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Bayerns Kultusminister Piazolo verteidigt seine Pläne gegen den Personalmangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Er will trotz scharfer Kritik an seinen Reformen festhalten - sonst fehlen im kommenden Schuljahr 1400 Lehrkräfte.

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Lehrermangel: Kultusminister wehrt sich gegen Kritik

Bayerns Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) verteidigt seine Pläne gegen den Personalmangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen. Trotz scharfer Kritik will er daran festhalten - sonst würden im kommenden Schuljahr 1.400 Lehrkräfte fehlen.

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An Bayerns Grund-, Mittel-, und Förderschulen herrscht Lehrermangel - im kommenden Schuljahr soll die Lage noch schlimmer werden. Um dem entgegenzuwirken, plant das bayerische Kultusministerium nun weitgehende Maßnahmen. Grundschullehrer sollen unter anderem pro Woche eine Stunde mehr unterrichten. Lehrerverbände und die Opposition kritisierten die Pläne scharf.

Im B5 Thema des Tages wurde Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) mit Fragen von Lehrern konfrontiert. Er zeigte sich aufgeschlossen für ihre Sorgen - an seinen Maßnahmen will er aber festhalten.

"Wenn wir jetzt nichts täten, würden im nächsten Jahr 1.400 Vollzeitstellen fehlen. Da müssen wir jetzt gegensteuern. Ich bedauere es selbst. Ich weiß, dass wir den Lehrerinnen und Lehrern einiges zumuten, aber wir wollen auch - und das ist der Grund - die Qualität hochhalten." Michael Piazolo (Freie Wähler), Bayerischer Kultusminister

Mehrarbeit in den kommenden fünf Jahren

Nach seinen Plänen sollen die Grundschullehrer ab dem Schuljahr 2020/21 eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. Diese Mehrarbeit werde nicht bezahlt, sondern lande auf einem individuellen Arbeitzeitskonto, erklärt Piazolo und stellt klar: Das gelte nur für die kommenden fünf Jahre. Nach dieser "Ansparphase" würden die Lehrkräfte dann ein bis zwei Jahre wieder in ihrer derzeitigen Stundenanzahl unterrichten. Danach soll schließlich erneut fünf Jahre lang die Mehrarbeit mit einer Wochenstunde weniger abgebaut werden.

Laut Piazolo ist der Plan damit auch günstiger für die Lehrerinnen und Lehrer: In fünf Jahren werde das Lehrergehalt höher sein als heute. Würde man die Mehrarbeit heute ausbezahlen, wäre dies deswegen ein finanzieller Nachteil für die Lehrer. Daneben sei die Einführung eines Arbeitszeitkontos auch nicht ungewöhnlich - ein solches Konto habe es in der Vergangenheit auch für Lehrerinnen und Lehrer anderer Schularten gegeben.

3.000 Beförderungen als "Entlastungsmaßnahme"

Neben der Mehrarbeit sollen zudem 1.000 neue Studienplätze entstehen, um langfristig den Personalmangel in den Grundschulen zu reduzieren. Auch die mögliche Teilzeitarbeit werde von einem Mindeststundensatz von 21 auf 24 Stunden angehoben. "Dass die Maßnahmen für die sehr hoch qualifizierten Lehrerinnen und Lehrer im ersten Moment nicht attraktiv sind, ist klar", sagt Piazolo. Aus diesem Grund arbeite man auch an Entlastungsmaßnahmen: In diesem Jahr sollen unter anderem 3.000 Lehrerinnen und Lehrer in den Grund- und Mittelschulen befördert werden - das sei die höchste Zahl seit der Einführung des neuen Dienstrechts.

Angstkultur unter Lehrern?

Einige der Lehrerinnen und Lehrer, mit denen die B5-Redaktion sprach, wollten anonym bleiben. Sie scheuten sich, offen ihren Unmut über die Arbeitsbelastung und die Reformpläne zu äußern - aus Angst vor Konsequenzen. Piazolo machte hier Mut. "Es gibt genügend Kollegen, die offen schreiben. Das wird nicht irgendwo notiert", sagte Piazolo. Es komme nichts in die Personalakte. Seinen Unmut zu äußern und Probleme zu besprechen, gehöre dazu. Das sei selbstverständlich, denn: "Wir schätzen unsere Lehrer. Sie arbeiten hervorragend. Sie sind unser höchstes Gut."

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