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Lebenslang im Baumer-Prozess: Verteidigung geht in Revision | BR24

© BR/Andreas Wenleder
Bildrechte: picture alliance/Armin Weigel/dpa

Er hat die Tat stets von sich gewiesen - nun ist im Fall Maria Baumer der Verlobte wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Verteidigung hat angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

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Lebenslang im Baumer-Prozess: Verteidigung geht in Revision

Er hat die Tat stets von sich gewiesen - nun ist im Fall Maria Baumer der Verlobte wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Verteidigung hat angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

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  • BR24 Redaktion

Acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod Maria Baumers ist das Urteil vor dem Landgericht Regensburg gesprochen worden : Der Verlobte der 26-Jährigen ist am Dienstag wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Gegen diese Urteil will die Verteidigung Revision einlegen, das hat Pflichtverteidiger Michael Haizmann bereits angekündigt. Man habe nach dem harten Urteil nichts zu verlieren, so der Strafverteidiger.

Der Mord war "heimtückisch"

Die Richter waren davon überzeugt, dass der 36-Jährige für eine neue Beziehung mit einer Patientin frei sein wollte. Heimtückisch und aus niederen Beweggründen tötete der Krankenpfleger demnach seine Verlobte mit Medikamenten und vergrub die Leiche in einem Wald. Danach erschuf der Mann geradezu "lustvoll", wie es Vorsitzender Richter Michael Hammer formulierte, ein Lügengebilde, um die Angehörigen zu täuschen.

Opfer war arg- und wehrlos

Es war niemand sonst dabei, als Maria Baumer in der Nacht zum 26. Mai 2012 starb - außer ihr Verlobter. Aus Sicht der Schwurgerichtskammer stand nach einem dreimonatigen Indizienprozess - in dem sie akribisch Aussagen von Zeugen und Sachverständigen, Auswertungen von Handy- und Computerdaten sowie Spuren an der Leiche und an der Grube im Wald analysierte - fest, dass die Frau die Mischung aus Lorazepam und Tramadol nicht bewusst selbst eingenommen hat. Der 36-Jährige habe sie ihr verabreicht - vermutlich in einem Kakao - mit dem Ziel, sie zu töten. "Sie war so arg- und wehrlos wie ein Mensch nur sein kann."

Es lasse sich nicht eindeutig feststellen, dass die Frau an den Medikamenten starb, sagte Hammer. Falls sie lediglich betäubt gewesen sein sollte, geht die Kammer von anschließendem Erwürgen oder Ersticken der Frau aus. In den Wochen vor Baumers Tod hatte ihr Verlobter im Internet unter anderem nach Begriffen wie "der perfekte Mord", "Würgegriff", "kann man an Überdosis Blutdrucksenker sterben" gesucht. Zudem kaufte er einen Spaten in einem Baumarkt.

Verhältnis zu einer anderen Frau

Das Motiv für die Tat, so die Kammer: Der Angeklagte habe eine Trennung vermeiden wollen. Sonst hätte er seiner Familie und den Angehörigen Baumers gegenüber zugeben müssen, dass er sich während der Vorbereitungen für die Hochzeit einer anderen Frau zugewandt und zudem das Studium vernachlässigt hatte. Diesen "Gesichtsverlust" habe der Mann unbedingt verhindern wollen. Sein Ziel sei gewesen, sich in Zukunft seiner Patientin zuzuwenden, die "zum Mittelpunkt seines Lebens geworden war. Ihr stand Maria im Weg". Sein Verhältnis zu der jungen Frau sei geradezu obsessiv gewesen, sie habe die Gefühle jedoch nicht erwidert.

Die Tötung Marias habe dem Mann überdies die Möglichkeit geboten, selbst die Rolle eines Opfers einzunehmen. Durch das Verschwinden "der Liebe seines Lebens" habe er sich die Anteilnahme und die Aufmerksamkeit der Angehörigen und auch der jungen Patientin gesichert. Es sei keine Spontantat gewesen. Um zu verhindern, dass die Leiche gefunden und die Lüge auffliegen würde, habe der Mann nicht davor zurückgeschreckt, sie mit Branntkalk zu bestreuen, so dass sie sich teilweise verseifte und verflüssigte.

Konzentration auf Suche nach Maria

Bemerkenswert sei auch der Auftritt des Verlobten in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ... ungelöst" wenige Monate nach dem Tod Baumers gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Dort habe sich dieser in Szene gesetzt, in einer Kirche eine Kerze angezündet und behauptet, das Studium auf Eis gelegt zu haben, weil er sich nach dem Verschwinden seiner Verlobten nicht mehr konzentrieren könne. Er sei "weitgehend scheinfrei", was auch gelogen war.

"Erdrückende Beweislage"

Sämtliche Aussagen des Angeklagten im Laufe des Prozesses könnten nur dann herangezogen werden, wenn sie durch anderweitige Beweise gestützt würden, sagte Hammer. Der Mann hatte sich durch seine zahlreichen Lügen unglaubwürdig gemacht. Er schrecke nicht einmal davor zurück, ihm nahestehende Menschen, die ein vertrauensvolles Verhältnis mit ihm pflegten, "systematisch hinters Licht zu führen". Und die Beseitigung der Leiche habe der Angeklagte lediglich angesichts der "erdrückenden Beweislage" gestanden.

Das Fazit des Vorsitzenden Richters: "Maria Baumer hat die Medikamente nicht selbst genommen." Es sei auszuschließen, dass sie ihr von Dritten beigefügt worden seien. "Es kommt nur der Angeklagte in Betracht." Dieser habe über seine Arbeitsstelle Zugang zu den Medikamenten gehabt.

Lebenslang und besondere Schwere der Schuld

Die Leiche Baumers war im September 2013 von Pilzsammlern in einem Wald gefunden worden. Der Verlobte galt damals bereits als verdächtig und saß sechs Wochen in Untersuchungshaft. Aufgrund neuer Ermittlungsergebnisse wurde er im Dezember 2019 erneut festgenommen.

Nun ist das Urteil gesprochen: lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Die Richter stellten zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Der Angeklagte, dem bei der Verkündung sein Bruder zur Seite stand, verfolgte die Ausführungen des Richters mit regungslosem Gesicht. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Einer der Verteidiger kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

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