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Regierungsbezirk Oberbayern (Symbolbild)
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Tobias Betz
Christine Haberlander
Christine Kerler
Laila Heyne
Moritz Steinbacher
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Regierungsbezirk Oberbayern (Symbolbild)

In München liegen wohl mit die spannendsten Stimmkreise in ganz Bayern: Hier könnte am Abend der Landtagswahl zum ersten Mal die Farbe Grün auf der Karte der Direktmandate auftauchen.

Alle blicken gespannt nach Milbertshofen

Nur im Stimmkreis München-Milbertshofen hatte die CSU vor fünf Jahren den Kampf ums Direktmandat verloren - an die SPD mit Ruth Waldmann. Überall sonst in ganz Bayern hatten CSU-Bewerber die Nase vorn. Beobachter gehen davon aus, dass in diesem Jahr die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze Chancen haben könnte, in München-Milbertshofen das Rennen für sich zu entscheiden.

Auch Ludwig Hartmann hat Chancen

Doch auch Schulzes Co-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann könnte für einen grünen Farbtupfer auf der sonst schwarzen Karte sorgen. Hartmann tritt im neu gebildeten Stimmkreis München-Mitte an und könnte am 14. Oktober ebenfalls als direkt gewählter Abgeordneter in den bayerischen Landtag einziehen.

Der Dritte im Bunde könnte möglicherweise Grünen-Kandidat Christian Hirneis sein: Er hat Chancen auf das Direktmandat im Stimmkreis Schwabing. Das wäre besonders bitter für die Münchner CSU - denn in Schwabing kandidiert der Münchner CSU-Chef und ehemalige bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle.

Spannung verspricht auch der Stimmkreis Pasing. Dort treten Prominente der verschiedensten Couleur gegeneinander an: Zweiter Bürgermeister Josef Schmid von der CSU, Josef (Hep) Monatzeder von den Grünen, der 1996 bis 2014 Dritter Bürgermeister von München war, sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Florian Ritter.

Die Grünen: Stark im Raum Freising

Im Stimmkreis Freising tritt Grünen-Urgestein Christian Magerl nicht mehr an. Sein bisheriger Mitarbeiter Johannes Becher könnte mit einem Direktmandat in seine Fußstapfen treten: Magerl lag bei der letzten Wahl nur rund vier Prozentpunkte hinter dem CSU-Kandidaten und jetzigen Staatskanzleichef Florian Herrmann, der wieder antritt. Die Grünen sind wegen einer möglichen dritten Startbahn am Münchner Flughafen erfahrungsgemäß sehr stark im Raum Freising.

Im Stimmkreis München-Land-Süd kandidieren SPD-Chefin und -Spitzenkandidatin Natascha Kohnen und Ex-"Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort (FDP).

Stimmkreis Ingolstadt: Spiegelbild bayernweiter Themen

Ingolstadt galt lange als CSU-Hochburg. Diese Zeiten scheinen seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr vorbei zu sein. Zwar wurden die Christsozialen auch damals mit Abstand stärkste Kraft. Doch andere Parteien haben aufgeholt. Spannend wird, ob sich dieser Trend bei der Landtagswahl fortsetzen wird.

Die CSU hat Alfred Grob ins Rennen geschickt - den Chef der Kriminalpolizei in Ingolstadt. Selten gab es dort so viele Gegenkandidaten. Steffi Kürten von den Grünen wird von den guten Umfragewerten ihrer Partei beflügelt, die SPD setzt auf den Arzt Christoph Spaeth. FDP-Kandidat Jakob Schäuble will mit dem Thema Digitalisierung punkten, für die AfD tritt Johannes Kraus von Sande an.

Wichtige Themen: Wohnen und Flüchtlinge

Beobachter rechnen damit, dass in Ingolstadt und der gesamten Region das Thema Wohnen und Immobilienpreise wichtig für die Wahlentscheidung sein wird. Die Region gilt als typisches Beispiel für hohe Mieten und Immobilienpreise. Das Thema Asylpolitik, nicht zuletzt wegen des Ankerzentrums in Manching, wird wohl nicht ohne Bedeutung für das Kreuz am 14. Oktober sein.

Stimmkreis Weilheim-Schongau: Kandidatenrekord

Mit zwölf Kandidaten bewerben sich so viele wie noch nie im Stimmkreis Weilheim-Schongau um ein Direktmandat im Maximilianeum. Wahlkreis-Platzhirsch ist Harald Kühn von der CSU - bei der Landtagswahl 2013 erhielt er 49,2 Prozent der Erststimmen. Spannend wird auch, wie sich Martin Zeil (FDP) schlägt. Der ehemalige Wirtschaftsminister und und frühere Vize-Ministerpräsident war im Stimmkreis Starnberg nicht mehr zum Zug gekommen, jetzt tritt er in Weilheim-Schongau an.

Die Penzberger Bürger dürfen noch mehr Kreuze am Wahlsonntag machen: Sie stimmen auch über drei Bürgerentscheide ab. Bei einem davon geht es um ein Vier-Sterne-Hotel in Penzberg, die beiden anderen drehen sich um Schwimmbäder: um den Neubau eines Hallenbads plus Spaßrutsche und Saunaanlage sowie um den Erhalt und die Sanierung des Wellenbads in Penzberg.

