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"Lassen niemanden allein": Söder verspricht Flut-Opfern Hilfe

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"Lassen niemanden allein": Söder verspricht Flut-Opfern Hilfe

Beim Besuch der Hochwasserregion Berchtesgadener Land haben Bayerns Ministerpräsident Söder und Bundesfinanzminister Scholz den Menschen schnelle finanzielle Unterstützung versprochen. Wirtschaftsminister Aiwanger warnt vor Katastrophentourismus.

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Von
  • Petr Jerabek

Angesichts der angespannten Hochwasserlage im Südosten des Freistaats haben der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) das besonders betroffene Berchtesgadener Land besucht. Beide zeigten sich betroffen über das Ausmaß der Zerstörung durch die Überschwemmungen. "Wir haben erlebt, wie viele Leute alles verlieren", sagte Söder in Schönau am Königssee. "Wie innerhalb von Sekundenbruchteilen ein Lebenswerk zerstört werden kann."

Söder: "Wir trauern um die Opfer"

Der Ministerpräsident fügte hinzu: "Wir trauern um die Opfer, wir beten mit den Angehörigen." Laut Landratsamt gab es im Landkreis Berchtesgadener Land zwei Tote. Eines der beiden Opfer sei an einer natürlichen Ursache gestorben, allerdings könne auch dies mit dem Unwetter zusammenhängen. Söder wünschte allen Betroffenen, dass sie gesundheitlich schnell auf die Beine kommen. Großen Dank sprach er allen Einsatzkräften aus. Sie leisteten "Übermenschliches".

Den Menschen in der Region sicherte Söder Hilfe der Politik zu: Sie könnten sich der Unterstützung sicher sein - langfristig beim Wiederaufbau der Infrastruktur, aber auch ganz schnell durch persönliche Hilfen: Den Menschen, die "auf einen Schlag alles verloren haben", müsse kurzfristig geholfen werden, betonte der Ministerpräsident. "Wir lassen niemanden allein." Bereits am Dienstag werde das bayerische Kabinett darüber beraten. Neben Söder und Scholz machten sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die im Berchtesgadener Land ihren Stimmkreis hat, ein Bild von den Schäden in der Region.

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Auch Ministerpräsident Markus söder ist ins Krisengebiet gereist. Dort zeigte er sich erschüttet ob der Schäden und mahnte rasche Maßnahmen für die Zukunft an.

Scholz: "Wir werden helfen"

Scholz betonte, es sei eine "große Katastrophe", die Deutschland gerade erlebe. Diese Herausforderung könne Deutschland nur insgesamt stemmen. "Wir werden unbedingt helfen", sagte der Bundesfinanzminister und erneuerte sein Versprechen, eine Soforthilfe auf den Weg zu bringen.

Er sei sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einig, dass diese Woche im Bundeskabinett dazu erste Entscheidungen getroffen werden. Nach der vorigen großen Flutkatastrophe seien fast 400 Millionen Euro für die Soforthilfe nötig gewesen. Der Bund werde seinen Teil dazu beitragen, dass Bund und Länder gemeinsam auch dieses Mal eine solche Summe aufbringen, betonte der Bundesfinanzminister. Beim Wideraufbau werde es um Milliarden gehen.

"Klimaschutz beschleunigen"

Scholz betonte, die Überschwemmungen hätten etwas mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun. "Und deshalb muss das ehrgeizige Projekt, dass Deutschland ein Industrieland wird, das klimaneutral wirtschaften kann, in ganz kurzer Zeit auch mit aller Kraft jetzt angepackt werden, denn sonst werden uns solche Katastrophen wieder begegnen."

Söder sagte, das Tempo im Kampf gegen den Klimawandel müsse deutlich höher werden. "Bayern ist ein wunderschönes Land, aber wir sind vom Klimawandel genauso betroffen." Es gehe um eine doppelte Strategie: Anpassungsmaßnahmen zu beschleunigen, um Auswirkungen und Schäden zu reduzieren, und gleichzeitig den Klimaschutz massiv voranzutreiben. Bayern wolle bis 2040 klimaneutral sein. "Da werden wir uns richtig anstrengen müssen dafür – aber diese Anstrengung lohnt sich." Am Ende seien die Kosten des Nichtstuns viel höher "als das, was man investieren muss, um Menschen zu schützen".

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Der Bundesfinanzminister, der bayerische Innenminister und der bayerische Umweltminister äußern sich zu ihren Eindrücken und Plänen nach einem Besuch im Katastrophengebiet bei Schönau.

