BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Langsam verschwinden die Kinos in Bayern | BR24

© BR

2018 war ein historisch schlechtes Jahr für die Kinobranche, auch in Bayern. Ähnlich wie im Rest des Landes gingen im Freistaat 14 Prozent weniger Besucher in die Kinos. Bayerische Kinounternehmen versuchen, das Medium in die Zukunft zu retten.

12
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Langsam verschwinden die Kinos in Bayern

2018 war ein historisch schlechtes Jahr für die Kinobranche. In Bayern setzten sich 14 Prozent weniger Besucher vor die Leinwand. Manche Kinobetreiber werfen hin und verkaufen ihre Immobilie - andere versuchen, das Medium in die Zukunft zu retten.

12
Per Mail sharen
Teilen

Das Kinosterben ist ein schleichender Prozess, der immer dann augenfällig wird, wenn wieder einmal ein Traditionskino schließt - wie aktuell in einem besonders traurigen Fall aus München. Das "Neues Gabriel" genannte Lichtspielhaus, eröffnet 1906, war das älteste fortlaufend bespielte Kino Bayerns, vielleicht sogar der Welt. Jetzt wird das Gabriel dichtgemacht. Der Grund: Die Eigentümerfamilie will die lukrative Immobilie am Hauptbahnhof verkaufen - so schnell, dass Rettungspläne der Stadt wohl zu spät kommen.

Das jüngste, sicher nicht das letzte Beispiel. Vor 20 Jahren gab es noch rund 340 Kinos in Bayern. Heute sind es der Filmförderungsanstalt (FFA) zufolge noch 280. Und 2018 war ein besonders schlechtes Kinojahr: 14 Prozent weniger Karten wurden im Vergleich zum Vorjahr in bayerischen Kinos verkauft.

Hauptkontrahenten 2018: Jahrhundertsommer und Streaming-Dienste

Die Fußball-WM und ein langer Sommer, Probleme in der europäischen Filmbranche und ein eher mauer Hollywood-Jahrgang haben letztes Jahr dazu geführt, dass in Deutschland um die 100 Millionen Euro weniger im Kino verdient wurden. Generell liegen die Gründe vor allem in der Digitalisierung. Filme und besonders Serien können inzwischen sehr bequem und preisgünstig zu Hause gestreamt werden.

Große und kleine Kinos betroffen

Der Besucherrückgang trifft große Kinokonzerne wie kleine Programmkinos gleichermaßen. Der Anteil von großen Kinocentern an den Gesamtbesuchern schrumpfte laut FFA binnen zehn Jahren bundesweit von 47,5 auf 44,8 Prozent. Das Minus bei den Einnahmen gleicht man vor allem durch steigende Ticketpreise aus.

Kleine Kinos versuchen dagegen, als Nischenprodukt zu überleben. Wie etwa das nach langen Jahren wieder eröffnete Roxy in Kitzingen, das jetzt von einer Genossenschaft betrieben wird. Möglich nur, weil auch die Kommune Fördergelder in Höhe von 95.000 Euro beisteuerte.

Kinostrategien der Zukunft

"Der Kinobesuch muss wieder etwas besonders werden", sagt Arne Schmidt, Sprecher der neu eröffneten Astor Film Lounge im Arri in München. Mit Getränkeservice am Platz und verstellbaren Sitzen mit Fußauflage. "Wir wollen, wenn man schon mal das Haus verlässt, dass man auch was Besonderes geboten bekommt", sagt Schmidt.

Als Luxus-Kino sieht man sich nicht, die Preise seien dafür noch recht moderat. 16 Euro kostet die Abendvorstellung für Erwachsene. "Ein guter Start" seien die Monate seit Dezember 2018 für das gehobene Kino bisher gewesen, sagt Schmidt. Auch in Erlangen gibt es mit dem "Manhattan Deluxe" ein Premium-Kino, das sich mit gehobener Ausstattung für die Zukunft gerüstet hat.

Eine zweite Strategie geht in dieselbe Richtung: Kinos investieren zurzeit viel in Bild und Ton. Dolby-Sound und modernste Laserprojektoren sollen Fernseher, Laptop oder Smartphone schlagen.

Politik will Förderprogramm für Land-Kinos

Die große Koalition in Berlin will Kinos im ländlichen Raum stärken. Fünf Millionen Euro soll es bald als Investitionshilfe für Kinos in Städten unter 25.000 Einwohnern geben, weitere 15 Millionen jährlich dann als Zukunftsprogramm, auch unabhängig von der Stadtgröße.

© BR Archiv

Das wahrscheinlich älteste Kino der Welt hat nach 111 Jahren wegen sinkender Besucherzahlen den Betrieb eingestellt. Unsere #BR24Zeitreise aus dem Jahr 2012 gibt einen Einblick hinter die Kulissen des Münchner Kinos.