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Bildrechte: Hermann Scholz

12 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen, hat die Verbraucherzentrale ausgerechnet. 75 Kilo pro Mensch landen in der Tonne. Da setzen Münchner Restaurantbetreiber an, die kochen mit "geretteten" Lebensmitteln ...

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Das Restaurant der geretteten Lebensmittel

In München wird im September die Community Kitchen eröffnen, ein Restaurant, das Gerichte nur aus vor dem Müll geretteten Lebensmitteln anbieten will - denn im Schnitt wirft jeder Deutsche pro Jahr 75 Kilo essbare Lebensmittel in den Müll.

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Von
  • Hermann Scholz

Günes Seyfarth führt durch die Räume einer früheren Firmenkantine in München-Neuperlach. Hier soll die Community Kitchen entstehen, ein Begegnungszentrum. Kern des Projekts: ein Restaurant, in dem fast ausschließlich mit Lebensmitteln gekocht werden soll, die eigentlich für den Müll vorgesehen waren - Gemüse, das unverkäuflich ist, weil es braune Stellen hat, oder abgelaufene, noch genießbare Lebensmittel. Täglich soll es zwei verschiedene Mahlzeiten für fünf Euro geben.

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Die Schupfnudelpfanne besteht ausschließlich aus geretteten Lebensmitteln.

Auf den Teller statt in die Tonne

Seyfarth ist seit acht Jahren Lebensmittelretterin, das heißt, sie sammelt von Supermärkten oder Lebensmittelverarbeitern (also Firmen, die zum Beispiel Konserven herstellen) diejenigen Lebensmittel ein, die die Betriebe nicht mehr verkaufen können, und verteilt sie. Sie habe genügend Spender, um das Restaurant zu versorgen, sagt sie. Dort könnten jeden Tag immerhin 10.000 Mahlzeiten gekocht werden. Im Moment sammelt sie noch Startkapital über Crowdfunding.

Die Community Kitchen soll aber noch viel mehr sein als ein Restaurant: Stadtteiltreff, Café, und vor allem Lernort. Erwachsene sollen wieder lernen, wie man Lebensmittel haltbar macht. Schulklassen sollen gezeigt bekommen, wann Obst und Gemüse noch essbar ist und was man damit machen kann.

"Wir haben ja alle die Sensoren eingebaut, schon von Geburt an. Die Auge-Nase-Mund-Regel. Und das heißt: Bevor ich etwas wegwerfe, bitte ich jeden darum, sich das erst ein bisschen anzuschauen, dann dran zu riechen, und dann ein bisschen zu probieren. Und dann kann ich immer noch meiner Meinung vertrauen und sagen: Ne, schmeckt nicht gut, ich tu es weg." Günes Seyfarth
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Günes Seyfarth hat genügend Spender, um das Restaurant zu versorgen.

Statt Lebensmittelverschwendung: Kreative Küche fürs Klima

Lebensmittelverschwendung zu stoppen, sagt Seyfarth, sei eine der wirksamsten Mittel gegen die Klimakrise. Ein Drittel der weltweiten Lebensmittelproduktion landet nach Angaben der Verbraucherzentrale schließlich nicht auf dem Teller, sondern im Müll.

Seyfarth sagt, nach deutschem Recht sei es völlig legal, Lebensmittel anzubieten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Die Verantwortung trägt der Betreiber des Restaurants. Entscheidend ist ja nicht das bloße Datum – sondern die Verzehrfähigkeit des Nahrungsmittels. Alles würde ja dokumentiert und genau geprüft.

Die Herausforderung: Die Köche in der Community Kitchen werden kaum planen können, welche Gerichte sie anbieten – sie müssen mit dem arbeiten, was gespendet wird. Der Clou: Wer selber mitkocht, soll umsonst essen dürfen. Und es wird auch haltbar gemachtes Essen wie Marmeladen oder Chutneys zu kaufen geben, sogar ein Lieferservice für Kita-Essen ist geplant. Im September soll es losgehen.

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