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Betretene Gesichter in der Würzburger CSU nach der ersten Prognose. Landtagsabgeordneter Oliver Jörg (rechts) könnte sein Mandat verlieren.
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Nathalie Bachmann
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Betretene Gesichter in der Würzburger CSU nach der ersten Prognose. Landtagsabgeordneter Oliver Jörg (rechts) könnte sein Mandat verlieren.

Mehr als eine Million Unterfranken waren diesmal zur Landtagswahl aufgerufen. In zehn Stimmkreisen haben sie darüber entschieden, wer direkt in den Landtag einzieht und wer über die Liste. Dabei wurde es vor allem in Würzburg spannend.

Gerade einmal 0,7 Prozentpunkte reichten hier dem Spitzenkandidaten der Grünen Patrick Friedl letztlich zum Sieg. Kein Wunder: Würzburg von jeher gilt als Grünen-Hochburg in Franken. Der Sieg des 48-Jährigen, der unter anderem das Volksbegehren für mehr Klimaschutz in der Verfassung mitinitiiert hat, gilt dennoch als kleine Sensation. Schon die ersten Hochrechnungen hatten Friedl jubeln lassen:

"Das ist ein absolut herausragender Abend. Das ist echt historisch, wenn sich eine Gruppierung verdoppelt bei zunehmender Wahlbeteiligung. Wir haben früher immer ein paar hundert Wähler rauf und runter gearbeitet hier in der Stadt. Jetzt haben wir unsere Wählerschaft mehr als verdoppelt. das ist natürlich ein herausragender Erfolg und ein ungeheurer Auftrag. Beides nehmen wir gerne an." Patrick Friedl, Grüner Direktkandidat und Wahlkreissieger für Würzburg

Die Grünen in Würzburg jubeln über die erste Prognose

Die Grünen in Würzburg jubeln über die erste Prognose

Barbara Stamm wohl nicht mehr im Landtag

Ungewiss ist auch die Zukunft von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU): Die 73-Jährige steht zwar auf der unterfränkischen CSU-Liste auf Platz eins, doch es sieht nach dem Verlust der absoluten Mehrheit derzeit vieles danach aus, dass sie nach 42 Jahren aus dem Landtag ausscheidet.

Justizminister Winfried Bausback (CSU) dürfte der Wahl ebenfalls mit gemischten Gefühlen entgegenblicken. Zwar zieht er als Direktkandidat für den Wahlkreis Aschaffenburg-West erneut in den Landtag ein. Aber nach dem Verlust der absoluten Mehrheit könnte es sein, dass der Koalitionspartner der neuen Regierung das Justizministerium beansprucht – Bausback sein Ministeramt dann abgeben.

Die Franken haben ihre Kreuzchen gesetzt. Spannend wird es vor allem in Würzburg.

Die Franken haben ihre Kreuzchen gesetzt. Spannend wird es vor allem in Würzburg.

Zwei Frauen in der CSU-Männerriege

Die CSU versucht auch, mehr Frauen als Abgeordnete in den Landtags zu schicken. Bisher waren die unterfränkischen CSU-Direktkandidaten ausschließlich Männer, jetzt kandidieren mit Judith Gerlach (Aschaffenburg-Ost) und Barbara Becker (Kitzingen) zwei Frauen direkt für die Christsozialen.

Übrigens wird Unterfranken - mögliche Überhang- und Ausgleichsmandate noch nicht berücksichtigt - zukünftig mit einem Mandat weniger im Landtag vertreten sein: Neben den zehn Direktkandidaten ziehen statt bisher zehn nur noch neun Frauen und Männer über die Liste in den Landtag ein. Der Grund dafür liegt in der Bevölkerungsentwicklung: Während der Großraum München immer mehr Einwohner zählt, nimmt die Einwohnerzahl in Nordbayern kontinuierlich ab.

