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Lawinengefahr: So sicher sind Bayerns Pisten | BR24

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Am Wochenende starben in den Alpen mehrere Menschen durch Lawinenabgänge auf gesicherten Skipisten. Wie sicher sind die Skipisten in Bayern?

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Lawinengefahr: So sicher sind Bayerns Pisten

Am Wochenende starben in den Alpen mehrere Menschen durch Lawinenabgänge auf präparierten Skipisten. An Weihnachten wurden in der Schweiz sechs Skifahrer verschüttet. Wie sicher sind präparierte Skipisten in Bayern? Wer kontrolliert sie und wie oft?

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Am Teufelsegg im Südtiroler Schnalstal kamen bei einem Lawinenabgang auf einer gesicherten Piste zwei siebenjährige Kinder und eine 35-jährige Frau ums Leben. Viele Skifahrer sind jetzt möglicherweise verunsichert: Wie sicher sind markierte Pisten - zum Beispiel in Bayern - eigentlich?

Lawinenwarndienst Bayern gibt Entwarnung

"Eine Piste ist ein gesicherter Skiraum. Der wird überwacht von den Experten vor Ort und der ist sicher. Ein Restrisiko gibt es bei Naturgefahren immer, wobei jetzt die letzten 50 Jahre gezeigt haben, dass das Lawinenwarndienstsystem in Bayern sehr gut funktioniert und zuverlässig ist." Thomas Feistl, Lawinenwarndienst Bayern

Den Lawinenwarndienst gibt es seit 50 Jahren und seither gab es keine Lawinenabgänge mehr auf gesicherten Pisten in Bayern. Derzeit ist nicht mit sehr großen Lawinen zu rechnen, die aktuelle Gefahrenstufe in Bayern liegt bei zwei von fünf. Das entspricht einer mäßigen Gefahr.

Piste öffnen oder schließen – das prüft eine Lawinenkommission

Ob eine Piste geöffnet oder lieber geschlossen wird, das prüft eine eigene Lawinenkommission. Die Mitglieder dieser Kommission gehören zum Lawinenwarndienst Bayern. Es sind durch die Lawinenwarnzentrale geschulte Experten mit sehr viel Fachwissen. Sie melden sich freiwillig und arbeiten ehrenamtlich. Meist sind es Mitarbeiter von Bergbahnen, Bergwacht, Skiwacht oder Bergführer. Sie kommen morgens zusammen und prüfen in den Skigebieten die Lage vor Ort.

"Viel Erfahrung notwendig"

Eine Schneedecke ist immer in Schichten aufgebaut. Ist eine wenig stabile "Schwachschicht" dabei, kann diese kollabieren und eine Schneebrettlawine auslösen. Beispiele für solche Auslöser: Trieb- oder Gleitschnee.

Bei Triebschnee wird Schnee durch Wind von der einen auf die andere Seite des Hanges getragen. Dort sammelt er sich und kann zur Gefahr werden. Gleitschnee-Lawinen sind besonders schwer vorherzusagen, denn in ihrem Fall ist der Boden nass und dazukommender Schnee gleitet vom Boden ab. Thomas Feistl beschreibt den Ablauf der Kommissionsarbeit:

"Dazu gehört immer der Blick in die Schneedecke. Man gräbt rein und schaut, wie die Schichtung und die Feuchtigkeit der Schneedecke ist. Dann gehört aber auch viel Erfahrung dazu, was die letzten 20 Jahre passiert ist und ob es schon einmal Unfälle auf diesem Hang gab bei einem gewissen Wetter. Daraufhin gibt es dann eine Entscheidung." Thomas Feistl, Lawinenwarndienst Bayern

Liftbetreiber treffen die Entscheidung

Diese Entscheidung der Lawinenkommission wird dann an die Verantwortlichen weitergegeben. Im Falle der Skipisten sind das die Bergbahnen. Sie entscheiden letztendlich, ob eine Piste öffnet oder nicht.

Da sich die Wetterlage aber binnen kürzester Zeit ändern kann, kommt die Kommission unter Umständen mehrere Male am Tag zusammen. Immer dann, wenn Gefahr droht oder eine Änderung der Wetterlage schon absehbar ist. Es gibt also eine kontinuierliche Überwachung.

Weitere Sicherheitsvorkehrungen

Aber auch in den Skigebieten selbst gibt es Vorkehrungen. Bei Neuschnee wird beispielsweise am Vormittag eine kontrollierte Sprengung einer Lawine vorgenommen. Das heißt: Die Lawine wird vorab künstlich ausgelöst. Erst danach wird die Skipiste geöffnet.

Außerdem gibt es permanente Verbauungen und Zäune oberhalb von Skipisten, die eine Lawine zurückhalten sollen. Thomas Feistl merkt auch an, dass auf der Alpensüdseite in Südtirol, wo das Unglück geschah, ganz andere Wetterlagen herrschen als in Bayern.

Lawinenabgang auf Piste auch in der Schweiz

Wie es im Schnalstal zu dem Lawinenunglück auf der Piste kommen konnte, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Bozen. Erst an Weihnachten hatte eine mächtige Lawine sechs Skiläufer auf einer Piste im Schweizer Andermatt verschüttet. Sie kamen allerdings mit dem Leben davon.

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Lawinenabgänge auf gesicherten Pisten

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In den Alpen besteht immer ein gewisses Restrisiko bei der Voraussage von Lawinen, meint Experte Thomas Feistl. Trotzallem gab es in den letzten 52 Jahren keinen Toden auf den Pisten im Freistaat, aber über 120 außerhalb von ausgewiesenen Pisten.