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Die Landwirte Hans Wenzl und Dietrich Treis (v.l.) kurz vor der Abfahrt in die Ukraine.

Bildrechte: BR / Unser Land 2022
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Landwirte aus Niederbayern besuchen ihre Höfe in der Ukraine

Über Monate haben zwei Landwirte aus Niederbayern ihre Betriebe in der Ukraine von zuhause aus geleitet. Jetzt halten sie das Risiko für überschaubar und fahren zurück in die Ukraine. Es ist eine Fahrt ins Ungewisse.

Von
Katharina HäringerKatharina HäringerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Drei Polo-Shirts, ein Laptop und Papiere - Landwirt Dietrich Treis packt nur ein kleines Köfferchen. "Viel mehr habe ich auch gar nicht hier", sagt er mit einem Schmunzeln. Der Großteil seiner Kleidung ist noch in Kiew. Zu Kriegsbeginn war der 57-Jährige mit seiner Familie nach Passau geflohen. Jetzt will er aber zurück in die Ukraine, zurück zu seinen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Ich habe keine Angst vor der Gefahr, sondern vor dem, was mich erwartet. Es fühlt sich so an, als ob ich zehn, 20 Jahre nicht zu Hause gewesen wäre, weil in diesen drei Monaten so viel passiert ist", sagt er. Es ist ein Besuch auf Zeit. In drei Wochen will er zurück sein, seine Frau und die beiden Kinder warten auf ihn in Passau.

Leben zwischen Fürstenzell und Rogi

Dietrich Treis fährt gemeinsam mit Hans Wenzl in die Ukraine. Auch Wenzl (72) ist dort Landwirt – seit 19 Jahren. Normalerweise verbringt er die Sommer in dem kleinen Dorf Rogi zwischen Kiew und Odessa, im Winter lebt er in Fürstenzell im Kreis Passau. Doch in diesem Jahr kam der Krieg dazwischen. Es ist für ihn seit der Aussaat die erste Ukraine-Fahrt in diesem Jahr.

Beide Männer bewirtschaften rund 4.500 Hektar Land. Zum Vergleich: In Bayern bestellt ein einzelner landwirtschaftlicher Betrieb durchschnittlich nur 60 Hektar. Der Betrieb von Wenzl liegt im Landesinneren, der von Treis 70 Kilometer östlich von Kiew. Sie bauen unter anderem Weizen, Raps, Mais und Sonnenblumen an. Ihre Betriebe haben sie in den vergangenen Monaten aus der Ferne gesteuert, denn auf beiden Höfen wird seit Wochen ganz normal gearbeitet.

Alle Felder sind bestellt - auch auf Treis' Betrieb. Obwohl die Front zeitweise nur zwei Kilometer von den Feldern und 15 Kilometer vom Betriebsgelände entfernt war. Die Spuren sind auch nach dem Rückzug der russischen Soldaten noch zu sehen: Granatenkrater auf den Feldern, ausgebrannte Fahrzeuge, zerbombte Häuser. "Meine Leute mussten die Felder nach Minen und Blindgängern absuchen", erzählt Treis. Danach ging es mit der Aussaat los.

Dieses Foto hat Dietrich Treis von seinen Mitarbeitern zugeschickt bekommen: Es zeigt die Zerstörungen in der Ukraine.

Bildrechte: Archiv Dietrich Treis

Getreidespeicher sind noch voll

Die beiden wollen ihre Mitarbeiter in den kommenden Wochen unterstützen und ihnen das Gefühl von Normalität und Alltag geben. Ob sie ihr Getreide in diesem Jahr exportieren können, wissen sie aber nicht. Im Moment blockiert die russische Marine Häfen und weite Teile des Schwarzen Meers. In der gesamten Ukraine lagern nach Schätzungen etwa 15 Millionen Tonnen Getreide, die noch raus müssen. Auch die Lager von Treis und Wenzl sind noch gefüllt.

Sorge vor Hungersnot in Afrika

"Ich bin überzeugt, dass das eine Strategie von Putin ist: Das ukrainische Getreide kommt nicht auf den Weltmarkt, um Hungerflüchtlinge aus Afrika nach Europa zu treiben. Das hat er mit Bomben in Syrien gemacht. Und jetzt macht er es mit Hunger", sagt Treis. Er und Wenzl nutzen ihren Besuch jetzt auch, um vor Ort zusätzliche Lager zu organisieren. "Auf der anderen Seite versuchen wir aber auch, gar nicht so weit nach vorne zu schauen. Wir produzieren jetzt und dann sehen wir weiter", sagt Wenzl. Und Treis ergänzt: "Wir produzieren auf Hoffnung."

Die Landwirte Hans Wenzl und Dietrich Treis (v.l.) kurz vor der Abfahrt in die Ukraine.

Bildrechte: Sarah Fischbacher

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