Weitere Besonderheiten in den Wahlkreisen

Aschaffenburg-Ost:

Nach 15 Jahren im Landtag stellt sich Peter Winter (CSU), derzeit noch Vorsitzender des Haushaltsausschusses, nicht mehr zur Wahl. Ihn beerbt Judith Gerlach. Sie gewann den Wahlkreis mit 40,21 Prozent der Erststimmen für die CSU. Die 32 Jahre junge Juristin war 2013 über die Liste in den Landtag eingezogen. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,10 Prozent. Helmut Kaltenhauser (FDP) hat noch Chancen über die Liste einzuziehen als unterfränkischer Listen-Erster.

Aschaffenburg-West:

Justizminister Winfried Bausback (CSU) hat sein Direktmandat verteidigt. Er konnte 67,82 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die Wahlbeteiligung lag bei 67,82 Prozent. Hans-Jürgen Fahn sitzt seit 2008 für die Freien Wähler im Maximilianeum. Ob er noch einmal den Einzug schafft ist ungewiss – auf der unterfränkischen FW-Liste steht er dieses Mal nur auf Platz 6.

Justizminister Winfried Bausback (CSU) bei der Stimmabgabe im Aschaffenburger Stadtteil Strietwald

Justizminister Winfried Bausback (CSU) bei der Stimmabgabe im Aschaffenburger Stadtteil Strietwald

Martina Fehlner (SPD) wurde ebenfalls über die Liste in den Landtag gewählt. Heuer steht sie auf Listenplatz zwei, trotzdem könnte der Wiedereinzug für sie knapp werden. Denn wenn Georg Rosenthal, Landtagsabgeordneter und ehemaliger Oberbürgermeister von Würzburg, mehr Stimmen bekommt, würde er damit "nach oben" gewählt. Auch hier hängt alles davon ab, wie die SPD insgesamt abschneidet.

Geschockte Gesichter in der SPD-Geschäftsstelle in Aschaffenburg

Geschockte Gesichter in der SPD-Geschäftsstelle in Aschaffenburg

Bei den Grünen steht ein Wechsel bevor: Thomas Mütze verabschiedet sich aus dem Landtag und kehrt in den Schuldienst zurück. Neuer Direktkandidat ist Stefan Wagener. FDP und GRÜNE dürfen hoffen: Für sie gilt der Untermain als Hochburg.

Schweinfurt:

Verluste für die CSU auch in Schweinfurt. Der CSU-Bezirksvorsitzende Gerhard Eck hat sein Direktmandat mit 39,69 Prozent zwar verteidigt. 2013 konnte er aber noch 48,7 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen. Für die SPD-Landtagsabgeordnete Kathi Petersen (SPD) dürfte es bei dem schlechten Ergebnis ihrer Partei hingegen knapp werden. Sie steht auf Listenplatz vier.

Gute Chancen über die Liste in den Landtag einzuziehen hat Richard Graupner (AfD). Er ist auf Listenplatz zwei und gilt als eines der Gesichter der AfD in Unterfranken. Der Polizeihauptkommissar sitzt seit 1990 im Schweinfurter Stadtrat, viele Jahre für die "Republikaner", inzwischen für die AfD.

Die Linkspartei hat den Einzug in den Landtag verpasst. Damit wird es nichts mit einem Einzug des Schweinfurter Robert Striesow. Der 31-jährige Ergotherapeut war als Spitzenkandidat der „Linken“ in Unterfranken angetreten und zudem als Direktkandidat im Wahlbezirk 608 Schweinfurt.

Würzburg Stadt:

Hier ist es spannend bis zuletzt: Kann Oliver Jörg (CSU) sein Landtagsmandat gegen Patrick Friedl (B90/Grüne) verteidigen? Über die Liste wollen Ex-OB Georg Rosenthal (SPD) und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) den Wiedereinzug schaffen.

Neu dabei war die Partei MUT. Sie schickte als Direktkandidaten Matthias "Matuschke" Matuschik ins Rennen, der unter anderem als Bayern-3-Moderator bekannt ist. Er konnte allerdings weniger als ein Prozent der Stimmen für sich gewinnen.

