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Laut und lästig? Proteste gegen Endlagerstandort in Ostbayern | BR24

© BR/Katharina Häringer

Bürgerbeteiligung ist bei der Suche nach einem atomaren Endlager erwünscht. Aber auch Protest? Bürgermeister im Bayerischen Wald, die ein Endlager vor ihrer Tür verhindern wollen, beantworten diese Frage aus eigener Erfahrungen klar mit "Nein".

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Laut und lästig? Proteste gegen Endlagerstandort in Ostbayern

Bürgerbeteiligung ist bei der Suche nach einem atomaren Endlager erwünscht. Aber auch Protest? Bürgermeister im Bayerischen Wald, die ein Endlager vor ihrer Tür verhindern wollen, beantworten diese Frage aus eigener Erfahrungen klar mit "Nein".

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Immer, wenn Martin Behringer, der Bürgermeister von Thurmansbang auf einen Termin geht, packt er einen Stapel Blanco-Mitgliedsanträge ein - Mitgliedsanträge der Bürgerinitiative gegen ein geplantes Atommüllendlager im Saldenburger Granit. Behringer ist Vorsitzender der Initiative. Er verteilt die Formulare an Familien und Vereine. Seit einigen Wochen geht er auch noch einen Schritt weiter.

"Wir sind momentan dabei, dass wir die Kommunen im Landkreis Deggendorf und im Landkreis Passau auch mit anschreiben, damit wir die ins Boot holen können", erzählt er. Es gehe aber nicht darum 500 oder 1.000 Mitglieder zu haben, sondern darum, "dass man die Region zusammenbringt".

Bürgermeister: Region muss klare Meinung vertreten

Seit 24 Jahren gibt es die Bürgerinitiative. Aktuell schließen sich ihr immer mehr Kommunen an. Nachbargemeinden bringen unterstützende Resolutionen auf den Weg. So auch Schönberg, wie der Bürgermeister des Orts, Martin Pichler, erzählt.

Das schlimmste Szenario wäre für ihn, "dass man irgendwann einmal hoffentlich mit 80 Jahren am Stammtisch sitzt und sich über dieses Atommüllendlager austauscht und dann vielleicht der Vorwurf kommt: Warum seid ihr damals nicht in die Gänge gekommen?" Darum sei es wichtig, dass die Region in Summe zusammenstehe und eine klare Meinung vertrete.

Auch junge Generation sieht Endlager kritisch

Für die Aktivisten scheint ein Atommüllendlager im Bayerischen Wald undenkbar. Aber sehen das jüngere Landkreisbürger genauso? Diejenigen, die es miterleben, wenn der strahlende Abfall im Jahr 2050 eingelagert wird?

"Ich finde, der Bayerische Wald ist was ganz besonders, und wir haben einen Nationalpark, der wird jetzt auch erweitert", meint ein Schüler vom Landgraf-Leuchtenberg-Gymnasium Grafenau. "Und dann kann man doch nicht sagen, dass man jetzt atomaren Müll im Bayerischen Wald einlagert, wo wir einen Nationalpark haben." Ein anderer ergänzt: "Und es gibt ja durchaus Gegenden in Deutschland, die vielleicht ja nicht so stark besucht sind von Urlauber."

Die jungen Leute kennen die Bürgerinitiative. Mitglieder sind sie nicht. Sie wollen die Diskussion erstmal weiter beobachten. "Bis jetzt weiß man ja noch nicht mal, ob es herkommt", äußert sich ein Schüler. "Aber wenn es in die engere Auswahl kommen sollte, muss man sich auf alle Fälle engagieren."

Protest köchelt auf kleiner Flamme

1996 und 2001 sind Mitglieder der Bürgerinitiative bereits auf die Straße gegangen. Momentan köchelt der Protest im Bayerischen Wald auf kleiner Flamme vor sich hin - was auch mit dem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung zusammenhängt, der Ende September vorgelegt wurde.

90 Regionen werden darin als mögliche Standorte für ein atomares Endlager genannt. Den Bürgermeistern Max König aus Saldenburg und Martin Behringer aus Thurmansbang ist eine Eingrenzung auf 30 Standorte angekündigt worden, erzählen sie. Sie vermuten dahinter eine Taktik. Fast die Hälfte der Bundesrepublik als potentiellen Standort auszuweisen, das sei eine "Masche, so dass keiner wieder was weiß, wo was los ist", glauben sie.

Enttäuschung nach Fachkonferenz zur Endlagersuche

Die Bürgermeister haben vor wenigen Wochen an einer Online-Konferenz der Bundesgesellschaft für Endlagerung teilgenommen. Hier wurde der Zwischenbericht genauer erklärt. Doch die beiden sind enttäuscht. Kritik hätten sie bei dem virtuellen Treffen nicht anbringen können: "Bürgerbeteiligung ist erwünscht. Widerstand natürlich nicht."

Ein Schüler des Landgraf-Leuchtenberg-Gymnasiums sieht den gesamten Entscheidungsprozess ebenfalls kritisch: "Auch, wenn jeder seine eigene Meinung abgeben kann. Das heißt nicht zwangsweise, dass die gut berücksichtigt wird."

Kein Bürgermeister werde sagen, wir nehmen das sofort, grabt es unter unserer Stadt ein, argumentiert der Schüler weiter und glaubt, eine Einigung werde schwierig. Den Atommüll wolle keiner freiwillig nehmen.

Informieren und notfalls auf die Straße gehen

Der Thurmansbanger Bürgermeister Martin Behringer hofft, dass die nächste Endlager-Fachkonferenz im Frühjahr wieder analog stattfindet und er persönlich teilnehmen kann. Solange bereitet er sich vor und verteilt weiter Mitgliedsanträge für die Bürgerinitiative.

Im Moment gehe es darum, die Leute zu informieren. "Und sollte es wirklich mal nötig sein, dass wir auf die Straße gehen, dann werden wir das sicherlich auch tun", kündigt Behringer an.

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