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Laufener Landweizen - Comeback eines Urkorns | BR24

© BR Theresa Krinninger

Die langen Grannen sind typisch für den Laufener Landweizen

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    Laufener Landweizen - Comeback eines Urkorns

    Eine regionaltypische Weizensorte begeistert Biolandwirte zwischen Salzburg und dem Rupertiwinkel im Berchtesgadener Land. Mehr als 50 Landwirte, Direktvermarkter und Bäcker setzen auf den Laufender Landweizen. Was ist das Besondere an dem Getreide?

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    Der Grannenweizen mit den langen Borsten ist in die Grenzregion zwischen Salzburg und dem Rupertiwinkel im Berchtesgadener Land zurückgekehrt: Vor rund 20 Jahren hat es mit einem Versuchsacker der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) in Laufen angefangen. Inzwischen ist ein regionales Netzwerk mit mehr als 50 Bauern, Müllern, Bierbrauern sowie Bäckern und Naturschützern entstanden.

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    Biobauer Christian Spitz baut Laufener Landweizen an

    Getreide kann bis zwei Meter hoch wachsen

    Christian Spitz bahnt sich einen Weg durch die eineinhalb Meter hohen Weizenhalme. Seit sechs Jahren baut der Biolandwirt auf seinem Hof bei Laufen im Berchtesgadener Land die regionale Weizensorte an. Das Getreide kann bis zu zwei Meter hochwachsen und ist damit ein echter Hingucker. Der Grannenweizen mit den langen Borsten ist in die Grenzregion zwischen Salzburg und dem Rupertiwinkel im Berchtesgadener Land zurückgekehrt. Gerüchten zufolge wurde der Urweizen bereits im 16. Jahrhundert angebaut, taucht aber in historischen Aufzeichnungen erst ab 1976 auf.

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    Typisch für die alte Sorte sind die langen Grannen an der Ähre

    Kornrade, Mohn und Kamille: Biodiversität auf dem Acker

    Der Laufener Landweizen wächst weniger dicht als konventionelle Sorten. Damit sorgt er für mehr Biodiversität auf dem Feld, solange der Anbau biologisch stattfindet. Im Frühsommer blühen zwischen den Weizenhalmen Blumen wie Mohn, Kamille, sogar bedrohte Arten wie die Kornrade und der Frauenspiegel gedeihen. Bei starkem Regen legen sich die langen Halme wie Mikadostäbchen kreuz und quer übereinander, sodass sie trotzdem gut abtrocknen und geerntet werden können. Eine sehr pflegeleichte Sorte also.

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    Ackerwildkräuter und Blumen wachsen zwischen dem Laufener Landweizen

    Pflegeleicht aber zwei Drittel weniger Ertrag

    Es gibt auch einen Haken: "Der geringe Ertrag ist für viele Landwirte ausschlaggebend, dass sie den Laufener Landweizen nicht anbauen", sagt Biobauer Christian Spitz. Auf gleicher Fläche bringt der Laufener Landweizen gerade mal ein Drittel des Ertrags, den eine moderne Sorte bringt. Von der Ernte des Landweizens leben könnte Biobauer Christian Spitz nicht. Deshalb baut er auch noch Braugerste an, hält Rinder und arbeitet in der Veranstaltungstechnik. Beim Laufener Landweizen geht es ihm um die Überzeugung. "Wichtig ist mir, dass die alte Sorte erhalten bleibt und natürlich auch, dass wir das Saatgut selbst nachvermehren dürfen", sagt Christian Spitz. Dadurch sei er unabhängig von großen Saatgutunternehmen.

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    Der Brotteig verträgt keine maschinelle Verarbeitung

    Um 50 Prozent teurer als konventionelles Mehl

    Ein Kilo Mehl aus dem Laufener Landweizen kostet rund 3,50 Euro und ist damit um mehr als die Hälfte teurer als konventionelles Weizenmehl. Dennoch legen viele Kunden Wert darauf, besonders in Zeiten von Corona. Dem Urweizen wird außerdem nachgesagt, gut bekömmlich zu sein und zudem reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.

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    Bäcker Michael Wahlich rollt den Teig aus für die Nusschnecken

    Dürftige Backeigenschaften: Nichts für Anfänger

    Aber lassen sich damit auch gut Semmeln backen? Michael Wahlich in Saaldorf-Surheim kennt die Backeigenschaften des Laufener Landweizens: Er war einer der ersten Bäcker, der mit dem Landweizen experimentierte. "Wenn man nicht aufpasst, wird der Teig beim Backen flach und das Schwierige daran ist, dass er das Volumen behält, sonst fällt die Semmel beim Backen zusammen. Der Teig mag keine Maschinen, er darf auch nicht lange geknetet werden. Also muss der Bäcker seine Hände einsetzen. Für Michael Wahlich ist das kein Rückschritt, sondern eine Herausforderung für sein Können als Bäckermeister. Seit sechs Jahren gehören Semmeln, Brote und Nussschnecken aus dem Landweizen zum Standartangebot der Bäckerei.

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    Barbara und Michael Wahlich verwenden den Laufener Landweizen für Brot und Semmeln

    Qualität und Regionalität hat seinen Preis

    Die Nussschnecken sind besonders beliebt, sagt Bäckermeister Michael Wahlich - trotz des deftigen Preises. Den sind die Kunden aber bereit zu zahlen - besonders in Zeiten von Corona. Das hat sich auch in der Bäckereikasse bemerkbar gemacht. Die Erzeuger und Vermarkter des Landweizens hoffen nun, dass der Trend zur Regionalität auch anhält. So sieht es auch Eigenvermarkter und Biobauer Christian Spitz: "Wir haben Kunden, die wirklich darauf zurückkommen und begeistert sind und wir Bauern merken, dass die regionale Landwirtschaft wieder mehr Wert wird."

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