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Lehrermangel verschärft die Corona-Herausforderungen | BR24

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An Schulen müssen sich die Schüler künftig an die Einbahnstraßenregelung halten.

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    Lehrermangel verschärft die Corona-Herausforderungen

    Zwar beginnt das kommende Schuljahr offiziell im Regelbetrieb, doch von Normalität kann nicht die Rede sein. Doch dass Präsenz- besser ist als Distanzunterricht, darüber sind sich alle einig. Wenn auch nicht aus denselben Gründen.

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    Von
    • Carolin Hasenauer

    Unter besonderen Hygieneauflagen beginnt das Schuljahr heute in ganz Bayern im Regelbetrieb, also nicht im Distanz-, sondern im Präsenzunterricht mit Maskenpflicht und Abstandsregeln.

    So auch an allen Schulen in Unterfranken. Hier lässt sich erneut ein Anstieg der Gesamtschülerzahlen beobachten, wobei Realschulen mit 8,9 Prozent den größten Zuwachs haben, wie die Ministerialbeauftragten für Realschulen in Unterfranken auf Anfrage mitteilten. Auch Schulanfänger gibt es in diesem Schuljahr immerhin 2,8 Prozent mehr.

    Gleichzeitig erhöhe sich die Zahl der Klassen nicht, sodass in jeder Klasse im Schnitt 20,38 Schülerinnen und Schüler säßen - ein Problem, kritisiert der Unterfränkische Lehrerinnen- und Lehrerverband (ULLV): "Je kleiner die Klasse, desto besser ist Unterricht möglich - nicht nur zu Corona-Zeiten!"

    Kleine Klassen - keine Corona-Hygieneprobleme

    Klassen mit mehr als 25 Schülern seien nicht zumutbar, weder den Lernenden noch den Lehrenden. Ein Langzeitproblem, das die Herausforderungen, die mit der Coronapandemie und den nötigen und richtigen Hygiene-Maßnahmen einhergehen, noch verschärfen würde, so der ULLV. Denn ohne den seit Jahren angeprangerten Lehrermangel gäbe es kleinere Klassen, sodass die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden könnten, die Ansteckungsgefahr geringer wäre und so der Präsenzunterricht weniger gefährdet wäre. Ähnlich argumentiert auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Unterfranken.

    Kritik: Zu wenige Planstellen, Mangel schon jetzt offensichtlich

    Dass das Bayerische Kultusministerium in diesem Schuljahr erneut nicht genügend Personal bereitstellen konnte, ärgert Gerhard Bleß, den Vorsitzenden des ULLV, besonders: "Es zeichnet sich ja schon vor Beginn des Schuljahrs ein Mangel ab! Das wird sich im Verlauf ja noch verschärfen. Es ist fahrlässig vom Kultusministerium, dass der Bedarf an Lehrkräften so auf Kante genäht ist. Denn wie sich die Bedarfslage entwickeln wird, das ist jetzt noch nicht absehbar."

    35 Team-Lehrkräfte als "Corona-Reserve"

    Abhilfe sollen sogenannte Team-Lehrkräfte schaffen, eine "Corona-Reserve" des Kultusministeriums, um die voraussichtlich eintretenden coronabedingten Personalausfälle abzufangen. Auf Anfrage beim Kultusministerium hieß es, die Zahlen hierzu seien noch nicht bekannt.

    Die Regierung von Unterfranken hingegen hat kurz darauf ebendiese Zahlen in einer Mitteilung verschickt: 35 Vollzeitstellen seien für Team-Lehrkräfte an unterfränkischen Grund- und Mittelschulen eingeplant, 27 davon seien vor Beginn des Schuljahrs besetzt worden. Das Konzept sieht vor, dass jede Teamlehrkraft einer Stammlehrkraft zugeordnet werde, mit der sie eng kooperiert. Schulungen seien deshalb nicht geplant - das Kultusministerium wiederum sagte auf Anfrage, dass an Konzepten für Schulungen derzeit gearbeitet werde.

    Lehrerverband fürchtet Entwertung des Berufs

    Für den ULLV ist diese "Corona-Reserve", die Teamlehrkräfte, nur ein "Tropfen auf den heißen Stein". Nicht nur, dass 35 Vollzeitstellen bei zu erwartenden 250 Ausfällen im Schuljahr (Mutterschutz, Elternzeit, Krankheit usw.) bei Weitem nicht ausreichen würden, auch dass diese Teamlehrkräfte zur weiteren Entprofessionalisierung des Berufs beitragen würden. "Es darf sich ja jeder bewerben mit einem Hochschulabschluss. Also ein Biologe genauso wie eine Lehramtsstudentin. Also auch ohne pädagogischen Hintergrund", so Bleß.

    Vorwurf: Digitalisierung verschlafen

    Die GEW in Unterfranken kritisierte in einer Mitteilung, die Regierung habe Chancen verpasst. Besonderen Nachholbedarf gebe es bei der Digitalisierung. Die Lehrer seien bereit, es fehlten aber Geräte, Software und Konzepte, so die Gewerkschaft. Viele Schulen hätten erst in den Ferien die beantragten Geräte erhalten, so Bleß vom ULLV. Eine Einarbeitung sei so kurzfristig gar nicht mehr möglich. Und ohne eine adäquate digitale Ausstattung könne gutes Lernen im Distanzunterricht nicht gewährleistet werden.

    In Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium hat das Kultusministerium einen Stufenplan entwickelt, der sich am Infektionsgeschehen orientiert. Steigt die 7-Tage-Inzidenz in einem Kreis über 50, findet wieder das "Lernen im Wechsel" statt, bei dem sich Präsenz- und Distanzunterricht abwechseln.

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