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Leben für das Hilfswerk: DAHW-Mitbegründerin Irene Kober wird 95 | BR24

© DAHW / Sabine Ludwig

Irene Kober ist das letzte noch lebende Gründungsmitglied der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW. Jetzt feiert sie ihren 95. Geburtstag.

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    Leben für das Hilfswerk: DAHW-Mitbegründerin Irene Kober wird 95

    Sie ist das einzige noch lebende Gründungsmitglied der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW – ehemals "Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk". Am Sonntag feiert Irene Kober aus Zell am Main ihren 95. Geburtstag.

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    Von
    • Anke Gundelach

    Sie hat ihr Leben der Bekämpfung einer biblischen Krankheit gewidmet und nun selbst ein beinahe biblisches Alter erreicht. Irene Kober aus Zell am Main wird am Sonntag 95 Jahre alt. Sie ist das letzte noch lebende Gründungsmitglied der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW – ehemals "Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk".

    Vereinsgründung beim Geburtstags-Kaffeekränzchen

    Es war ihr 31. Geburtstag als am 17. Januar 1957 die Geburtsstunde des DAHW schlug. Im heimischen Wohnzimmer von Irene Kober und ihrem Mann Hermann in Zell am Main waren fünf Freunde zu Gast. Beim Kaffeekränzchen schrieben die sieben Personen die Satzung für den gemeinnützigen Verein DAHW fest. Einen Tag später, am 18. Januar, folgte die Eintragung ins Vereinsregister. Dieser Schritt sollte Irene Kobers gesamtes weiteres Leben und das unzähliger Menschen weltweit prägen.

    Geboren in Berlin, verwurzelt in Mainfranken

    Geboren wurde Irene Kober 1926 in Berlin, wo sie nach Kriegsende auch ihr Abitur machte und sich zur Krankenpflegerin und OP-Schwester ausbilden ließ. Gerne wäre sie Kinderärztin geworden. Der Traum vom Studium scheiterte jedoch am Geldmangel. Kobers Eltern ließen sich später in Karlstadt nieder, wo sich der Vater mit einem Geschäft selbständig machte. Hier lernte Irene Kober ihren späteren Mann Hermann kennen. Er war damals Redakteur beim Würzburger Fränkischen Volksblatt. Nach der Heirat 1952 zog das Paar nach Zell am Main.

    Berichte aus Äthiopen brachten den Stein ins Rollen

    Hermann Kober erfuhr 1956 von seinem Journalistenkollegen Franz Graf Magnis davon, dass in Äthiopien die "biblische Krankheit" Lepra weit verbreitet war und wollte spontan helfen. Nachdem er eine Reportage über einen französischen Lepra-Arzt in Bisidimo veröffentlicht und um Spenden gebeten hatte, gingen innerhalb kürzester Zeit 10.000 Mark an Unterstützung auf einem Privatkonto ein, und die Vereinsgründung wurde nötig. Die Nachricht, dass es in Deutschland einen Verein gibt, der bei der Behandlung von Lepra-Kranken unterstützt, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Von überall gingen verzweifelte Hilferufe bei Kobers ein. Nur wenige Jahre später war das DAHW nicht nur in Äthiopien, sondern auch in Brasilien, Thailand, Indien, Pakistan und auf den Osterinseln im Einsatz, um die unvorstellbare Not von Betroffenen zu lindern, die infolge der Lepra mit schwersten Behinderungen und massiver Ausgrenzung lebten.

    DAHW wurde zum Motor der Lepra-Forschung

    Bald wurde das provisorische Büro im Haus der Kobers zu klein. Der Verein mietete ein Zimmer in der Würzburger Innenstadt und stellte eine Sekretärin ein. Irene Kober arbeitete als stellvertretende Schatzmeisterin und hielt Vorträge in Schulen und Gemeinden. Das DAHW trug dazu bei, dass nach und nach ein weltweites Netzwerk der Leprahilfswerke entstand und beteiligte sich auch maßgeblich an der Forschung zur Heilung der Krankheit, die ab 1981 endlich möglich war. 2003 benannte sich das Deutsche Aussätzigen-Hilfswerk in Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe um. Die Abkürzung DAHW blieb. Für ihren Einsatz für Millionen von Betroffenen in aller Welt erhielt Irene Kober 2007 das Bundesverdienstkreuz. Der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe DAHW ist sie bis heute eng verbunden und aktives Vereinsmitglied.

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