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Laptops, Tablets, WLAN: An vielen Schulen Mangelware | BR24

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Schulen, die von armen Kommunen abhängig sind, sind mit digitalen Medien häufig unterversorgt.

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Laptops, Tablets, WLAN: An vielen Schulen Mangelware

Schulische Bildung hängt vom Geld ab - auch von dem der Kommunen. Doch dieses System führt dazu, dass einige Schulen hoch technologisiert und digitalisiert durch den Lernstoff rauschen, während wenige Kilometer weiter andere auf der Strecke bleiben.

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Sechste Klasse Gymnasium, Englischunterricht am Moosburger Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium. Tablets auf jeder Schulbank. So kann Lehrer Andreas Reif, je nach Stärken und Schwächen der Schüler, unterschiedliche Übungen anbieten. Jedes der Kinder hat auf seinem Tablet ein eigenes Arbeitsfeld mit individuellen Aufgaben.

Ohne Internet kein digitales Lernen

Dass interaktives digitales Lernen einen anderen Lernerfolg erzielt als Frontalunterricht, davon ist Claudia Theumer vom Moosburger Karl-Ritter-von-Frisch-Gymnasium überzeugt. "Die Motivation ist eine höhere. Die Schüler freuen sich darauf, wenn wir die Tablets mitbringen." Deshalb hat die Schulleiterin die Datenleitung aufstocken lassen und noch für dieses Jahr ist ein flächendeckendes Internet geplant.

Internet bräuchten Schülerinnen und Schüler zum Beispiel, um das Recherchieren im Netz zu lernen, erklärt Theumer. Außerdem seien die meisten Lernplattformen webbasiert. "Und wir nutzen diese Apps ja nicht zum Selbstzweck, sondern um didaktische Ziele zu verfolgen."

Nur etwa fünfzig Kilometer Luftlinie weiter hätte auch Dominik Blanz gerne Internet für seine knapp eintausend Schülerinnen und Schüler. Doch auf ein flächendeckendes WLAN wartet das städtische Willi-Graf-Gymnasium in München vergebens. "Ich weiß, dass es kommen soll, aber das weiß ich schon sehr lange", so der Schulleiter. Die Schule sei angewiesen auf WLAN, vor allem mit Blick auf den Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht. "Gegebenenfalls kommt der ja wieder im September und das ist einfach erheblich erschwert ohne WLAN."

Lehrkraft: "Maulkorb" für Beamte

Auch andere Münchner Gymnasien haben mit schleppender Digitalisierung zu kämpfen. So sorgte vor einigen Wochen ein Elternbrief für Wirbel, weil an einem Münchner Gymnasium nur ein einziger Raum mit WLAN versorgt ist. Verantwortlich für die Ausstattung einer Schule sind die Sachaufwandsträger, also Kommunen und Landkreise - im Gegensatz zur Ausstattung der Lehrer, für die das Kultusministerium zuständig ist.

Doch genau bei diesem Thema hört plötzlich die Redebereitschaft mancher Schulrektoren auf. Wurden uns bei den Recherchen am Telefon noch Probleme bestätigt, wollte öffentlich lieber doch kaum einer konkret werden. In einer E-Mail an den Bayerischen Rundfunk spricht eine Lehrkraft von einem "Maulkorb". Dass Lehrer Angst vor dienstrechtlichen Folgen haben, kann der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, in gewisser Weise nachvollziehen:

"Ich glaube, dass hinter verschlossenen Türen durchaus etwas klarer artikuliert wird, wenn eine Schule sich alleine gelassen fühlt. Es gibt ja auch das Mäßigungsgebot, dass Beamte sich bei Kritik an staatlichen Maßnahmen gewissermaßen zurückhalten." Heinz-Peter Meidinger, Präsident Deutscher Lehrerverband

Nicht vorhandenes WLAN interne Angelegenheit?

Natürlich dürfe man sachliche Kritik äußern, sagt Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). "Auf der einen Seite ist in einer Demokratie sachliche Kritik natürlich erlaubt, auf der anderen Seite gibt es in jedem Arbeitsverhältnis Loyalitäten." Beim Beamten kämen noch besondere Dienstpflichten hinzu, findet der Kultusminister. "Wenn es um interne Dinge geht, dann sollte man sie auch zuerst intern ansprechen und auch lösen."

