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"Containern ist kein Verbrechen" finden Caroline (links) und Franziska (rechts)
© BR/Manuel Mehlhorn

Autoren

Matthias Lauer
Manuel Mehlhorn
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"Containern ist kein Verbrechen" finden Caroline (links) und Franziska (rechts)

"Containern ist kein Verbrechen" finden Caroline (links) und Franziska (rechts)

"Containern ist kein Verbrechen" finden Caroline (links) und Franziska (rechts)

Aus Müllcontainern Lebensmittel entwenden, die bereits weggeworfen wurden, wird als "Containern" bezeichnet. Dafür sollen Caroline (27) und Franziska (25) eine Geldstrafe von je 1.200 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen. So fordert es die Staatsanwaltschaft.

Kein Verständnis für die Staatsanwaltschaft

"Wir sind einfach der Meinung, dass Containern kein Verbrechen ist. Wir haben niemandem Schaden zugefügt. Im Gegenteil: Es sollte eher ein Verbrechen sein, dass Lebensmittel weggeworfen werden", findet Caroline, die Tiermedizin studiert. Sie fordert, dass Containern zukünftig nicht mehr strafrechtlich verfolgt wird.

Philosoph Gesang plädiert für "konstruktive Rechtsbrüche"

Auch Bernward Gesang, Philosoph und Wirtschaftsethiker an der Universität Mannheim, hält eine Gesetzesanpassung für notwendig. Die gesellschaftliche Vorstellung von Gerechtigkeit entspreche im Fall von Franziska und Caroline nicht mehr dem Gesetz, so Gesang. "Das Recht ist immer darauf angewiesen wieder im Sinne der Gerechtigkeit korrigiert zu werden. Denn sonst wird sich auf Dauer niemand mehr an das Rechtssystem halten", erklärt Gesang. "Dazu sind konstruktive Rechtsbrüche sinnvoll, solange sie kein Leid verursachen und auf einer breit geteilten moralischen Intuition beruhen."

Petition gegen Lebensmittelverschwendung

Franziska und Caroline wünschen sich, dass Supermärkte gesetzlich dazu verpflichtet werden, Lebensmittelreste zu verteilen, die nicht verkauft werden konnten. Ein solches Gesetz gibt es bereits in Frankreich. Um ihrem Anliegen Ausdruck zu verleihen, haben sie die Online-Petition "Containern ist kein Verbrechen! Wir brauchen eine Gesetzesänderung!" gestartet, die bisher von mehr als 10.000 Menschen unterzeichnet wurde.

Wie es in ihrem Fall weitergeht, entscheidet das Amtsgericht Fürstenfeldbruck. Dort beginnt am 10. Dezember der Prozess.