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Lebenslange Haft für Mörder von Obergünzburg | BR24

© BR/Doris Bimmer
Bildrechte: BR/Rupert Waldmüller

Das Landgericht Kempten sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Frau in einem Linienbus bei Obergünzburg erstochen hat. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer lebenslangen Haftstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest.

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Lebenslange Haft für Mörder von Obergünzburg

Es sei eine "öffentliche Hinrichtung" gewesen: Das Landgericht Kempten hat einen Mann zu lebenslanger Haft verurteilt, der seine Frau in einem Linienbus bei Obergünzburg erstochen hat. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest.

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Von
  • Rupert Waldmüller
  • Anna Klein

Im Mordprozess von Obergünzburg hat das Landgericht Kempten das Urteil gesprochen: Das Gericht befand den 38-jährigen Angeklagten des Mordes schuldig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft, zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld fest. Es folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Körperverletzung mit Todesfolge plädiert. Das Gericht sah in dem tödlichen Angriff des Afghanen auf seine Ehefrau in einem Linienbus bei Obergünzburg im Sommer 2020 eine "öffentliche Hinrichtung".

Urteilsbegründung: Ansehensverlust führt zu Mord

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Kempten war davon überzeugt, dass der Angeklagte sich infolge der Trennung seiner Ehefrau in seinem tradierten Rollenverständnis als Familienoberhaupt stark gekränkt sah und von einem Ansehensverlust innerhalb der afghanischen Gemeinde in Obergünzburg ausging. Außerdem kam die Kammer zu der Überzeugung, dass der Angeklagte imstande war, zwischen einer freiheitlich-demokratischen Werte- und Rechtsordnung und seinen eigenen tradierten Wertvorstellungen zu differenzieren. Trotzdem entschloss sich der Angeklagte laut Gericht wegen eines übersteigerten Besitzdenkens seine getrenntlebende Ehefrau zu töten.

Gericht sieht regelrechte öffentliche Hinrichtung

Für das Gericht war das Mordmerkmal der Heimtücke bestätigt, da die Ehefrau des Angeklagten während der Fahrt in einem öffentlichen Nahverkehrsmittel nicht mit einem gegen ihr Leben gerichteten Angriff rechnete und somit wehrlos war. Daneben sah die Kammer das täterbezogene Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe als gegeben an. Sie wertete die Tat des Angeklagten als regelrechte öffentliche Hinrichtung und stellte aufgrund der Gesamtumstände die besondere Schwere der Schuld fest.

Mann ersticht seine Ehefrau im Linienbus

Der 38-jährige Mann aus Afghanistan soll am 6. Juli vergangenen Jahres im Linienbus von Kempten nach Obergünzburg ohne Vorwarnung elf Mal auf seine Frau eingestochen und sie so getötet haben. Vor Gericht hat der Mann geschwiegen. Zeugen haben ihn im Prozess aber schwer belastet: Er soll vor der Tat gedroht haben, mit einem Messer „Hackfleisch“ aus seiner Frau zu machen.

Angeklagter lebt nach der Scharia

Der psychiatrische Gutachter hatte dem 38-Jährigen am zweiten Verhandlungstag volle Schuldfähigkeit attestiert. Hinweise auf eine psychische Erkrankung habe es nicht gegeben. Dem Gutachter gegenüber soll der Angeklagte gesagt haben, es sei sein Recht gewesen, seine Frau zu töten. "Der Angeklagte lebt nach dem Scharia-Gesetz: Er ist das Familienoberhaupt, er ist der Herrscher, er verfügt über seine Frau und über seine Kinder", so der Psychiater. Die Scharia ist ein religiöses Werte- und Rechtssystem, das nach islamischem Verständnis als „göttliches Gesetz“ gilt.

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