Die für Münchens Schulen zuständige Schulrätin Beatrix Zurek (SPD) verspricht indes: Der WLAN-Ausbau stehe kurz bevor, für Herbst seien schon erste Pilotversuche geplant. Die Bildungsreferentin macht aber auch klar, dass WLAN nicht gleich WLAN ist. An ein schulinternes Internet würden enorme Anforderungen gestellt, so Zurek – vom Datenschutz bis hin zur technischen Ausführbarkeit.

Laut Zurek braucht es eine ausgeklügelte Infrastruktur mit Ablage- und Archivsystem: "Die Möglichkeit, ein papierloses Klassenzimmer zu erstellen. Und das sind so komplexe Vorgänge, dass man nicht einfach etwas anstöpseln kann und dann läuft die Sache". Zudem müsse man bei der Installation von WLAN den unterschiedlichen Schultypen Rechnung tragen - beginnend bei der Grundschule bis hin zur beruflichen Fachschule, die spezielle Anforderungen habe.

Digitales Lernen abhängig vom System "Sachaufwandsträger"

Digitale Medien in Schulen sind eine Bereicherung der Methoden- und Informationsvielfalt, sagt Heinz-Peter Meidinger. Doch wie gerecht ist da ein System, bei dem die digitale Ausstattung von Schulen davon abhängt, wie reich oder arm die jeweils zuständige Kommune ist? Um Lebensgleichheit herzustellen, wäre es schon gut, sich das System nochmal genauer anzusehen, sagt Schulrätin Beatrix Zurek.

Die Stadt München habe inzwischen sechstausend Endgeräte an Schüler verteilt, davon zweitausend mit SIM-Karten, also Internetzugang. "Das kann vermutlich auch nicht jeder Landkreis und jede Kommune", so Zurek. Heinz-Peter Meidinger hält es grundsätzlich für richtig, dass die zuständigen Behörden nahe an den Schulen dran sind, es müsse aber deutlich mehr Zuschüsse von Bund und Ländern geben. Bund und Länder haben aber erst in den letzten Wochen im Eilverfahren das "Sonderbudget Leihgeräte" aus dem Boden gestampft: 77,8 Millionen Euro bekommt zum Beispiel Bayern, damit sich Schüler Laptops ausleihen können. Bereits in der ersten Woche sind 460 Anträge eingegangen.

Unabhängig von der Corona-Krise gibt es seit 2019 eine Milliarde Euro für die digitale Ausstattung bayerischer Schulen. Verschlafen nennt Heinz Peter Meidinger das - vor allem mit Blick auf das Homeschooling: Das seien "zwar keine Peanuts, aber es fehlen noch Mittel. Der Digitalpakt II steht in den Sternen."

Schulrektor: Nicht einzusehen, dass Lehrer mit privaten Geräten arbeiten

Digitale Endgeräte brauchen nicht nur Schüler. In der aktuellen Situation sollte jede Lehrkraft einen Laptop haben, sagt Thomas Franz von der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien. "Das wäre dann ein Arbeitsplatz, die man heute erwartet." Auch die Lehrer des Willi-Graf-Gymnasiums haben den Großteil des Fernunterrichts mit ihren privaten Geräten bewältigt, erzählt Schulleiter Dominik Blanz.

"Die Lehrkräfte haben die schwierige Phase des von heute auf morgen eingeführten Fernunterrichts mit Innovation und viel Arbeitseinsatz gemeistert. Aber es ist irgendwo auch nicht einzusehen, dass es konsequent von zu Hause aus mit den eigenen privat angeschafften Geräten erfolgt, mal vom Datenschutz ganz zu schweigen." Dominik Blanz, Schulleiter Städtisches Willi-Graf-Gymnasium München

Zu wenig Laptops für Lehrer oder nicht vorhandenes WLAN für Schulen, ob nun Kultusministerium oder Sachaufwandsträger in der Verantwortung stehen – eines hat die Corona-Krise gezeigt: Wenn Schulen schließen, gibt es kaum einen anderen Weg, als über das Internet zu lehren und lernen.

Online-Hilfestellung für Kinder und Jugendliche

"Corona und Du" - dieses Infoportal im Internet soll psychisch stark machen in Zeiten der Corona-Krise. Hier gibt es leicht umsetzbare Tipps, gezielt für junge Leserinnen und Leser: Wie wirkt sich die Corona-Zeit auf uns aus? Was tun gegen Langeweile oder Stress? Wohin kann man sich mit Sorgen und Problemen wenden? Die Webseite wurde von der Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU-Klinikums München gestartet und ist hier zu finden.

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