Aiwanger: Auf Hochwasser vorbereiten

In Passau, wo die Pegelstände ebenfalls stiegen, machte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ein Bild von der Lage. Auch er danke den Rettungskräften für ihren unermüdlichen Einsatz. An alle von Hochwasser gefährdeten Menschen appellierte er, sich vorzubereiten, "mit Sandsäcken, mit Abdichtungen an der Tür". Die Erfahrung der vergangenen Tage habe gezeigt, dass die Niederschlagsmengen und ihre Auswirkungen teilweise unterschätzt worden seien.

Mit Blick auf Touristen in Passau rief er dazu auf, "mit Vernunft vorzugehen, nicht an die gefährdeten Orte" zu fahren und den Rettungskräften nicht im Weg zu stehen. Auch solle sich niemand selbst gefährden oder gar "Katastrophentourismus machen".

Ministerin: "Sehr bedrückend"

Landwirtschaftsministerin Kaniber zeigte sich tief betroffen von den "verheerenden Überflutungen" in der Region. "Die Bilder und persönlichen Gespräche in meiner Heimat sind damit sehr bedrückend", schrieb sie auf Facebook. "Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen, die liebe Menschen verloren haben oder vor ihrem zerstörten Hab und Gut stehen."

Wie Kaniber dankte auch Innenminister Herrmann den Einsatzkräften für ihre Arbeit. "Es wird mir überall auch von den Bürgern bestätigt, dass die Einsatzkräfte ganz schnell vor Ort waren, unheimlich schnell gearbeitet haben."

Katharina Schulze: "So furchtbar"

Die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze reagierte erschüttert auf die Nachricht, dass mindestens ein Mensch durch das Hochwasser ums Leben gekommen ist. "So furchtbar", schrieb sie auf Twitter und fügte hinzu: "Stay safe und danke an die Rettungskräfte für ihre Arbeit."

SPD-Landes- und -Fraktionschef Florian von Brunn zeigte sich bedrückt angesichts der "schlimmen Hochwasser-Situation im Berchtesgadener Land, die leider auch ein Todesopfer gefordert hat". Er hoffe sehr, dass sich die Lage entspannt. "Herzlichen Dank an Feuerwehr und Einsatzkräfte für ihre mutige Arbeit."

Bereits am Samstag bezeichnete es AfD-Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner als "geradezu schäbig", wenn in dieser schlimmen Stunde Politiker "wieder nur vom menschengemachten Klimawandel" reden, twitterte sie. "Statt den Bürgern zu helfen, kriegen sie Floskeln über den Klimawandel zu hören. Als seien sie auch noch selbst für die Flut verantwortlich!"

Lage teilweise dramatisch

Insbesondere der Landkreis Berchtesgadener Land wurde schwer von Hochwasser getroffen - eine Entspannung der Lage ist nach wie vor nicht in Sicht. Der Katastrophenfall gilt weiterhin, im Laufe des Tages regnete es erneut stark. Am Samstagabend hatten sintflutartige Regenfälle den Fluss Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Die Lage war teilweise dramatisch: Sturzfluten ergossen sich über die Straßen, Keller liefen voll. In dem Ort Marktschellenberg war den Angaben zufolge der Ortsteil Scheffau von der Außenwelt abgeschnitten. Etwa 135 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen und in Sicherheit gebracht werden.

Rund 900 Hilfskräfte sind in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im Einsatz. Bis zu 500 Mal mussten sie bisher ausrücken. Mehrere Bahnstrecken wurden in Oberbayern gesperrt, Straßen sind blockiert. Der Schaden lässt sich nach Angaben von Landrat Bernhard Kern noch nicht abschätzen. Dieser gehe aber in die Millionen, sagte er.

Wetterprognose: Es regnet weiter

Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes soll es im gesamten Alpenraum bis in die Nacht zum Montag weiter regnen. Zwar sollten sich die Niederschläge vielerorts bis in die frühen Abendstunden abschwächen. In den betroffenen Regionen sei aber lokal noch mit weiterem Starkregen zu rechnen. Extreme Sturzfluten seien nicht ausgeschlossen.

Auch in anderen Regionen Bayerns drohen nach Angaben des Hochwasserdienstes Hochwasser und Überschwemmungen, unter anderem in Passau, in München an der Isar und im Landkreis Altötting.

In Passau stiegen die Pegelstände von Donau und Inn nach Angaben der Stadt massiv. Uferpromenade und Parkplätze wurden überflutet. Die Polizei schleppe Autos in Ufernähe ab, die die Besitzerinnen und Besitzer trotz Hochwasserwarnungen nicht umgeparkt hatten. Anwohnerinnen und Anwohner brachten Hochwassersperren an ihren Grundstücken an. Straßen wurden gesperrt. Die Donau soll hier die Marke von acht Metern übersteigen.

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