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Landwirte laufen Sturm gegen neue Gülle-Regeln | BR24

© picture alliance / blickwinkel

Ein Landwirt düngt vor dem Panorama der Alpen eine Wiese mit Gülle

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    Landwirte laufen Sturm gegen neue Gülle-Regeln

    Ab 2020 dürfen Landwirte auf Ackerland und ab 2025 auch auf Grünland ihre Gülle nur noch bodennah direkt in die Erde ausbringen. So sollen umweltschädliche Ammoniak-Emissionen reduziert werden. Von den Bauern kommt Widerstand.

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    Die neue Düngeverordnung macht den Landwirten Vorgaben für die anzuwendende Gülletechnik auf bestelltem Ackerland (ab 2020) sowie auf Grünland (ab 2025). Demnach müssen Gülle, Jauche oder flüssige Gärreste mithilfe einer speziellen Technik direkt auf dem Boden abgelegt werden. So soll die umweltschädliche Freisetzung von Ammoniak reduziert werden.

    Bodennahe Ausbringung in Hanglagen schwierig

    Mit der sogenannten Schleppschlauch-Technik oder auch Schlitz-Technik soll die Gülle künftig bodennah ausgebracht werden. Kritiker der neuen Technik schlagen andere Wege vor. Die überzeugen die Behörden bislang aber nicht.

    Bio-Landwirt Hans Spitzl aus Straußdorf im Landkreis Ebersberg hält 60 Kühe und bewirtschaftet 55 Hektar Land. Solange die Kühe auf der Weide sind, entweicht nur wenig Ammoniak aus den Exkrementen. Das Problem ist die Gülle im Stall. Das Gemisch aus Harn und Kot, das über Spalten in unterirdische Becken gelangt und später auf Felder und Wiesen ausgebracht wird, verströmt beim Kontakt mit Luft Ammoniak (NH3). Mit der bodennahen Ausbringtechnik sollen die umweltschädlichen Emissionen gesenkt werden, aber Hans Spitzl will bei seinem herkömmlichen Güllefass mit Breitverteiler bleiben.

    "Unsere Flächen sind alle in Hanglagen, da komm ich mit der großen, schweren Schleppschlauch-Technik nicht zurecht und ein fremder Lohnunternehmer schon gar nicht. Die neue Technik ist für unseren Betrieb nix." Hans Spitzl, Bio-Landwirt

    Getrocknete Gülle kann ins Tierfutter gelangen

    Außerdem sind dem Landwirt die sogenannten "Güllewürste" ein Gräuel: Die mit der neuen Technik in dicken Streifen abgelegte Gülle kann bei trockenem Wetter auf dem Gras festtrocknen und so ins Futter für seine Kühe gelangen.

    Für Hans Spitzl ist klar: Eine Alternative zu der neuen Technik muss her. Darum setzt er seiner Gülle Braunkohle zu. Schon am Geruch merkt der Landwirt, dass die Kohle etwas mit der Gülle macht – sie stinkt deutlich weniger. Aber reduziert die Kohle auch die Ammoniak-Emissionen? Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat Versuche mit Kohle durchgeführt, aber die Ergebnisse sind je nach verwendeter Kohle so unterschiedlich ausgefallen, dass noch weitere Forschungen notwendig sind. Bislang bescheinigt die LfL der Kohle keine emissionsmindernde Wirkung für Gülle.

    Auf der Suche nach Alternativen

    Bei der Suche nach Möglichkeiten, die Gülle emissionsärmer zu machen und so die neue Ausbringtechnik zu umgehen, ist Hans Spitzl nicht allein. Auch andere Landwirte wehren sich gegen die Auflage und haben eine Interessengemeinschaft, die "IG gesunde Gülle" gegründet. Der Vorsitzende Jens Keim setzt ein rund 8.000 Euro teures Messgerät ein, das sich die Landwirte mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gekauft haben. Sie wollen jetzt die Ammoniak-Emissionen von verschiedenen Güllen selbst messen, um zu beweisen, dass bereits vor der Ausbringung aufs Feld etwas gegen die NH3-Emissionen getan werden kann.

    "Wir sammeln Daten, wir messen und wir wollen, dass sich die Behörden unsere Ergebnisse ansehen, bevor sie uns zu teurer Technik zwingen, die für unsere Betriebe nicht passt." Jens Keim, IG gesunde Gülle

    Braunkohle soll Emissionen senken

    Landwirt Hans Spitzl hat die Gülle in einem seiner Güllelager noch nicht mit Braunkohle behandelt. Eine Probe der unbehandelten Gülle wird gemessen. Dann setzt Hans Spitzl die Braunkohle zu, nach einer halben Stunde messen die Landwirte erneut. Das Ergebnis: der Ammoniakgehalt von 96 ppm bei der unbehandelten Gülle ist auf 42 ppm bei der behandelten Gülle gesunken.

    Auch andere Landwirte lassen den NH3-Gehalt ihrer Gülle bestimmen. Unbehandelt, mit Kohle, Gesteinsmehl oder effektiven Mikroorganismen versetzt. Das Problem dabei: Es gibt bislang keinen Richtwert für den Ammoniakgehalt von Gülle. Und all diesen Zusatzstoffen fehlt bislang der wissenschaftliche Nachweis, die Ammoniak-Emissionen wirksam zu verringern. Es laufen aber momentan Untersuchungen, zum Beispiel an der Universität Gießen.

    Schwefelsäure gegen Ammoniak

    Nur der Einsatz von Schwefelsäure gilt als sichere Methode. Praktiziert wird der Säureeinsatz in Dänemark, allerdings in Verbindung mit der bodennahen Ausbringung von Gülle und in der Regel nicht von den Landwirten selbst, sondern von Spezialfirmen.

    Vonseiten der Behörden in Bayern macht man den Landwirten der "IG gesunde Gülle" aktuell keine Hoffnung, dass die Messergebnisse dazu führen könnten, die alten Güllefässer mit Breitverteiler weiterhin zuzulassen. Denn im Rahmen der europäischen Richtlinie für nationale Emissionshöchstmengen, der sogenannten NEC-Richtlinie, hat sich Deutschland dazu verpflichtet, seinen Ammoniakausstoß bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2005 um 29 % zu senken. Und von diesem Ziel ist man noch weit entfernt.

    Wenn Landwirte ihre Gülle mit Zusatzstoffen behandeln, profitieren sie eventuell von einem gesünderen Stallklima und reduzieren die Ammoniakemissionen bei der Lagerung. Sie müssen aber trotzdem ab dem Stichtag mit der neuen, bodennahen Ausbringtechnik auf ihre Felder (ab 2020) und Wiesen (ab 2025) fahren, weil die Düngeverordnung das so vorschreibt.