nach in die Irre: "Es ist weder ein Team noch ein Lehrer."

Schulleiter: Es wird noch schlimmer

BLLV-Vizepräsident und Schulleiter Tomi Neckov rechnet für die nächsten Wochen und Monate mit einer weiteren Zuspitzung der Lage an den Schulen: Wenn nun wegen Erkältung oder Grippe zusätzliche Lehrkräfte ausfallen sollten, wisse er nicht mehr, wie er den Unterrichtsbetrieb noch aufrechterhalten solle.

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