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© BR/Barbara Leinfelder
Bildrechte: Robert Kugler/ Naturwissenschaftlicher Verein

Im Süden Augsburgs, bei Oberottmarshausen, brüten noch recht viele Kiebitze. Die Vögel sind rar geworden in Bayern. Um so mehr setzen sich Natrurschützer, Landwirte und Behörden für den Schutz der Bodenbrüter ein.

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Landwirte helfen beim Schutz des Kiebitz im Landkreis Augsburg

Selten sind sie geworden, die Kiebitze. Früher waren sie auch in Schwaben auf Wiesen oder Äckern zu sehen. Mittlerweile ertönt ihr typischer „Kiewitt-Ruf“ nur noch selten. Im Landkreis Augsburg helfen jetzt Landwirte mit, den Vogel zu schützen.

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Von
  • Barbara Leinfelder

Vorsichtig geht Christiane Gebauer ein paar Schritte auf dem Feldweg nahe Kleinaitingen im Landkreis Augsburg entlang eines Ackers. Die Vogelschützerin stellt ihr Fernrohr auf und schaut hindurch. Von weitem ist nur braune Erde zu sehen, durchs Okular erkennt man aber schnell einen Vogelkopf mit der typischen, lang geschwungenen Federhaube. "Holle nennt man das, das ist bei den Männchen länger, bei den Weibchen kürzer, daran kann man sie unterscheiden."

Kein Platz mehr für Kiebitze?

Christiane Gebauer ist Mitarbeiterin im Projekt zum Schutz des Kiebitzes, umgesetzt vom Naturwissenschaftlichen Verein und dem Landesbund für Vogelschutz im Auftrag der Regierung von Schwaben. Sie schaut jeden Tag nach den Tieren, und überwacht mit einer Wildtierkamera am Nest, ob nachts Fuchs oder Dachs nach Eiern suchen. Ziel der Schutzmaßnahmen ist es, den Bestandsrückgang des Kiebitzes zu stoppen. Früher war der Kiebitz auch im Raum Augsburg stark vertreten. Seit den 1990er Jahren aber hat der Bestand in ganz Deutschland um knapp 90 Prozent abgenommen, so Robert Kugler vom Naturwissenschaftlichen Verein Schwaben. Und das, obwohl der Vogel hart im Nehmen ist: "Bis zu fünfmal pro Jahr legt er Eier nach, wenn ein Gelege zerstört wurde", so Kugler.

Das Brutverhalten bringt den „Kiewitt“ in die Bredouille

Der Kiebitz hat einen dunklen Rücken mit grünlichem Glanz, einen weißen Bauch und ist ungefähr so groß wie eine Taube. Seine Eier legt der Vogel mit dem charakteristischen, namensgebenden "Kiewitt"-Ruf in ein flache Bodenmulden auf Wiesen oder sogar Äcker - und genau das ist das Problem: Durch den Wandel in der Landwirtschaft findet der Kiebitz kaum mehr einen Platz, um seine Jungen großzuziehen, die Nester werden oft versehentlich zerstört.

Nester werden mit Stecken markiert

Die Vogelschützer setzen daher auf die Hilfe der Landwirte. Sie markieren die Nester, und die Bauern können so bei der Feldbearbeitung vorsichtig darum herumfahren. Oder sie warten bis Mitte Mai mit der Ansaat, wie etwa Landwirt Martin Kreppold aus Königsbrunn. Er sät seinen Mais jetzt nicht mehr um dem 20. April herum, sondern erst einen Monat später. Dann sind die Kiebitz-Küken flügge. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung. Bauer Kreppold informiert die Naturschützer auch, wenn er Gelege findet. Und er legt sogar auf seinem Acker kleine Feuchtstellen an, damit die Kiebitze gerade jetzt, wo es sehr trocken ist, genügend Wasser für sich und die Jungen finden. Gefahren gibt es freilich viele, sagt Christiane Gebauer.

Auch Sondengänger und Hunde zerstören die Brut

Vor allem frei laufende Hunde jagen die brütenden Vögel auf. Aber auch Sondengänger, die zu jeder Tages- und Nachtzeit auf den Feldern unterwegs sind, meist ohne Einverständnis des Landwirts, sind für etliche zerstörte Gelege verantwortlich. "Da spreche ich fast jede Woche einen an", erzählt Christiane Gebauer. Die Kiebitzwächterin hofft deshalb auf die Mithilfe von weiteren Landwirten und auch Spaziergängern und Erholungssuchenden, damit der Bestand an Kiebitzen wieder gestärkt werden kann.

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