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Leben als Rockstar für die große Liebe geopfert | BR24

© BR/Wolfram Hanke

Zwei Jahre lang saß Jürgen Fechter am Schlagzeug der Scorpions und spielte vor tausenden Fans in ganz Europa. Dann traf er eine folgenschwere Entscheidung. Heute wohnt er wieder in seinem Elternhaus in Wildflecken in der Rhön.

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Leben als Rockstar für die große Liebe geopfert

Zwei Jahre lang saß Jürgen Fechter am Schlagzeug der Scorpions und spielte vor tausenden Fans in ganz Europa. Dann traf er eine folgenschwere Entscheidung. Heute wohnt er wieder in seinem Elternhaus in Wildflecken in der Rhön.

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1974 war Jürgen Fechter, genannt "Doobie", gerade mal 18 Jahre alt, hatte die Schule abgebrochen und arbeitete schon drei Jahre lang als Berufsmusiker. Das funktionierte in Wildflecken ziemlich gut, denn dort gab es damals wegen der vielen US-Soldaten jede Menge Musikkneipen. "Die Scorpions hatten damals in einer Musikzeitschrift eine Anzeige aufgegeben. Darauf habe ich geantwortet und wurde zum Vorspielen eingeladen. Dann bin ich nach Hannover gefahren und habe mit den Jungs ein paar Songs zusammen gespielt. So bin ich an den Job gekommen. An einem Montag haben wir dann angefangen zu proben und am Samstag darauf hatten wir gleich das erste gemeinsame Konzert", erinnert sich Fechter.

Unmengen Konzerte mit den Scorpions

"Fly To The Rainbow" hieß das Album, mit dem die Scorpions damals auf Tour waren. Die Band spielte unzählige Konzerte unter anderem im Vorprogramm der Glam-Rocker The Sweet. "Zum Abschluss der Tour haben wir damals im Circus Krone in München gespielt, da haben wir richtig die Sau rausgelassen. Wir haben so eine Show abgezogen, dass The Sweet danach anfingen, uns zu beschimpfen, weil wir sie quasi an die Wand gespielt hätten", erzählt Jürgen Fechter.

Mit den Scorpions war er vor allem in den Benelux-Ländern unterwegs – in Belgien, Holland oder Frankreich. "Da haben wir wahnsinnig viele Konzerte gespielt. Da waren wir bis zum Abwinken unterwegs. Teilweise waren es große Hallen, in die bis zu 2.000 Leute reingepasst haben, teilweise auch kleinere Diskotheken. Es gab eigentlich alles. Überall, wo eine Steckdose war, haben wir gespielt."

Kein Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Vom Rockstarleben war hinter den Kulissen allerdings wenig zu spüren, sagt Jürgen Fechter. Anfangs hat er mit den Scorpions von Montag bis Freitag acht Stunden lang geprobt. Von Groupies und wilden Parties kann er nichts berichten. "Drogen waren bei den Scorpions gar kein Thema. Vor dem Auftritt haben sie vielleicht mal einen Schnaps oder ein Bier getrunken, um ein bisschen lockerer zu werden. Es gab auch nach den Shows keine Besäufnisse oder Parties. Gar nichts. Die waren sehr professionell und verfolgten einfach ihren Plan. Diese Klischee vom Tourleben mit Sex, Drugs & Rock’n’Roll fand bei den Scorpions nicht statt. Die hatten auch alle ihre Frauen zuhause sitzen, die waren total clean", sagt Fechter. Die Strapazen forderten ihren Tribut.

Ausstieg bei den Scorpions

Jürgen Fechter war kaum noch zuhause und das war letztendlich dann auch der Grund, warum er bei den Scorpions nach fast zwei Jahren wieder ausgestiegen ist. Dabei hatten ihm die Scorpions noch sein Wunsch-Schlagzeug versprochen, wenn er doch dabei bleibt. Sein Entschluss stand aber fest. "Ich hatte damals eine Freundin in Hannover. Wir waren aber so viel unterwegs, dass wir im Monat gerade mal drei Tage zuhause waren. Weil ich so schwer verliebt war, wollte ich das nicht mehr. Ich wollte lieber bei meiner Freundin sein. Ich war eben noch jung und extrem verliebt. Ich selbst habe noch mitgeholfen, einen neuen Drummer für die Scorpions zu suchen." Sein Nachfolger Rudy Lenners spielte die nächste Platte "In Trance" ein. Bei Jürgen Fechter war nach einem halben Jahr Schluss mit seiner Freundin. Sie hat ihn verlassen.

Zurück in die Rhön

Der Schlagzeuger spielte danach in mehreren kleineren Bands und arbeitete als DJ. Kontakt zu den Scorpions hat er heute noch. Immer, wenn sie in der Gegend ein Konzert spielen, steht er auf der Gästeliste. "Wir haben uns jedes Mal getroffen und Fotos gemacht. Das war wirklich schön", sagt Fechter. "Obwohl sie inzwischen Mega-Stars sind, haben sie sich kaum verändert. Jeder ist eigentlich noch genauso, wie er damals war." Es bleiben die schönen Erinnerungen. Heute ist Jürgen Fechter 65 Jahre alt, lebt von seiner Rente und wohnt in seinem Elternhaus in Wildflecken in der Rhön.

© Wolfram Hanke/BR

Jürgen Fechter vor seinem Elternhaus in Wildflecken in der Rhön

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