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Lehren aus Corona: Braucht Bayern mehr Bio-Gemüse? | BR24

© Harro Colshorn

Bio-Landbau des Biogärtners Harro Colshorn

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    Lehren aus Corona: Braucht Bayern mehr Bio-Gemüse?

    Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass mehr Bio-Produkte gekauft wurden. Bayerische Biogärtner wurden von der Welle überrollt, sie hatten Probleme, die Nachfrage zu decken. Unklar ist nun: Wie nachhaltig ist der Trend zu mehr Bio auf dem Teller?

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    Ware eintippen, abpacken. Auf dem Biostand am Elisabethmarkt war in den letzten Wochen rund um Corona viel los, sagen die Verkäufer. Eine junge Mutter, die gerade mit ihrer kleinen Tochter Gemüse einkauft, hat das auch an sich selbst bemerkt: "Es wurde mehr gekauft, mehr gekocht, mehr experimentiert. Und mehr saisonal und regional, habe ich gemerkt."

    Interesse an regionaler Bio-Ware scheint durch Corona zu steigen

    Nicht nur in München, auch 40 Kilometer entfernt in Bruckmühl im Landkreis Rosenheim merkt Biogärtner Harro Colshorn den Boom. Er liefert unter anderem Biokisten aus. Vor Corona hatte er knapp über 200 Abonnenten, jetzt sind es mehr als 250. Und es gibt eine Warteliste. Der Gemüsebauer kommt nicht hinterher. "Wir haben hier keine Bäckerei, wo wir sagen, morgen backen wir doppelt so viel Semmeln. Sondern eine Gärtnerei, wo alles erstmal wachsen muss und die Jungpflanzen und das Saatgut bestellt werden müssen. Das hat alles einen langen Vorlauf. Insofern waren wir etwas überrumpelt."

    Kreativität in der Produktion gefragt - besonders während der Corona-Krise

    Teilweise konnten sie Ware von Bio-Gemüsebauern in der Region zukaufen, aber es war überall knapp. Mittlerweile hat sich die Lage etwas beruhigt. Biogärtner Colshorn geht aber davon aus, dass sich die Nachfrage auf einem höheren Niveau als vor Corona einpendeln werde.

    "Man hat richtig gemerkt, die Leute kommen zum Nachdenken, was ist eigentlich wichtig im Leben. Und wo kommt all das her, was wir brauchen." Biogärtner Harro Colshorn

    Mehr Bio aus Bayern - geht das überhaupt?

    Deutlich mehr Biogemüse, regional aus Bayern? Beim Gemüse wird in Bayern deutlich mehr verbraucht, als selbst produziert wird. Nur rund 40 Prozent Selbstversorgungsgrad, sagt der bayerische Agrarbericht von 2018. "Es würde mehr gehen, wenn die Leute auch bereit wären, mehr einheimische Sachen zu kaufen und zu verbrauchen. Einheimisch ist viel Kraut und Rüben. Aber das ist oftmals gar nicht so begehrt, sondern Tomaten und Gurken das ganze Jahr. Das wird sich nur schwer steigern lassen in unseren Breitengraden."

    Bio-Produkte müssen in die Kantinen des Freistaats

    Wenn die Leute mehr schauen würden, was zu welcher Jahreszeit wirklich in Bayern wächst, dann ließe sich der Selbstversorgungsgrad erhöhen, sagt der Biogärtner. Dabei spricht Colshorn allgemein von Gemüse. Bei Biogemüse gäbe es noch einen anderen wichtigen Faktor, sagt Cordula Rutz von der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern. "Wir brauchen die konsequente Unterstützung der Politik in allen Bereichen, von der Forschung über die Bildung, über das Marketing für bayerische Bio-Produkte, bis hin zum Bereich der Kantinen." Damit meint Rutz, dass Kantinen generell deutlich mehr Bio anbieten sollten, und so der Verbraucher überhaupt erst die Chance hat, sich dafür zu entscheiden.

    Änderungen im Verbraucherverhalten sind spürbar - aber nur langsam

    Biogärtner Harro Colshorn hat in den letzten Jahrzehnten schon Veränderungen im Verbraucherverhalten bemerkt. "Pastinaken habe ich vor 20 Jahren ein paar Stück in der Woche verkauft, jetzt sind es ein paar Kisten. Es ändert sich was, aber natürlich nur langsam."

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