Würzburg Land:

Im Wahlkreis Würzburg-Land war kaum eine Überraschung zu erwarten. Manfred Ländner (CSU) zieht denn auch mit 38,6 Prozent erneut als Direktkandidat ins Maximilianeum ein. Über die Liste werden es Volkmar Halbleib (SPD, 12,61 Prozent) und Kerstin Celina (Grüne, 19,37 Prozent) mit großer Sicherheit ebenfalls schaffen. Die Wahlbeteiligung lag bei 78 Prozent.

Bad Kissingen:

Der Wahlkreis hat sich erneut als absolute CSU-Hochburg erwiesen. Sandro Kirchner hat mit 49,50 Prozent der Erststimmen kein Problem, sein Direktmandat zu verteidigen. Bei der Wahl 2013 konnte er allerdings noch 54,4 Prozent auf sich vereinen, hat also wie die CSU fast überall in Bayern massiv verloren. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,23 Prozent.

Haßberge/Rhön-Grabfeld:

Steffen Vogel (CSU) hat sein Ticket in den Landtag nach München verteidigt. Er gewinnt mit 46,9 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag in den Haßbergern bei starken 72,81 Prozent. Für die Freien Wähler kandidiert Gerald Pittner. Er ist unterfränkischer Spitzenkandidat seiner Partei und dürfte somit auch in den Landtag einziehen. Für die FDP tritt Karl Graf Stauffenberg an - der Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der 1944 das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler verübte.

Kitzingen:

Nach 15 Jahren verabschiedet sich Otto Hünnerkopf (CSU) aus dem Landtag. Sein Mandat nimmt Partei-Kollegin Barbara Becker ein. Sie konnte 38,92 Prozent der Erststimmen einheimsen. Die 49 Jahre alte Unternehmensberaterin hatte bereits bei der Europawahl kandidiert, scheiterte aber.

Kitzingen gilt als Hochburg der Freien Wähler in Unterfranken. Wegen seines schlechten Listenplatzes hat der FW-Kandidat Frank Stierhof aber kaum Chancen, in den Landtag gewählt zu werden. Die GRÜNEN haben mit Hans Plate einen über die Region hinaus bekannten Öko-Landwirt ins Rennen geschickt. Beide haben gut 15 Prozent der Erststimmen auf sich vereint. Bessere Chancen in den Landtag einzuziehen dürfte Christian Klingen (10 Prozent der Erststimmen) haben: Er ist der unterfränkische Spitzenkandidat der AfD und deren Bezirksvorsitzender.

Trotz der gesunkenen Stimmzahlen hat die CSU ihr Direktmandat in Kitzingen sichern können. Stimmen hat sie an die Grünen und die AFD verloren.

Trotz der gesunkenen Stimmzahlen hat die CSU ihr Direktmandat in Kitzingen sichern können. Stimmen hat sie an die Grünen und die AFD verloren.

Miltenberg:

Eine Überraschung ist in diesem Wahlkreis nicht zu erwarten. Die CSU dürfte sich mit Berthold Rüth wohl wieder das Direktmandat holen. Die Freien Wähler sind hier traditionell stark. Ob das ausreicht, damit Bernd Schötterl (FW-Listenplatz drei) ins Maximilianeum einzieht?

Main-Spessart:

Das Direktmandat im Wahlkreis Main-Spessart geht erneut an die CSU und damit an Thorsten Schwab. Er konnte 38,64 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Mit Spannung wird erwartet, wie die Freien Wähler abschneiden. Denn, der Skandal um den Landtagsabgeordneten Günther Felbinger hat die Partei tief erschüttert. Gelingt es Anna Stolz das Vertrauen der Bürger für die FW zurückzugewinnen? Je nachdem wie die GRÜNEN abschneiden, könnte es außerdem Gregor Münch (GRÜNEN-Listenplatz vier) nach München schaffen.