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Gespenstische Ruhe am Münchner Flughafen | BR24

© Birgit Grundner/BR

Leere Schalterhalle am Flughafen München

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Gespenstische Ruhe am Münchner Flughafen

Am Flughafen München ist seit Corona alles anders. Am Freitag waren nur etwa 90 Starts und Landungen geplant, etwa zehn Prozent des regulären Aufkommens. Dementsprechend sind kaum Passagiere unterwegs, die Anzeigentafeln in den Terminals sind leer.

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Die kleine Reisegruppe wirkt etwas gestresst. Sie kämen gerade aus Usbekistan zurück, erzählt ein Mann mit Rucksack im Vorbeihasten, während er sich suchend im Terminal umsieht. „Ich muss jetzt unbedingt erst mal Sixt finden.“ Und weg ist er.

6.000 statt 130.000 Passagiere

Es sind Szenen, wie man sie an normalen Tagen im Minutentakt am Flughafen München erleben kann. Normal ist dort aber schon länger nichts mehr. Die Zahl der Passagiere geht immer weiter zurück, die der Flugbewegungen ebenso, und die großen Anzeigentafeln in den Terminals sind zum Foto-Motiv geworden – weil sie so leer sind. Inzwischen sind es am Tag keine 100 Starts und Landungen mehr. Das entspricht nicht ganz zehn Prozent des regulären Aufkommens. Und während es normalerweise im Schnitt 130.000 Passagiere pro Tag sind, sind es momentan gerade noch 6.000.

Fast gespenstische Ruhe in den Terminals

In den Terminals herrscht fast gespenstische Ruhe. Hier und dort sieht man Handwerker bei Ausbesserungsarbeiten. Die meisten Läden und Lokale sind wegen der Ausgangsbeschränkungen, die auch für den Flughafen gelten, geschlossen. Dort wo man noch Lebensmittel, Drogerie-Artikel und Medikamente einkaufen darf, sind nur wenige Kunden. Die Mitarbeiter unterhalten sich: Wie lange wohl überhaupt noch auf sein wird?

Kurzarbeit für Teile der Belegschaft

Ein Zehntel der Belegschaft der Flughafen München GmbH ist schon seit gut zehn Tagen in Kurzarbeit. Bisher betrifft es nur die Konzerntochter "Eurotrade", die die meisten Läden in den Terminals betreibt. Für die anderen Konzernbereiche laufen die Gespräche mit den Mitarbeitervertretern noch, wie ein Sprecher dem Bayerischen Rundfunk sagt. Insgesamt beschäftigt die Flughafen München GmbH mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften rund 10.000 Mitarbeiter.

Jetzt muss gespart werden

Am Freitag hat Flughafen-Chef Jost Lammers ein konzernweites Sparprogramm angekündigt. Das betrifft auch Investitionen: Vorhaben wie das Parkzentrum West, die neue Konzernzentrale oder ein neues Hotel werden "bis auf weiteres zurückgestellt". In der aktuellen Situation müssten "alle notwendigen Maßnahmen zum Erhalt der wirtschaftlichen Stabilität ergriffen werden".

„Wir erleben eine in dieser Größenordnung nie dagewesene Krise des weltweiten Luftverkehrs und ein Ende ist nicht absehbar." Jost Lammers, Flughafen-Chef

Während an anderen Flughäfen - etwa in Paris und London - der Betrieb wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie eingestellt wurde, ist das am Flughafen München derzeit weiter kein Thema. Es geht dabei nicht nur um die Rückkehrer aus Urlaubsländern in der ganzen Welt und sonstige Passagiere: Auch Fracht muss schließlich weiter transportiert werden.

Satellitengebäude derzeit ohne Funktion

Das Satellitengebäude, das mit einer fahrerlosen U-Bahn mit dem Terminal 2 verbunden ist, wird mittlerweile nicht mehr genutzt. Die U-Bahn steht still. Die wenigen verbliebenen Starts und Landungen werden jetzt erst einmal direkt über das Terminal 2 abgewickelt. Im Terminal 1 wurden die Ressourcen ebenfalls schon vor Tagen gebündelt.

Über 100 geparkte Flugzeuge

Auf dem Vorfeld wird es unterdessen immer enger. Weil die meisten Flugzeuge am Boden bleiben, müssen mittlerweile mehr als 100 Maschinen längerfristig „geparkt“ werden. Dass wie in Frankfurt eine ganze Landebahn zum "Parkplatz" umfunktioniert wird, ist im Erdinger Moos aber nicht vorgesehen.

Besucherpark und Besucherhügel gesperrt

Ganz dicht gemacht wurden der Besucherpark und der Besucherhügel. Viel zu sehen gäbe es dort momentan ohnehin nicht. Es ist auch viel ruhiger – auf dem Flughafengelände wie im Umland. Klagen über Fluglärm sind derzeit jedenfalls nicht zu hören.

Zur Frage, wann am Flughafen wieder mit Wachstum zu rechnen ist, wagt Flughafenchef Lammers derzeit keine Prognose.

"Die Auswirkungen der Corona-Krise sind massiver als die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 oder der weltweiten Finanzkrise von 2008. Deshalb wird es diesmal möglicherweise deutlich länger dauern, bis die Nachfrage wieder auf dem früheren Niveau ist und auch strukturelle Veränderungen im Luftverkehr sind nicht auszuschließen." Jost Lammers, Flughafen-Chef

Dass der globale Mobilitätsbedarf auf mittlere Sicht steigen und der Luftverkehr deshalb wieder zunehmen wird, steht für Lammers aber „außer Frage."

Oberbayern in der Corona-Krise: So pack ma's: hier

© Birgit Grundner/BR

Der Innenhof am Flughafen

© Birgit Grundner/BR

Abgesperrte Lokale

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Nur wenig Flugverbindungen auf der Anzeigetafel

© Birgit Grundner/BR

Abgesperrter Essensbereich

© Birgit Grundner/BR

Derzeit geschlossen

© Birgit Grundner/BR

Leeres Parkhaus