Bild

Ein Mann fegt mit einem Laubbläser Blätter auf die Seite
© picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa

Autoren

Simon Emmerlich
© picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa

Ein Mann fegt mit einem Laubbläser Blätter auf die Seite

In einer Stadt wie Augsburg fallen im Herbst rund 1.500 Tonnen Laub von den Bäumen. 130 Mitarbeiter sind über Monate damit beschäftigt, das bunte Blattwerk von Straßen und in Parks einzusammeln. Am schnellsten geht das nach wie vor mit dem Laubbläser.

Tierkot und Mikroben in der Atemluft

Doch der entstehende Mini-Orkan bläst auch eine Wolke aus Feinstaub in die Luft. Darin enthalten: Partikel aus Tierkot, Mikroben, Pilzsporen oder Reifenabrieb. Eine Studie der Technischen Universität Graz aus dem Jahr 2013 zeigte, dass beim Einsatz eines Laubbläsers auf Wegen und Straßen teils drei Mal so viel Staub aufgewirbelt wird wie mit einem Besen oder Rechen. Belastend für Passanten und Anwohner, am meisten aber für unmittelbare Benutzer.

Störend und sogar gesundheitsschädlich wirkt auch der Lärm. Der Schalldruck kann mit bis zu 115 Dezibel dem eines Presslufthammers entsprechen. Deshalb gelten für Laubbläser strenge Betriebszeiten: Werktags, also Montag bis Samstag, in Wohngebieten von 9 Uhr bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro. Geräuscharme Geräte mit EU-Umweltzeichen dürfen werktags von 7 bis 20 Uhr eingesetzt werden.

Unterschiedliche Laub-Konzepte in Kommunen

In München geht die Verwaltung sensibel mit dem Thema Laubbläser um. In einer Broschüre zeigt sie Umweltproblematiken auf und weist auf die strikten Betriebszeiten hin, an die sich die Stadt selbstverständlich halte. Verzichten will die Landeshauptstadt auf Laubbläser bei der Stadtreinigung aber nicht – aus wirtschaftlichen Gründen.

Anders sieht man das in Starnberg. Dort wirbt das Rathaus für einen Verzicht – und geht selbst mit gutem Beispiel voran. So lässt die Stadt seit sechs Jahren die Angestellten des städtischen Betriebshofs nur noch mit umwelt- und nervenschonenden Rechen und Besen ausrücken. Ohne größere Zeiteinbußen, wie eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung sagt.

Todesursache: Laubsauger

Auch Tierschützer beklagen jedes Jahr aufs Neue die Folgen für Flora und Fauna. Das Mikroklima des Bodens wird durch das fehlende Herbstlaub gestört. Tiere wie der Igel finden keine Winterbehausung. Verheerend sind nach Ansicht des Bund Naturschutz vor allem Laubsauger. Sie können kleine Tiere wie Spinnen und Käfer mit bis zu 250 km/h einsaugen und töten. Auch das Umweltbundesamt rät generell von Laubsaugern- und -bläsern ab.

Verbot in Bayern gescheitert

Im österreichischen Graz reagierten die Behörden im Jahr 2014 auf die Studie und erließen ein Verbot. In Bayern scheiterten SPD und Grüne mit einem Verbotsantrag 2016 auf Landesebene. Laut CSU gibt es keine gesetzliche Handhabe für den Freistaat, da es sich bei dem für Laubbläser geltenden Immissionsschutzgesetz um ein Bundesgesetz handle.