Sohn von Max Streibl tritt an

Der aktuelle Stimmkreisabgeordnete für Bad Tölz-Wolfratshausen und den südlichen Teil von Garmisch-Partenkirchen, Martin Bachhuber (CSU), möchte nach 51,4 Prozent der Erststimmen vor fünf Jahren auch dieses Mal wieder das Direktmandat erobern. Insgesamt stehen 13 Direktkandidaten auf dem Wahlzettel. Für die Freien Wähler geht Florian Streibl ins Rennen. Der Sohn des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl sitzt seit zehn Jahren für die Freien Wähler im Landtag.

Alex Dorow geht als CSU-Kandidat ins Rennen

Im Stimmkreis Landsberg am Lech / Fürstenfeldbruck-West gilt Alex Dorow (CSU) als klarer Favorit. 2013 setzte sich der ehemalige Fernsehmoderator mit 50,3 Prozent der Erststimmen durch. Auch wenn die Christsozialen dieses Mal deutlich schlechter abschneiden sollten, scheint sein Direktmandat nicht ernsthaft gefährdet zu sein.

Der erst 27 Jahre alte Kandidat der SPD, Christian Winklmeier, stand schon bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr auf den Wahlzetteln - damals holte er 16,7 Prozent. Grünen-Kandidatin Gabriele Triebel konnte bislang nur Erfahrungen in der Lokalpolitik sammeln. Ähnlich verhält es sich mit Georg Stockinger, der für die Freien Wähler antritt. Beide sind möglicherweise nicht bekannt genug, um Dorow in Bedrängnis bringen zu können.

Der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel, mit 71 Jahren ein Urgestein der Christsozialen, kandidiert nur über die Liste. Auf Platz zwölf muss er um den Wiedereinzug bangen und könnte bei einem schlechten Abschneiden der CSU nach 44 Jahren aus dem Landtag ausscheiden.

Fürstenfeldbruck-Ost: Reinhold Bocklet tritt nicht mehr an

Der 75-jährige frühere Landwirtschaftsminister Reinhold Bocklet wird aus Altersgründen bei der Landtagswahl nicht mehr antreten. Dreimal hatte er das Direktmandat für die CSU geholt, entsprechend groß sind die Fußstapfen, die er Benjamin Miskowitsch hinterlässt.

Der 34-jährige Mammendorfer konnte als Kreis- und Gemeinderat Erfahrung in der Kommunalpolitik sammeln. Er engagiert sich ehrenamtlich in mehreren Vereinen und dürfte als Leiter des "Kreisboten" in Fürstenfeldbruck gut vernetzt sein. Allerdings hat er mit Martin Runge von den Grünen einen starken Konkurrenten. Der 60-Jährige war 2013 überraschend aus dem Landtag ausgeschieden, rückte nach der Bundestagswahl 2017 aber nach, weil Margarete Bause für die Grünen ins Bundesparlament gewählt worden war. Vergangenes Jahr kandidierte er als Oberbürgermeister in Fürstenfeldbruck und verlor nur knapp gegen seinen CSU-Kontrahenten.

Der frühere Grünen-Fraktionsvorsitzende Sepp Dürr aus Germering tritt nur über die Liste an und muss mit Platz 42 ernsthaft um den erneuten Einzug in den Landtag bangen.

Mühldorf am Inn und Altötting: Viele junge Bewerber

Im Landkreis Altötting ist es unsicher, ob die CSU erneut ein Ergebnis von knapp 50 Prozent wie vor fünf Jahren erreichen wird. Der langjährige ehemalige Mühldorfer Bürgermeister Günther Knoblauch kandidiert als Direktkandidat der SPD in Altötting. Der 70-Jährige tritt gegen den 30 Jahre jüngeren Martin Huber von der CSU an.

Als so gut wie sicher gilt die Wiederwahl des bayerischen Umweltministers Marcel Huber (CSU) aus Ampfing im Stimmkreis Mühldorf. Mit Spannung wird auf das Abschneiden der AfD geschaut. Denn wiederholt war es in einem Asylbewerberheim in Waldkraiburg zu Ausschreitungen einiger Bewohner gekommen. Die AfD ging damit auf Stimmenfang.

Auffällig wie in Altötting ist auch in Mühldorf: Es gibt viele junge Bewerber – zum Beispiel kandidiert Kilian Maier, ein 24-jähriger Student aus Mehring bei Burghausen, für die SPD. Der 20-jährige Phillip Hackl aus Winhöring ist der Direktkandidat der Linken.

Traunstein und Berchtesgadener Land: Gute Chancen für CSU

In den Stimmkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sitzen die Direktkandidaten der CSU - der Traunsteiner CSU-Kreisvorsitzende Klaus Steiner und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber - wohl fest im Sattel. Alles andere als ihre Wiederwahl wäre eine große Überraschung. Ob die beiden allerdings ihre guten Ergebnisse von 2013 wieder erreichen können, als sie jeweils rund 51 Prozent holten, ist fraglich.

Stimmkreis Rosenheim-West: Franz Bergmüller und die AfD

Weil sich Rosenheim und Kolbermoor in den 80-er Jahren den Ruf erworben hatten, die bayerischen Republikaner-Hochburgen zu sein, stellt sich in der Region vor der Landtagswahl die Frage: Wird auch die AfD hier überdurchschnittlich gut abschneiden?

Für die AfD tritt im Stimmkreis Rosenheim-Ost Franz Bergmüller an. Vielen dürfte der impulsive Gastwirt noch als Sprecher des Pro-Raucher-Aktionsbündnisses "Bayern sagt Nein" bekannt sein. Zuletzt war das frühere CSU- und Freie-Wähler-Mitglied in den Medien, weil die Bundes-AfD versuchte, ihn aus der Partei auszuschließen – bislang erfolglos. Seine Machtbasis liegt im oberbayerischen Bezirksverband.

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