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In dieser Saison sind die Campingplätze schon vor den Ferien ausgebucht. Wer mit seinem Camper Urlaub machen will hat ein Problem, denn Wildcampen ist in Deutschland verboten. Doch es gibt da eine Lösung.

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Legal "Wildcampen": Eine Alternative zum Campingplatz?

Camping während Corona boomt – kein Wunder also, dass die Campingplätze in Bayern in den Pfingstferien ganz schön voll sind. Aber welche Alternativen gibt es? BR24 erklärt, was erlaubt ist – und testet legales "Wildcampen" in Unterfranken.

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Von
  • Lenja Hülsmann

"Sie haben Ihr Ziel erreicht", das sagt zumindest unser Navi. Mit unserem alten Feuerwehr-Bulli stehen wir mitten im Weinberg. Aber wo genau ist denn jetzt unser Stellplatz? Den haben mein Freund Andreas und ich vor gut einer Stunde auf einer Website gebucht. Dort bietet das Start-Up Alpacacamping aus dem Landkreis Schweinfurt Stellplätze bei Winzern oder auf Bauernhöfen an. In Bayern gibt es rund 250 Plätze zur Auswahl.

Wir haben uns für einen Weinbergstellplatz in Rödelsee im Landkreis Kitzingen entschieden – für rund 18 Euro die Nacht. Und den finden wir dann zum Glück auch: Mithilfe von Koordinaten, die wir nach der Buchung per Mail bekommen haben. Jetzt kann unser Kurzurlaub beginnen: Dachzelt aufklappen, Stühle und Tisch aufbauen und ein Gläschen Wein trinken – mit Blick auf Weinberge und das Dorf Rödelsee.

Wildcampen: Was ist erlaubt, was verboten?

Campen in der Natur, also Wildcampen, ist aber eigentlich gar nicht erlaubt. Bei uns geht das nur, weil wir auf einem gebuchten Stellplatz auf Privatgelände stehen. Im Auto schlafen darf man laut ADAC ansonsten nur, um die eigene Fahrtüchtigkeit wieder herzustellen, zum Beispiel, wenn man zu müde zum Weiterfahren ist.

Das gilt nur auf ausgewiesenen Parkplätzen – und auch nur für eine Nacht. Nicht erlaubt ist das Aufstellen von Campingmöbeln oder Ausfahren einer Markise.

Legales Wildcampen als Geschäftsidee

Genau dieses Problem hat vier junge Männer aus Unterfranken auf eine Idee gebracht: Legales Wildcampen. Aus dieser Idee ist im Laufe des vergangenen Jahres das Start-Up Alpacacamping mit Sitz im Landkreis Schweinfurt entstanden. Auf einer Website können Winzer, Bauernhöfe, aber auch Gemeinden Stellplätze anbieten.

Eine Idee, die zum Camping-Boom während Corona passt, sagt Dominik Quambusch, einer der Gründer: "Ich glaube, Corona hat wie ein Katalysator für Urlaub in Deutschland gewirkt." In Zukunft will das Start-Up aber nicht nur Plätze in Deutschland, sondern in ganz Europa anbieten.

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Dominik Quambusch (l.) und Simon Illner haben mit zwei weiteren Freunden die Plattform "Alpacacamping" gegründet.

Dass Camping während Corona wirklich boomt, zeigen die Zahlen der Neuzulassungen bei Wohnmobilen. 2020 wurden laut Caravaning Industrie Verband e.V. fast 50 Prozent mehr Wohnmobile zugelassen als im Vorjahr, ein großer Teil davon sind Campingbusse. Vor allem bei der jüngeren Zielgruppe zwischen 20 und 30 Jahren ist Camping laut ADAC im Trend.

Winzer wollen jungen Leuten Natur näher bringen

Genau diese Zielgruppe wollen auch Winzer André Meyer und Silke Nägle mit ihren Stellplätzen in den Weinbergen in Rödelsee erreichen. "Wir wollen vor allem jungen Leuten die Natur und den Weinbau näher bringen", sagt André Meyer.

Es könne zum Beispiel mal vorkommen, dass ein Landwirt in den Weinbergen arbeitet während man auf dem Stellplatz steht. "Dann kann man direkt mal über die Schulter gucken", erklärt André Meyer. Außerdem sei es ein ganz anderes Feeling in der Natur zu campen als mit anderen Campern Seite an Seite auf einem Campingplatz, sagt Silke Nägle.

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André Meyer und Silke Nägle bieten Stellplätze im Weinberg an.

Alternative zum Campingplatz?

Der Stellplatz ist mit knapp 18 Euro pro Nacht nicht unbedingt günstiger ist als ein Campingplatz. Dafür ist es dort nicht überfüllt, meist steht man ganz alleine im Weinberg. Der Nachteil: Eine Toilette oder Strom und Wasser gibt es hier nicht.

Die Stellplätze von Alpacacamping sind natürlich nicht die einzigen Alternativen zum klassischen Campingplatz. Puls vom BR hat hier einige Apps vorgestellt, die bei der Stellplatzsuche helfen können.

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Beim legalen "Wildcampen" den Sonnenuntergang im Weinberg genießen

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