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SPD-Studie sieht enormen Lehrkräftemangel auf Bayern zukommen

SPD-Studie sieht enormen Lehrkräftemangel auf Bayern zukommen

Die Landtags-SPD schlägt Alarm: Ein von ihr beauftragtes Gutachten bescheinigt dem Freistaat ein klares Defizit bei der Ausbildung neuer Lehrkräfte, der Personalmangel werde sich weiter verschärfen. Das Kultusministerium zweifelt an den neuen Zahlen.

Eine von der Bayern-SPD in Auftrag gegebene Studie sieht in den nächsten zehn Jahren einen erheblichen Lehrkräftemangel im Freistaat. Insgesamt brauche es 70.000 zusätzliche Lehrer und Lehrerinnen an den Schulen, heißt es darin.

Zahl der Lehramts-Absolventen nimmt ab

Von diesem Ziel sei man aktuell aber deutlich entfernt. Bayern habe ein strukturelles Defizit bei der Lehrerausbildung, sagte Gutachter Mark Rackles, ehemals Bildungs-Staatssekretär der SPD in Berlin. "Seit 2014 nimmt die Zahl der Hochschulabsolventinnen und Absolventen im Lehramtsstudium kontinuierlich ab." Im Moment liege sie bei knapp 4.500 im Lehramts-Studium und beim Vorbereitungsdienst seien die Zahlen so niedrig wie seit 2007 nicht mehr.

Besonders drastisch sei der Rückgang bei den künftigen Lehrkräften für Mittel- und Realschulen, was laut Rackles auch auf das im Vergleich niedrigere Einstiegsgehalt zurückzuführen sein könnte. Die Situation wird sich nach seiner Einschätzung in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Zum Artikel: "Lehrermangel und Corona - Schulen schicken Kinder heim"

SPD: Lehrermangel wirklich erschreckend

Dieser Befund sei wirklich erschreckend, sagte Simone Strohmayr, die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Die Staatsregierung müsse dringend handeln, um das Problem in den Griff zu bekommen, sagte Strohmayr bei der Präsentation des Gutachtens. "Es reicht einfach nicht mehr, die Augen und Ohren zuzumachen, und davon zu sprechen, dass eine solide Unterrichts-Versorgung vorliegt, das hilft nicht. Sondern wir müssen hinschauen und die entsprechenden Maßnahmen ergreifen."

Junge in Klassenzimmer
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Ein Junge einer 2. Klasse arbeitet in der Grundschule St. Konrad im Klassenzimmer an einem Arbeitsblatt.

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Die Vorschläge der SPD: mehr Unterstützung für die Lehrkräfte an Schulen etwa im Bereich Verwaltung; eine faire Bezahlung für alle Lehrkräfte; ein modernes, verschlanktes Studium. Und Strohmayr schlägt auch eine Ausbildungskampagne vor.

Kultusministerium: Bayern erfolgreich bei Akquise von Lehrkräften

Das Kultusministerium reagierte heute mit einem schriftlichen Statement, das BR24 vorliegt, auf die Vorwürfe des Gutachtens. Darin heißt es wörtlich:

"Die vorgestellten Zahlen entsprechen in keiner Weise der Bayerischen Lehrerbedarfsprognose. Sie verkennen auch, dass Bayern seit Jahren erfolgreich Maßnahmen zur zusätzlichen Akquise von Lehrkräften umsetzt. Als Beispiele seien hier die faktische Aufhebung des NC für das Lehramt Grundschule und das Lehramt für Sonderpädagogik an den bayerischen Universitäten genannt. Eine gezielte Werbekampagne für das Lehramtsstudium existiert längst und wird fortlaufend zielgruppenorientiert fortgeschrieben."

Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern hatte zuletzt betont, dass es noch nie so viel Lehrerinnen und Lehrer in Bayern gegeben habe wie aktuell - mit mehr als 100.000 Personen im staatlichen Bereich.

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