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Lehrer von morgen: Wenn Corona das Staatsexamen ausbremst | BR24

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Bildrechte: BR/Simone Schülein

Die Corona-Zeit ist für viele eine emotionale Achterbahnfahrt. Auch die Studierenden im Lehramt, die mitten im 1. Staatsexamen stehen, sind stark verunsichert. Ende März wurden plötzlich alle Prüfungen abgesagt.

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Lehrer von morgen: Wenn Corona das Staatsexamen ausbremst

Die Corona-Zeit ist für viele eine emotionale Achterbahnfahrt. Auch die Studierenden im Lehramt, die im 1. Staatsexamen stehen, sind stark verunsichert. Ende März wurden alle Prüfungen abgesagt. Nun gibt es neue Termine, doch die sorgen für Ärger.

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Von
  • Simone Schülein

Franziska ist 24 Jahre alt und studiert Grundschullehramt in Nürnberg. Sie freut sich auf das Referendariat, das im Herbst starten soll. Endlich soll es in die Praxis gehen. Zuvor muss sie aber noch die Prüfungen zum 1. Staatsexamen bestehen. Im März hätte der große Endspurt anstehen sollen.

  • Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Prüfungen kurzfristig abgesagt

Sechs Monate hatte Franziska jeden Tag mehrere Stunden für die Prüfungen gelernt. Zwei von sieben Prüfungen konnte sie ablegen. Dann kam Corona und es war Schluss: Das Kultusministerium sagte die Prüfungen von einem Tag auf den anderen ab. "Im ersten Moment habe ich mir gedacht: Cool, ein paar Wochen mehr Zeit zu lernen. Aber das Schwierige war dann, dass die Bibliotheken zu waren und dass meine Lernunterlagen in der Uni eingeschlossen waren." Außerdem konnte sich Franziska nicht mehr mit ihrer Lerngruppe treffen. Viele für sie wichtige Ressourcen waren damit weggefallen.

Kultusministerium schweigt sich aus

Ganze sechs Wochen herrschte nach der Absage der Prüfungen Funkstille von Seiten des Kultusministeriums. Das befeuerte die Unsicherheit bei vielen Prüflingen, dazu kamen alltägliche Ängste in der Corona-Zeit. Wie geht es den Eltern und Großeltern, wer hat sich womöglich angesteckt? Eine schwierige und belastende Situation für die Prüflinge.

Kinderbetreuung weggebrochen

Auch für Jessica aus Fürth. Die 31-Jährige studiert Gymnasiallehramt und ist Mutter von drei kleinen Kindern (6 Jahre, 4 Jahre und 8 Monate alt). Sie hatte ihre Prüfungsvorbereitung in den Wintermonaten genau durchgetaktet. Schule, Kita und die Großeltern verschafften ihr zeitliche Freiräume. In der Corona-Zeit ist dies alles weggebrochen. An Lernen war in den vergangenen sechs Wochen nicht mehr zu denken. Eine belastende Situation, die durch die Unsicherheit, wann es weitergehen könnte, verstärkt wird.

Am 18. Mai soll es weitergehen

Doch Ende April kommt dann die Nachricht vom Kultusministerium: Ab 18. Mai werden die Prüfungen zum 1. Staatsexamen wiederaufgenommen. Unterdessen ist bei vielen Studierenden der Unmut über das Vorgehen des Kultusministeriums und die Sorge über die Gesamtsituation längst angestiegen. Über 1.400 Lehramtsstudenten, deren Prüfungen wegen Corona ausgesetzt waren, tun sich in einer Facebook-Gruppe zusammen und schicken Ende April einen offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo.

Offener Brief an Piazolo

Darin fordern sie unter anderem mehr Transparenz und einen Ausgleich für ihre – wie sie sagen – schwierige Prüfungssituation in Corona-Zeiten. Nach einer Woche kommt die Antwort des Kultusministers per Pressemitteilung: Piazolo gesteht den Prüfungsteilnehmern einen sogenannten Freiversuch zu. Also eine zusätzliche Möglichkeit, die Prüfung zu wiederholen, sollte man durchfallen.

Forderung: Alle Prüflinge sollen bestehen

Für die Initiatoren des Offenen Briefes ist das zu wenig. Dies sei zwar ein Entgegenkommen, aber helfe in der aktuellen Situation nicht weiter, sagt Jonas Schreiber, Initiator des offenen Briefes. Er und seine Mitstreiter wünschen sich stattdessen, dass alle Prüflinge in diesem Jahr sicher das Referendariat antreten dürfen, egal wie sie in den Prüfungen abschneiden. Das sei eine WinWin-Situation für alle. Die Studierenden wären den belastenden Prüfungsstress in der Corona-Krise los und die Schulen könnten in Zeiten des Lehrermangels auf dringend benötigte Kräfte zurückgreifen.

Leherverband unterstützt Studierende

Hinter dieser Forderung steht auch die Präsidentin des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann.

"Wir im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sind der Meinung, dass kein einziger Studierender verloren gehen darf. Deshalb müssen wir jetzt alles dafür tun, dass diejenigen, die im ersten Staatsexamen stehen, in einer außergewöhnlichen Situation, auch mit außergewöhnlichen Maßnahmen so bedient werden, dass es fair ist und sie nicht perspektivlos in der Luft hängen und Angst haben, sondern wir müssen die Motivation der Studierenden hoch halten. Deswegen fordern auch wir einen Nachteilsausgleich." Simone Fleischmann, BLLV

Prüfungssystem mit Reformbedarf

Ob solch ein Freifahrschein der Studierenden tatsächlich auch den Schülerinnen und Schülern in den Klassenzimmern zugutekommt, bleibt offen. Was bei allem für viele aber deutlich wird: Die Ausnahmesituation der Prüflinge in der Corona-Krise bestätige das, was Praktiker schon lange kritisieren. Für das starre Prüfungssystem der Lehramtsstudierenden bestehe dringend Reformbedarf. Nur so könnten angehende Lehrerinnen und Lehrer qualifiziert und motiviert in den Beruf starten.

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