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Lehrerpräsident fordert umfassendes freiwilliges Zusatzjahr | BR24

© dpa/Matthias Balk

Symbolbild Schule in Corona-Zeiten

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Lehrerpräsident fordert umfassendes freiwilliges Zusatzjahr

Wie kann man Schülerinnen und Schülern in der Zeit der Corona-Pandemie helfen? Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kann sich ein freiwilliges Wiederholungsjahr vorstellen. Kultusminister Piazolo reagiert verhalten.

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Wegen der Corona-Krise schlägt Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, umfangreiche Maßnahmen und Änderungen vor. Im BR-Gespräch erklärt der ehemalige Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf, dass er sich freiwilliges Wiederholen vorstellen kann. Es gebe mehrere Möglichkeiten, um Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrer den Druck zu nehmen, so Meidinger.

Strukturelle Wiederholungsmöglichkeit

Das freiwillige Wiederholen hätte ein Problem, so Meidinger: "Kinder gehen ungern aus ihren Klassen raus, wenn sie einzeln sind. Wenn sie eine Gruppe sind, wo sie sich wieder zusammen finden, dann ist die Bereitschaft höher." Deswegen schlägt Meidinger vor, eine strukturelle Wiederholungsmöglichkeit zu schaffen.

"Wenn die Politik sagt: 'Wir können die Schulen nicht schließen', dann muss man sagen: Was machen wir, um diese Defizite zu beheben? Welche Angebote geben wir?" Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

Schüler in Klassen zusammenfassen

Strukturelle Wiederholungsmöglichkeiten können laut Meidinger wie folgt aussehen: Schüler, die wiederholen, in einer Klasse zusammenfassen oder in der Oberstufe vor den Abschlussprüfungen ein Zusatzjahr einschieben. Das sei für diejenigen, die länger brauchen: "Ohne, dass sie wieder alle Kurse belegen müssen. Sondern wirklich die Lücken in den Abiturfächern schließen können, wo sie abgehängt wurden."

G9 könnte vorgezogen werden

Eine andere Möglichkeit der Umsetzung des Zusatzjahres sieht Meidinger darin, das G9 vorzuziehen. Bisher gilt ab der 9. Klasse das G8, die Jahrgangsstufen darunter sind im G9. Mit dem freiwilligen Zusatzjahr würde somit auch älteren Schülern Zeit gegeben werden, so Meidinger. Außerdem würde man den Schülern und auch Eltern so den Druck nehmen. Wie Meidinger dem BR sagte, arbeite der Lehrerverband bereits an einem Konzept dazu.

Viele haben das Schuljahr zu locker genommen

Für den ehemaligen Schulleiter des Robert-Koch-Gymnasiums in Deggendorf ist das freiwillige Wiederholen oder die Schaffung eines freiwilligen Zusatzjahres für einige Schüler notwendig. Viele Schüler hätten das Schuljahr anfangs locker genommen, als es geheißen hatte, dass keiner durchfallen wird. Es gebe viele Defizite und Lücken bei den Schülern.

"Die Politik redet das klein, um die Eltern zu beruhigen. Das, was an Lücken da ist, ist beträchtlich. Das merkt man in den Fächern, wo man das Wissen aufeinander aufbaut, wie in den Fremdsprachen Latein, Französisch und in Mathematik." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

Mehr Zeit geben, ohne Sitzenbleiben

Viele wurden abgehängt, hatten auch die technischen Mittel nicht beim Fernunterricht, sagt Meidinger. "So verlagert sich das Problem der mitgeschleppten Defizite ins nächste Schuljahr hinein. Unser Ansatz ist daher: Mehr Zeit geben, ohne den Makel des Sitzenbleibens."

Piazolo reagiert verhalten

So ganz konkret sei der Vorschlag Meidingers jetzt nicht gewesen, wiegelt Bayerns Kultusminister Piazolo beim Thema Wiederholungsjahr dagegen ab. Es ginge wohl eher darum, Schüler mit Wissenslücken zu unterstützen, etwa mit Brückenkursen. Alles weitere müsse man nochmals besprechen.

© BR

Freiwillig ein Schuljahr wiederholen, dafür plädierte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Heinz-Peter Meidinger. Bayerns Kultusminister Piazolo regiert verhalten auf den Vorschlag.

Meidinger: "Schulbetrieb mit vollen Klassen brandgefährlich"

Bereits gestern äußerte sich Meidinger zum Corona-Gipfel von Bund und Ländern und zeigte sich dabei enttäuscht, dass die Entscheidung über Einschränkungen an Schulen vertagt wurde.

Im Interview mit dem BR sagte Meidinger: "Wir vom Lehrerverband sind enttäuscht, weil in der Tat ein Handlungsbedarf da ist." Das massiv ansteigende Infektionsgeschehen mache auch vor Schulen nicht Halt.

"Einfach den Betrieb mit vollen Klassen weiterlaufen zu lassen, ist brandgefährlich." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands

Meidinger fordert, dass es bald klare Richtwerte geben soll, ab wann an Schulen Hygienemaßnahmen verschärft werden müssen.

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