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Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) nimmt am 16.04.2021 an der Sitzung des Bundestags teil.

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    Lauterbach: EM-Spiele in München nur vor wenigen Fans vertretbar

    Ab 11. Juni soll die Fußball-EM stattfinden - auch in München. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach findet allerdings, es sei "medizinisch nicht vertretbar", die Spiele vor zehntausenden Fans durchzuführen, höchstens vor wenigen tausend Zuschauern.

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    • BR24 Redaktion

    SPD-Politiker Karl Lauterbach hält EM-Spiele im Sommer in München vor großer Zuschauerkulisse für ausgeschlossen. "Wenn es ein paar hundert oder wenige tausend Zuschauer sind, dann kann man sich das im Großen und Ganzen noch vorstellen. Wenn wir aber hier über 10.000, 20.000 Zuschauer sprechen, dann ist es nicht machbar. Dafür haben wir schlicht keine Testerfahrung", sagte der Gesundheitsexperte dem Sport-Informations-Dienst: "Wir wissen nicht, wie gefährlich das ist. Und dann wird auch noch gereist. Ich halte das für medizinisch nicht vertretbar." Eine Garantie für große Zuschauerzahlen, wie sie die Europäische Fußball-Union (UEFA) von dem deutschen EM-Standort verlangt, sei in Zeiten der Corona-Pandemie nicht zu geben und daher ein falsches Zeichen.

    "Bürger wollen im Fußball Vorbildfunktion"

    Die EM soll vom 11. Juni bis 11. Juli möglichst in zwölf europäischen Städten stattfinden. Die endgültige Entscheidung darüber trifft das UEFA-Exekutivkomitee am Montag. Die Pläne sieht Lauterbach "sehr kritisch" Das Konzept, das viel Reiseaktivität beinhaltet, halte er für "nicht verantwortungsvoll". Dazu kritisierte der Politiker das Verhalten der UEFA, die nach dem Motto "Vogel, friss oder stirb" handle. Das sei keine "sportliche und keine faire Einstellung", so Lauterbach: "Die Bürger wollen im Fußball eine Vorbildfunktion sehen, hier ist oft der Eindruck, als wenn das Kommerzielle noch wesentlicher wäre als der eigentliche sportliche Aspekt."

    Lauterbach: Absage der EM durchaus noch möglich

    Sollte in München vor vielen Fans gespielt werden, würde das "unserer Corona-Politik in den Rücken fallen", sagte der 58-Jährige: "Denn die Spiele beginnen ja zu einem Zeitpunkt, an dem wir wahrscheinlich noch in einem relativ harten Lockdown sein werden." Lauterbach hält es stattdessen für möglich, dass das Turnier aufgrund der erneut steigenden Infektionszahlen nicht stattfinden kann. "Es kann durchaus sein, dass es sich ergibt, dass man die EM zum Schluss noch absagen muss", führte er aus: "Wenn die Zuschauerzahlen medizinisch nicht vertretbar sind, dann kann man das nicht einfach durchziehen."

    OB Reiter will keine Zuschauergarantie abgeben

    Währenddessen will Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auch einen Tag vor der Deadline keine Zuschauergarantie für die Spiele der Fußball-EM geben. "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen im Juni zulässt, Zuschauer ins Stadion zu lassen oder nicht", sagte der 62-Jährige der Welt am Sonntag. Nach derzeitiger Infektionsschutzverordnung des Freistaats Bayern seien "Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nicht erlaubt", erklärte der SPD-Politiker. Nichtsdestotrotz gehe er davon aus, "dass wir in München im Sommer vier EM-Spiele sehen werden". Doch das scheint ohne klares Bekenntnis zu Partien vor Fans mehr als fraglich.

    München setzt auf das Prinzip Hoffnung

    Während die UEFA eigentlich bis zur Sitzung des Exekutivkomitees am Montag von allen Spielorten eine Zuschauergarantie fordert, setzt München auf das Prinzip Hoffnung. Man hoffe, "dass sich die Pandemielage bis Juni entspannt und wir unter Einbeziehung zusätzlicher Hygienemaßnahmen und eventueller Teststrategien", so Reiter, "wenigstens einen gewissen Prozentsatz der Plätze in der Allianz Arena für Zuschauer freigeben können".

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