Symbolbild Erwarteter Lehrermangel

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Lehrermangel: Altenmünster entwickelt eigenes Konzept

Lehrermangel: Altenmünster entwickelt eigenes Konzept

Nach den Ferien droht der Ausfall vieler Schulstunden, weil Lehrer fehlen. Im Landkreis Augsburg ist jetzt zumindest für jede Klasse eine Klassenleitung gefunden worden. Und in Altenmünster bereitet sich das ganze Dorf aufs neue Schuljahr vor.

Im Landkreis Augsburg soll nach den Sommerferien keine Schulklasse ohne Klassenleitung dastehen. Laut Thomas Adleff vom Staatlichen Schulamt in Augsburg konnten jetzt die letzten offenen Stellen vor allem in den Grundschulen besetzt werden. Dazu werden Lehrkräfte aus der mobilen Reserve herangezogen, andere stocken ihre Stunden auf und Lehrer aus der Mittelschule erklären sich bereit, an Grundschulen zu unterrichten.

Förderstunden und andere Angebote fallen aus

"Damit haben wir Stand heute alle zu bildenden Klassen mit einer Klassenleitung besetzt. In drei Fällen sind dies Personen mit befristeten Arbeitsverträgen ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung", so Adleff. Viele Stunden müssen dennoch ausfallen, etwa Förderstunden. "Ohne diese Einsparungen im Umfang von circa 550 Wochenstunden wäre eine Besetzung der Klassen in der Grundschule nicht möglich gewesen", erklärt Adleff. Auch mit der Universität in Augsburg, die viele Lehrkräfte ausbildet, wird zusammengearbeitet: Seit Jahren seien Studenten eine große Unterstützung. Nur begrenzt helfen können unterdessen Beamte im Ruhestand: Arbeiten sie im Durchschnitt mehr als sieben Wochenstunden, verlieren sie einen Teil ihrer Pensionszahlungen.

Schulamtsleiter will Überprüfung von Beschäftigungsverbot

Die Mobile Reserve sei jetzt quasi bereits verplant, sagt Adleff. Er bezeichnet die Situation deshalb als "äußerst fragil" und ergänzt: "Die prognostizierten Schülerzahlzuwächse bis etwa 2025 dürften die prekäre Lage weiter verschärfen". Eine deutliche Erleichterung bei gleichzeitigem Erhalt von Bildungsqualität wäre nur durch verbesserte Teilzeitregelungen zu erreichen – und kurzfristig durch eine Überprüfung des betrieblichen Beschäftigungsverbots für Schwangere, meint der Augsburger Schulexperte. Schwangere Lehrerinnen dürfen in Bayern seit gut zwei Jahren keinen Präsenzunterricht abhalten. In Augsburg ist die Lage etwas entspannter, so der Leiter des Schulamts für die Stadt Augsburg, Markus Wörle. Aber auch hier sorgen geburtenstärkere Jahrgänge, das Beschäftigungsverbot für schwangere Lehrerinnen und zusätzliche Schüler aus der Ukraine für volle Klassen.

Grundschule in Altenmünster passt sich an Personalmangel an

Auch in Altenmünster rechnet man fürs kommende Schuljahr damit, dass an der Grundschule nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen werden. Bürgermeister Florian Mair will gewappnet sein: "Weil alle verlautbaren, dass die Lage so ernst ist, wie sie noch nie gewesen ist. Und das ist mir zu riskant, zu warten, bis der erste Schultag im September angebrochen ist, darum planen wir jetzt schon." Viele Eltern, so Mair, hätten die Befürchtung, dass "es an der Stoffvermittlung ganz einfach fehlt und auch sonst alles auf der Strecke bleibt", was Schule ja auch ausmache, neben dem Kernunterricht auch die musischen Fächer oder der Sportunterricht.

Grundschule Altenmünster

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Gruppenarbeit und Videoübertragung geplant

In Zusammenarbeit mit der Schulleitung hat Mair ein Konzept erarbeitet. Laut Schulleiterin Ute Wiedemann fußt das auf drei Säulen: Zum einen sollen die Kinder vermehrt eigenständig in Gruppen arbeiten. Immer vier Kinder sollen sich ein Thema vornehmen und die wichtigen Punkte herausarbeiten. Der Lehrer gibt nur Hinweise und steht für Fragen zur Verfügung. Die Lehrkräfte sollen so entlastet werden.

Zum anderen hat die Schule einen Medienraum eingerichtet, wo der Lehrer über eine Dokumentenkamera in zwei Klassen gleichzeitig eine Hinführung zu einem Thema oder einen Arbeitsauftrag geben kann. So kann ein Lehrer den Unterricht für mehr Schüler gleichzeitig organisieren. Drittens will die Schule auf die Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer zurückgreifen, bei der Aufsicht und in der Pause. Dafür erhalten die Helfer eine Aufwandsentschädigung von der Gemeinde, zehn Euro pro Stunde.

Ehrenamtliche helfen der Grundschule durch die Corona-Pandemie

Schon während der Corona-Beschränkungen hatte Altenmünster sich ein eigenes Schulkonzept erarbeitet. Damals wurden Klassen aus der Schule ins Schützenheim und die Sporthalle ausgelagert, damit die Kinder mit genügend Abstand sitzen konnten und nicht in den Wechselunterricht geschickt werden mussten. Ehrenamtliche hatten damals schon mitgeholfen, die Kinder zu beaufsichtigen und in den Pausen zu betreuen. "Das hat super funktioniert", sagt Bürgermeister Florian Mair.

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